Insolvenzverwalter Karmann droht Aus zum Monatsende

Dem insolventen Cabriospezialisten Karmann droht wegen akuter Finanznot zum 1. November das Aus. Mit Auftraggebern wie Daimler wird über offene Rechnungen verhandelt. Ohnehin soll die Hälfte der Belegschaft entlassen werden.

Osnabrück/Stuttgart - Der Sprecher von Insolvenzverwalter Ottmar Hermann, Pietro Nuvoloni, bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Freitag. "Es sieht sehr ernst aus", sagte er. Hermann verhandele mit allen Autoherstellern. Dem Zeitungsbericht zufolge schuldet allein Mercedes-Benz Karmann einen zweistelligen Millionenbetrag. Eine Bestätigung dazu gab es weder seitens des Insolvenzverwalters noch von Daimler .

Ein Daimler-Sprecher sagte, die Stuttgarter seien mit dem Karmann- Insolvenzverwalter im Gespräch. Dabei gehe es um "Forderungen aus der Vergangenheit und der Gegenwart". Es werde versucht, eine "Gesamtlösung" zu finden. Karmann liefert Rohbauteile für den Mercedes SLK und das Dach für das E-Klasse Cabrio. "Der Eindruck, dass wir grundlos Geld zurückhalten, ist nicht zutreffend." Angaben zur Höhe der offenen Forderungen und zu weiteren Details machte der Sprecher nicht.

"Der Insolvenzverwalter befindet sich in sehr intensiven Gesprächen mit den Auftraggebern, die noch offene Rechnungen haben", sagte Nuvoloni. Ziel sei es, dass noch in letzter Minute Geld gezahlt werde, um die endgültige Schließung Karmanns zu verhindern. Bei einer völligen Zahlungsunfähigkeit müsste der Betrieb geschlossen, die noch verbliebenen rund 1500 Mitarbeiter sofort entlassen und der Besitz versteigert werden. Ein Großteil der Maschinen und die Immobilien gehören nicht der insolventen Karmann GmbH, sondern der nicht insolventen Karmann KG.

Die erst kürzlich neu gegründete Karmann-Tochter E-Mobil GmbH, die Elektroautos entwickelt, sei von der insolventen Unternehmensmutter zum Teil unabhängig, sagte Unternehmenssprecher Christian Eick. In den nächsten Tagen werde der Prototyp des Elektroautos "E3" an den Oldenburger Energieversorger EWE vertragsgemäß ausgeliefert. Es gebe noch weitere Aufträge für die Elektroautosparte, die auch abgearbeitet werden sollten, sagte Eick.

Außerdem sorgt Volkswagen  für Hoffnung bei Karmann. Der niedersächsische Konzern will nach Informationen des manager magazins den Porsche Boxster in Zukunft in Osnabrück und nicht mehr von Magna bauen lassen. Die Österreicher sind durch die geplante Übernahme von Opel zum direkten Konkurrenten geworden. Zuvor hatte es bereits Berichte gegeben, Volkswagen erteile Karmann einen großen Entwicklungsauftrag oder erwäge gar einen direkten Einstieg.

Bereits in der vergangenen Woche hatte Insolvenzverwalter Hermann wegen der Schließung von Teilbereichen des Osnabrücker Traditionsunternehmens Massenentlassungen angekündigt. Etwa die Hälfte der Mitarbeiter müsste demzufolge gehen. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat in dieser Frage seien noch nicht beendet, sagte Nuvoloni. Auch die Gespräche zum Verkauf etwa des Verdeckbaus liefen auf Hochtouren. "Aber so ein Prozess kann nicht über einige wenige Tage über die Bühne gehen", sagte er. All diese Fragen würden überschattet von der aktuellen Finanznot. "Das Thema der Liquidität brennt uns unter den Fingernägeln."

manager-magazin.de mit Material von dpa

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