Mittwoch, 29. Januar 2020

Arbeitsmarkt Vernagelt und verschlossen

Deutschlands Unternehmen haben auf stur geschaltet. Die Bereitschaft, Mitarbeiter einzustellen, ist so gering wie seit Jahren nicht mehr. Jetzt zeigt sich, dass auch Frauen und Männer unter der Wirtschaftskrise leiden, die ihren Arbeitsplatz noch gar nicht verloren haben - unter Lohneinbußen.

Hamburg - Wenn die Aufmerksamkeit nachlässt, ganz schnell, der Blick ihres Gegenüber von ihr wegwandert, irgendwohin, dann weiß Marie Doerenkamp: Das hat gesessen. Weil sie ihrem Besucher, ihrem Kunden, wieder keinen Arbeitsplatz vermitteln konnte. "Ich habe das Gefühl, dass so etwas derzeit zu oft vorkommt", sagt die Vermittlerin der Düsseldorfer Filiale der Bundesagentur für Arbeit gegenüber manager-magazin.de. Ihr Gefühl hat sie nicht getrogen.

Wirtschaftskrise: Bundesagentur für Arbeit meldet geringere Einstellungsneigung der Unternehmen
Hunderttausende Frauen und Männer dürften heute resigniert auf den gerade veröffentlichten Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit blicken, der widerspiegelt, was Marie Doerenkamp erlebt: Es gibt nur wenige freie Jobs in der Bundesrepublik, trotz des ersten kleinen Aufschwungs aus der Tiefe der Wirtschaftskrise heraus.

So verharrt der Stellenindex Bax der Bundesagentur für Arbeit dann auch seit fünf Monaten tief in den roten Zahlen: Verglichen mit dem Oktober 2008 lag die Arbeitskräftenachfrage zuletzt insgesamt mit 36 Punkten im Minus, im September lag der Vorjahresabstand noch bei -39, im Juli bei -44 und im Juli bei -46 Punkten, wie die Bundesagentur heute bekannt gegeben hat.

"Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen ist in etwa so schlecht, wie im Oktober 2005, dem bisherigen Tiefpunkt der Erhebung. Auch wenn es so scheint, als ob zumindest der Abwärtstrend bei der Arbeitskräftenachfrage gestoppt ist und die Nachfrage sich zu stabilisieren beginnt", sagt dann auch BA-Expertin Judith Wüllerich zu manager-magazin.de; der so genannte Bax-Stellenindex gilt als der aktuellste in Deutschland und beruht auf konkreten Angeboten der Unternehmen für sozialversicherungspflichtige Jobs, auch denen für Freiberufler und Selbständige sowie denen der Zeitarbeitsfirmen.

Immerhin, die kleine Besserung, die sich aus der Bax-Zahlenreihe seit Juli ablesen lässt, kann heute der Verband der Zeitarbeitsfirmen bestätigen. "Die Zahl unserer Angestellten hatte im Mai mit 506.800 den Tiefpunkt erreicht. Seitdem werden wieder mehr Zeitarbeitnehmer von den Unternehmen hierzulande beschäftigt, auch wenn der Zuwachs nur sehr langsam vonstatten geht. Zuletzt waren es 575.000", sagt Mirja Drews zu manager-magazin.de, Referentin des Bundesverbandes Zeitarbeit. Das allerdings sind noch immer rund 285.000 weniger als im Oktober des vergangenen Jahres.

Insgesamt sind derzeit rund 3,4 Millionen Frauen und Männer in der Bundesrepublik nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit auf der Suche nach einem Arbeitsplatz.

Die Arbeitsplatzmisere macht sich sogar schon, wenn auch in stark abgemilderter Form, für all jene bemerkbar, die ihren Arbeitsplatz trotz Wirtschaftskrise behalten haben: Die Löhne vieler Frauen und Männer hierzulande steigen nicht so stark, wie es die teils kräftigen, vergangenen Tariferhöhungen eigentlich hätten erwarten lassen. Das zeigt der heute ebenfalls veröffentlichte Tarifindex des Statistischen Bundesamtes.

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