Quartalszahlen Sparprogramm rettet Daimlers Minigewinn

Mit einem rigiden Sparprogramm hat sich Daimler im dritten Quartal einen kleinen Nachsteuergewinn erarbeitet. Die seit Januar aufgelaufenen Verluste von rund 2,3 Milliarden Euro lassen aber einen Gewinn im Gesamtjahr in weite Ferne rücken.

Stuttgart - Daimler teilte am Dienstag in Stuttgart mit, nach Steuern belaufe sich der Gewinn der Monate Juli bis September auf 56 Millionen Euro. Dazu trug unter anderem der Abbau von Lagerbeständen bei, die der Autokonzern durch Überproduktion aufgebaut hatte. Zudem entlasteten ein Sparprogramm und Kurzarbeit den Konzern von Personal- und Sachkosten.

Daimler stellt sich wegen der anhaltenden Talfahrt bei Absatz und Umsatz in den kommenden Monaten auf finanzielle Engpässe bei Händlern und Zuliefern ein, die dem zweitgrößten deutschen Industriekonzern das Ergebnis nochmals verhageln könnten.

Im Vorjahresquartal hatte Daimler 213 Millionen Euro verdient und war anschließend im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise in die roten Zahlen abgerutscht. Vor Steuern und Zinsen summierte sich der Gewinn im zurückliegenden Vierteljahr auf 470 Millionen Euro nach 648 Millionen Euro vor Jahresfrist.

Schwarze Zahlen auch im vierten Quartal erwartet

Auch im Schlussvierteljahr werde Daimler ein positives operatives Ergebnis im laufenden Geschäft erwirtschaften, stellte der vor allem mit BMW und Audi konkurrierende Autohersteller in Aussicht. Zum Jahresende würden Umsatz und Absatz aber deutlich unter den Werten des Vorjahres liegen.

Nach neun Monaten hinkt der Umsatz mit 57,6 Milliarden Euro dem Vorjahreswert um 23 Prozent hinterher, der Absatz liegt mit 1,1 Millionen verkauften Pkw und Nutzfahrzeugen 30 Prozent darunter. Bei den von der Wirtschaftskrise schwer gebeutelten Nutzfahrzeugen liegt der Auftragseingang per Ende September mit rund 170.000 Fahrzeugen 49 Prozent unter 2008.

"Sehr gute Versorgung mit Barmitteln"

Die eigene Finanzlage schätzt Daimler dennoch als solide ein. Diese werde auch im vierten Quartal stabil bleiben, obwohl höhere Auszahlungen und Bestandsaufbau im Schlussquartal voraussichtlich zu einem negativen Cash Flow führten. Wegen der "sehr guten" Versorgung mit Barmitteln werde Daimler die Kapitalmärkte in diesem Jahr jedoch nur noch in geringem Umfang in Anspruch nehmen.

"Wir sind jetzt gut aufgestellt und können mit Zuversicht ins nächste Jahr gehen, das aufgrund weltweit weiterhin schwieriger Automärkte herausfordernd bleiben wird", sagte Konzernchef Dieter Zetsche. 2010 läuft Zetsches Vertrag aus, über eine mögliche Verlängerung wird der Aufsichtsrat voraussichtlich zu Jahresbeginn entscheiden.

"Bild von der steigenden Gewinnkurve zerstört"

Der enttäuschende Ausblick drückte die Daimler-Aktien nach Bekanntgabe der Zahlen stärker ins Minus. Laut Händlern belasteten die Aussagen des Autobauers zum Lkw-Geschäft und der skeptische Ausblick. "Was sie zum Lkw-Markt im vierten Quartal gesagt haben, schmeckt dem Markt nicht", fasste ein Händler zusammen. Dies habe einige Gewinnmitnahmen ausgelöst.

"Die vorläufigen Zahlen sahen ein bisschen zu gut aus", erklärte Analyst Jürgen Pieper von Bankhaus Metzler. "Das Bild von der steigenden Gewinnkurve, das viele hatten, ist erst einmal zerstört worden. Vor allem der schwache Ausblick auf das vierte Quartal enttäuschte", fügte er hinzu.

Daimler rutschten um bis zu 2,8 Prozent auf 34,82 Euro ab, erholten sich dann aber wieder etwas. Daimler hatten nach der Vorlage der Eckzahlen in der vorigen Woche mit einem Plus von 5 Prozent zu den drei größten Wochengewinnern im Dax gehört.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

Daimler: Cash oder Crash

Mehr lesen über Verwandte Artikel