Privatbanken Schadenfreude war gestern

Mit der Übernahme von Sal. Oppenheim durch die Deutsche Bank verliert die Gilde der unabhängigen Privatbanken hierzulande ihr langjähriges Aushängeschild. Der Fall des Kölner Bankhauses lässt die zuletzt erfolgsverwöhnte Zunft nicht kalt.
Von Arne Stuhr
Wenn et Leech usjing em Bankhaus: Die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim verliert nach 220 Jahren ihre Unabhängigkiet

Wenn et Leech usjing em Bankhaus: Die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim verliert nach 220 Jahren ihre Unabhängigkiet

Foto: DPA

Hamburg - "Da wurde so manches Tränchen verdrückt, aber so weit, dass hier jemand seinen zweiten Porsche verkaufen muss, so weit ist es noch nicht." Was jüngst ein Kölner Wachmann dem Feuilleton der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" anvertraute, nennt man wohl Leiden auf hohem Niveau. Im Stadtteil Marienburg, einer äußerst noblen Wohngegend im Süden der Domstadt, in der Objekte in der Regel nicht für unter einer Million Euro ihren Besitzer wechseln, scheint die Finanzkrise - wie der nahe Rhein seit dem Jahrhunderthochwasser von 1993 - ohne größere Schäden vorbeizuziehen.

In der Marienburger Lindenallee, dem Stammsitz der Bankiersfamilie Oppenheim, herrscht trotzdem Land unter. Denn nur ein paar Kilometer nördlich ist der aus ihrer Sicht größte anzunehmende Unfall längst eingetreten: Nach 220 Jahren verliert das Bankhaus Sal. Oppenheim, das zwar vor einigen Jahren seinen juristischen Sitz nach Luxemburg verlegte, aber dessen Herz nach wie vor in der Kölner Innenstadt schlägt, seine Unabhängigkeit. Am Mittwoch unterzeichneten die Oppenheim-Eigner mit der Deutschen Bank  einen Rahmenvertrag über den kompletten Verkauf an den deutschen Branchenprimus.

Dass die ins Management der Bank eingebundenen Sippenoberen der Familien Oppenheim, Ullmann und Krockow nach Informationen von manager magazin nun noch viel größere Schuld am Ende des einst so stolzen Geldhauses tragen, löst dabei in der Branche blankes Entsetzen aus.

Offiziell herrscht betretenes Schweigen. Kenner der Szene wissen aber zu berichten, dass bei den einschlägigen Adressen in Hamburg und Frankfurt weniger Schadenfreude als viel mehr Schadensbegrenzung angesagt ist. "Das Geschäftsmodell der Privatbanken ist angesichts dieser Vorkommnisse viel erklärungsbedürftiger geworden", so ein Insider gegenüber manager-magazin.de. Hinzu komme, dass viele Oppenheim-Kunden ihr Geld (Stand Ende 2008 verwalteten die Kölner rund 132 Milliarden Euro Kundenvermögen) höchst illiquide angelegt hätten. Eine schnelle Flucht von der künftigen Deutsche-Bank-Filiale zur Konkurrenz sei daher schlichtweg gar nicht möglich.

Mit starken Kannibalisierungsgewinnen ist kurzfristig also nicht zu rechnen. Aber sind die feinen Adressen des deutschen Bankgewerbes überhaupt auf die indirekten Ackermann-Flüchtlinge angewiesen? Spült ihnen die Finanzkrise mit Schieflagen à la UBS nicht ohnehin schon genügend verstimmte Großbankkunden in die mit edlen Fauteuils und teuren Kunstwerken eingerichteten Beratungszimmer?

Mittelzuflüsse und neue Mandate

"Für unser Haus kann ich diesen Trend bestätigen", gibt sich Karsten Wehmeier von der Berenberg Bank gegenüber manager-magagzin.de selbstbewusst. "Allein in diesem Jahr haben wir bis jetzt schon ein Kundenwachstum von 7 Prozent verzeichnet", erläutert der Pressesprecher der Hanseaten, die ihr Personal dementsprechend auf 880 (2008: 837) aufgestockt haben. Derzeit komme Deutschlands älteste Privatbank - gegründet 1590 - laut Wehmeier nun auf ein für Privatkunden verwaltetes Vermögen von 8,3 Milliarden Euro (insgesamt rund 21 Milliarden Euro). Der Gewinn habe sich dabei im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Viertel erhöht.

Jörg-Matthias Butzlaff, Leiter der Unternehmenskommunikation beim Bankhaus Metzler, ist ebenfalls davon überzeugt, dass "Privatbanken von ihrem nachhaltigen Geschäftsmodell profitieren". Die Frankfurter verzeichneten nach eigenen Angaben im vergangenen Geschäftsjahr ebenfalls Mittelzuflüsse und neue Mandate. Das verwaltete Vermögen (Assets under Management) betrug Ende 2008 rund 29 Milliarden Euro. Dass es "bedingt durch die Marktverhältnisse" (Metzler-Geschäftsbericht) vier Milliarden Euro weniger waren als zwölf Monate zuvor, bereitet dabei in einem seit mehr als 330 Jahren unabhängigen Bankhaus keinem schlaflose Nächte. Vielleicht auch deswegen, weil es keine feste Definition gibt, was denn nun genau zum verwalteten Vermögen gezählt wird und Kenner der Szene bei dem ein oder anderen Geldhaus eine recht großzügige Interpretation vermuten.

Auch wenige Gehminuten entfernt bei Hauck & Aufhäuser (18 Milliarden Euro Assets under Management Ende 2008) verfolgt man nicht die Strategie eines Krisengewinners. "Generell haben vermögende Privatkunden ein sehr stabiles Verhältnis zu ihrer Bank und zu ihrem Kundenberater - auch wenn er bei einer Großbank arbeitet, die vielleicht in die Schlagzeilen geraten ist. Dennoch haben wir vergangenes Jahr überdurchschnittlich viele neue Kunden gewinnen können, und nach drei Quartalen sehen wir, dass sich dieser Trend 2009 fortsetzt", differenziert Kommunikationschef Felix Höpfner im Gespräch mit manager-magazin.de.

Die aktuelle Krise habe viele Kunden verunsichert. "Wir sehen deshalb einen deutlich gestiegenen Beratungsbedarf auf Kundenseite. Daher investieren wir heute noch mehr Zeit in das persönliche Gespräch mit unseren Kunden", so Höpfner weiter. Als großen Vorteil von Hauck & Aufhäuser bezeichnet er dabei die Tatsache, dass man "prinzipiell keine eigenen Produkte an Privatkunden" vertreibe, und die nicht standardisierten Angebote "stets auf die individuelle Situation des Kunden" abstimme. Das stärke die Glaubwürdigkeit, besonders in Krisenzeiten.

Apropos Krisenzeiten: In Köln-Marienburg, dem Stadtteil also, der einst in den Morgenstunden des 14. Februar 2008 durch den von Fernsehkameras dokumentierten Einmarsch von Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung in das Privathaus des damaligen Post-Chefs Klaus Zumwinkel aus seiner sonst so beschaulichen Idylle gerissen worden war, scheint das Interesse - und nicht zuletzt das Geld -, dort hinzuziehen weiterhin vorhanden. Wer auf den Seiten des Immobilienmaklers Engel & Völkers nach Objekten im Nobelareal sucht, findet dort zum Beispiel eine "Stilvolle Denkmal-Villa" mit sieben Schlafzimmern, verteilt auf knapp 500 Quadratmeter Wohnfläche. Über dem Foto steht das Wort, was nun auch bald für Sal. Oppenheim gilt: "Verkauft".

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