Arbeitsmarkt Jeder neunte Beschäftigte verlor den Job

Mitten in der Wirtschaftskrise haben viele Arbeitnehmer mehr Geld in der Tasche. Die Tarifgehälter in der Industrie sind gestiegen, und die Lebenshaltungskosten sinken. Doch längst nicht alle profitieren: Viele haben wegen Kurzarbeit und gestrichener Zulagen weniger Geld zur Verfügung - und laut einer Studie verlor bislang jeder neunte Beschäftigte seinen Job.

Wiesbaden - Die Tarifgehälter der Arbeitnehmer in Deutschland sind innerhalb eines Jahres um 3 Prozent gestiegen. Zugleich sanken im angegebenen Zeitraum zwischen Juli 2008 und Juli 2009 die Verbraucherpreise um 0,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte.

Die höchsten Tarifaufschläge gab es in der Industrie. Doch für längst nicht alle Beschäftigten reichte es in der Wirtschaftskrise zu einem echten Kaufkraftzuwachs: Viele haben wegen Kurzarbeit, gestrichener Zulagen oder ausgesetzter Tariferhöhungen weniger in den Geldbörsen.

Der Trend zu günstigeren Lebenshaltungskosten setzt sich derweil offenbar fort. Auch im Oktober können sich Verbraucher über billigere Lebenshaltungskosten freuen. Allerdings fiel die Entlastung deutlich geringer aus als noch im September. Die Preise sanken nach ersten Daten aus Hessen, Brandenburg und Sachsen binnen Jahresfrist zwischen 0,1 und 0,2 Prozent, wie die Statistischen Landesämter am Dienstag mitteilten.

Die bundesweiten Daten sollen am Nachmittag vorgelegt werden. Analysten erwarten hier unveränderte Preise.

Vor allem Energie und Lebensmittel wurden günstiger. Rechtzeitig zu Beginn der Heizperiode verbilligten sich Heizöl etwa in Hessen um knapp ein Viertel und Gas um fast ein Fünftel. Der Ölpreisrückgang drückte auch die Kraftstoffpreise ins Minus, hier war in Brandenburg das Minus mit 6,2 Prozent aber deutlich geringer als in den Vormonaten.

Der Preis für ein Barrel Rohöl hatte im Juli 2008 einen Rekord bei etwa 150 Dollar erreicht, war danach aber stark gesunken. Inzwischen kostet der Rohstoff mit 79 Dollar gut die Hälfte. Experten rechnen daher damit, dass dieser Effekt in den kommenden Monaten ausläuft und die Energiepreise im Jahresvergleich nicht mehr so stark fallen.

Mehr als drei Millionen Menschen verlieren in der Krise ihren Job

Viele Beschäftigte haben davon jedoch nicht. Seit Ausbruch der Wirtschaftskrise haben laut einer DGB-Studie 3,258 Millionen Menschen in Deutschland ihre Stelle verloren. Damit habe sich jeder neunte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zwischen Oktober 2008 und September 2009 arbeitslos gemeldet, berichtete die "Rheinische Post" am Mittwoch unter Berufung auf eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Entgegen der verbreiteten Annahme sei in Deutschland das Entlassrisiko "äußerst groß", zitierte das Blatt Wilhelm Adamy, der für die Studie die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit (BA) ausgewertet hat. Das größte Risiko, den Job zu verlieren, haben demnach Leiharbeiter. Als nächstes folgen das Gastgewerbe und die Landwirtschaft sowie das Baugewerbe.

Überraschend gering sei das Risiko dagegen bei Banken und Versicherungen, hieß es. Auch in absoluten Zahlen seien die Unterschiede groß: "In der die Krise auslösenden Branche des Finanz- und Versicherungsgewerbes hat sich der Zugang in Arbeitslosigkeit nur unterdurchschnittlich erhöht", wurde Adamy zitiert. Innerhalb eines Jahres hätten sich nur 27.000 Bank- und Versicherungsangestellte neu arbeitslos gemeldet (15 Prozent mehr als im Vorjahr). Im Verarbeitenden Gewerbe hätten dagegen 459.000 Menschen ihren Job verloren.

Immerhin scheint der seit Anfang 2008 anhaltende Abwärtstrend bei der Arbeitskräftenachfrage jedoch gestoppt. Den dritten Monat in Folge habe sich das Angebot an freien Stellen im Oktober leicht verbessert, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Nürnberg mit.

"Inwieweit die Talsohle der Krise damit erreicht ist und in den kommenden Monaten ein Anziehen der Kräftenachfrage erfolgt oder ob sich die Nachfrage vorerst auf niedrigem Stand einpendelt, bleibt jedoch abzuwarten", heißt es in einer Mitteilung der Nürnberger Bundesbehörde. Der Stellenindex der Bundesagentur BA-X verbesserte sich im Oktober um einen auf 125 Punkte. Dies sind aber immer noch 36 Punkte weniger als vor einem Jahr.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.