Opel/Magna GM-Veto in letzter Sekunde?

Opel-Besitzer General Motors will sein europäisches Geschäft offenbar doch nicht an das Konsortium von Magna und der russischen Sberbank verkaufen. Die Entscheidung wurde nach Medieninformationen auf den 3. November vertagt, wichtige Manager des US-Konzerns seien aber gegen den Verkauf.

Rüsselsheim - Der Verkauf von Opel droht einem Magazinbericht zufolge zu platzen. Im Führungsgremium (Board) des Eigentümers General Motors  (GM) mehrten sich die Stimmen derer, die gegen einen Verkauf des Rüsselsheimer Autobauers seien, berichtete das Nachrichtenmagazin "DER SPIEGEL" am Freitag.

GM brüskiere damit die deutsche Bundesregierung, das komplette Opel-Management und die Arbeitnehmer, die sich für den Verkauf an Magna und die Sberbank eingesetzt haben. Der Vertrag ist weitgehend unterschriftsreif. Top-Manager von GM setzen darauf, dass der US-Konzern eine Bürgschaft erhält und Opel damit selbst sanieren könnte. Die Bundesregierung hatte versichert, dass sie die versprochenen Kreditbürgschaften über 4,5 Milliarden Euro grundsätzlich auch anderen Bietern gewährt hätte.

Opel-Betriebsratschef Klaus Franz sagte: "GM verliert damit in Europa in der Politik und bei den Beschäftigten das letzte Vertrauen. Das erneute Taktieren und Verzögern stößt auf harten Widerstand der Belegschaft." Der Betriebsratschef kündigte an, dass die europäischen GM- Belegschaften auf keinen Fall wie bislang vorgesehen auf Lohn verzichten werden. "Wir werden General Motors keinen Cent an Arbeitnehmerbeiträgen in den Rachen werfen", sagte Franz.

Der Vertrag über den Kauf von Opel durch Magna sollte ursprünglich am vergangenen Donnerstag unterzeichnet werden. Die Europäische Kommission hatte allerdings Ende der vergangenen Woche die Entscheidung für den Verkauf grundsätzlich in Frage gestellt. Die Bundesregierung sollte dem Opel-Mutterkonzern "Gelegenheit geben, das Ergebnis des Bieterprozesses zu überdenken", schrieb Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes an Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).

Der Verkauf von Opel hängt von der Zustimmung der Europäischen Kommission ab, weil diese als oberste europäische Wettbewerbsbehörde staatliche Beihilfen prüfen und genehmigen muss. Neben den in Aussicht gestellten 4,5 Milliarden Euro Kreditbürgschaften hat die Bundesregierung bereits 1,5 Milliarden Euro als Überbrückungskredit gezahlt. Insbesondere in Belgien gibt es Bedenken gegen den Kauf des Autobauers durch Magna, weil die Schließung des Opel-Standorts in Antwerpen droht. Aber auch in Großbritannien und Spanien werden Arbeitsplatzverluste befürchtet.

Landespolitiker hatten vor der Entscheidung erklärt, dass die Staatshilfen an einen Zuschlag für den Autozulieferer Magna und dessen russischen Partner Sberbank geknüpft seien. GM-Chefunterhändler John Smith schrieb in seinem Internetblog am Freitag, der Verwaltungsrat von GM werde am 3.November über die Verträge beraten. Vorher werde es keine Unterschriften geben.

manager-magazin.de

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