Baubranche Staatsausgaben beleben das Geschäft

Erstmals seit fast einem Jahr hat das Bauhauptgewerbe im August wieder mehr Aufträge erhalten. Dafür sorgten die Konjunkturprogramme der Bundesregierung - allerdings gehen die Impulse einseitig vom Straßenbau aus. Mit der wichtigsten Sparte Wirtschaftsbau geht es weiter bergab.

Wiesbaden - Wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte, stiegen in Betrieben mit mindestens 20 Beschäftigten die Bestellungen binnen Jahresfrist preisbereinigt um 3,0 Prozent. Dadurch habe der Auftragseingang erstmals seit September 2008 wieder im Plus gelegen. Noch im Juli hatte es ein Minus von 8,4 Prozent gegeben.

"Die Konjunkturprogramme ziehen", sagte der Sprecher des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), Heiko Stiepelmann. "Die öffentlichen Ausgaben haben die Ausfälle im Wirtschaftsbau erstmals kompensiert." Die Aufträge für den öffentlichen Bau zogen HDB-Angaben zufolge um 11,1 Prozent an. "Darin spiegeln sich die höheren Ausgaben der Regierung für Bundesfernstraßen und Autobahnen wider", sagte Stiepelmann.

Während sich laut den Statistikern die Nachfrage im Tiefbau um 7,0 Prozent erhöhte, nahm sie im Hochbau um 1,0 Prozent ab. Seit Jahresbeginn sank der Auftragseingang des Bauhauptgewerbes gegenüber dem Vorjahreszeitraum preisbereinigt allerdings um 9,6 Prozent.

Im August setzten die Betriebe den Angaben zufolge rund 7,4 Milliarden Euro um, 5,1 Prozent weniger als Vorjahresmonat. Seit Jahresbeginn summierten sich die Erlöse im Bauhauptgewerbe auf 49,4 Milliarden Euro, 7,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Der HDB rechnet für das Gesamtjahr mit einem Minus von 4,5 Prozent. Wie die Behörde weiter mitteilte, beschäftigten die Unternehmen des Hoch- und Tiefbaus Ende August insgesamt 705.000 Mitarbeiter. Das waren 15.000 weniger als vor Jahresfrist.

Deutsche Bahninvestitionen fallen international zurück

Laut dem Verband hat zu der Belebung der Branche vor allem der Öffentliche Bau mit einem Auftragsplus von 11,1 Prozent beigetragen. Besonders aus dem Straßenbau seien mit einem Plus von 22,3 Prozent Impulse gekommen. Beispielsweise habe der Bund seine Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur im August um knapp 31 und im September um fast 18 Prozent erhöht.

Dagegen stecke der Wirtschaftsbau weiter in der Krise, die Rückschläge würden aber schwächer. Demnach seien die Order der größten Baubranche im August mit 6,0 Prozent nur noch einstellig zurückgegangen. Eine konjunkturelle Trendwende sei jedoch noch nicht in Sicht, hieß es. Viele Unternehmen scheuen angesichts leerer Auftragsbücher und überschüssiger Kapazitäten größere Investitionen.

Im Wohnungsbau komme die konjunkturelle Stabilisierung jedoch voran. Das Bestellplus habe sich im August auf 4,0 Prozent belaufen - vor allem wegen der staatlichen Förderung der ökologischen Gebäudesanierung. "Das ist eine gute Zeit für Bauherren, zumal auch die Baupreise gesunken sind", sagte Stiepelmann.

Deutschland investiert aus Sicht der Bahnlobby zu wenig in die Schiene und fällt deshalb international zurück. "Wir brauchen jährlich fünf Milliarden Euro Schieneninvestitionen", sagte der Geschäftsführer des Bündnisses Allianz pro Schiene, Dirk Flege, am Freitag in Berlin. Die tatsächliche Summe für dieses Jahr liege bei 4,3 Milliarden Euro. Der Allianz gehören Verbände und Gewerkschaften an, unter den Förderern sind die Deutsche Bahn sowie die Bahn- und Bauindustrie.

Flege präsentierte einen Vergleich, wonach Deutschland 2008 mit Investitionen von 47 Euro je Einwohner weit hinter Ländern wie der Schweiz (284) und Österreich (205), Großbritannien (136) und Spanien (84) zurücklag. Nicht berücksichtigt ist allerdings der Bedarf: Großbritannien und Spanien etwa arbeiten derzeit Rückstände auf.

manager-magazin.de mit Material von ddp, reuters und dpa

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