Volvo-Verkauf Ford bevorzugt Geely

Seit Jahren sucht Ford nach einem Käufer für die kriselnde Tochter Volvo. Nun erklärten die Amerikaner, der chinesische Hersteller Geely sei bevorzugter Verhandlungspartner. In der Volvo-Heimat Schweden halten das viele für keine gute Nachricht, doch Geely beschwichtigt schon.

Dearborn/Göteborg/Hangzhou - Beim geplanten Verkauf des schwedischen Autobauers Volvo  hat der chinesische Hersteller Geely jetzt auch offiziell die besten Karten. Volvos Mutterkonzern Ford  bestätigte am Mittwoch ein Kaufangebot aus China und bezeichnete Geely als "bevorzugten Bieter" bei weiteren Verhandlungen. In Schweden wurden die seit Monaten kursierenden Gerüchte über Geely als neuen Eigner überwiegend skeptisch aufgenommen.

Eine Entscheidung sei noch nicht getroffen, teilte Ford am Konzernsitz in Dearborn (Michigan) mit. "Wir haben keine bestimmte Frist für den Abschluss der Gespräche", sagte Ford-Finanzchef Lewis Booth. Neben Geely hatten im Sommer das US-Konsortium "Crown" sowie ein unter dem Namen "Jakob" firmierendes schwedisches Konsortium Kaufinteresse angemeldet. Booth meinte: "Wir meinen, dass Geely das nötige Potenzial als künftiger Volvo-Eigner hat, um das Unternehmen weiterzubringen und gleichzeitig dessen Unabhängigkeit als schwedische Marke zu bewahren."

Ford teilte erstmals mit, dass die bisherige Mutter bei einem Verkauf keine Anteile an Volvo behalten will. Der derzeitige Chef bei dem schwedischen Autobauer, Stephen Odell, meinte zu dem Bescheid aus den USA: "Wir begrüßen das als positiven Schritt nach vorn." Sprecher der schwedischen Metall-Gewerkschaft äußerten sich zurückhaltend oder skeptisch.

Ford kämpft mit Milliardenverlusten und hatte Volvo im letzten Dezember zum Verkauf gestellt. Die Höhe des chinesischen Angebotes wurde nicht mitgeteilt. Im Frühjahr verlautete inoffiziell aus den USA, dass Ford von einem Preis zwischen einer und zwei Milliarden Dollar (677 Millionen bis 1,4 Milliarden Euro) ausgehe. Die Auftrags- und Ertragslage hat sich seitdem sowohl für Ford wie für Volvo wieder spürbar gebessert. Beim eigenen Einstieg 1999 hatte das US-Unternehmen noch fast das Fünffache für die schwedische Tochter gezahlt.

Geely kündigte an, Volvo im Falle einer Übernahme als selbstständige schwedische Automarke mit Hauptsitz in Göteborg weiterzuführen. Weiter hieß es aus der Geely-Zentrale in Hangzhou, die bisherige Volvo-Produktion (in Schweden und Belgien) sowie alle Aktivitäten bei Forschung und Entwicklung würden ebenso unverändert erhalten bleiben wie Tarifverträge und Händlernetze. Über die Unternehmensstrategie solle ein unabhängiges Management in Göteborg entscheiden.

Neu öffnen werde sich für Volvo der Zugang zum "chinesischen Automarkt mit seinen enormen Möglichkeiten". Die Finanzierung einer möglichen Übernahme von Ford sei auch durch chinesische Banken gesichert. Konzernchef Li Shufu meinte: "Dies ist ein wichtiger strategischer Schritt für Geely."

manager-magazin.de mit Material von dpa und dpa-afx

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