Aufschwung Deutsche Industrie wächst wieder

Der Aufschwung in der deutschen Wirtschaft geht voran. Die Industrie hat die Schwelle zum Wachstum wieder überschritten, wie der Einkaufsmanagerindex zeigt. Auch das Ifo-Geschäftsklima hellt sich weiter auf. Allerdings bleibt die Auslastung der Produktionsanlagen gering, die Firmen dürften weiterhin Stellen streichen.

Berlin - Erstmals seit 15 Monaten wuchs die Industrie wieder, wie aus den am Freitag vom Markit-Institut vorgelegten vorläufigen Einkaufsmanagerindex für Oktober hervorgeht. Das Barometer stieg um 1,5 auf 51,1 Zähler. Experten hatten erwartet, dass die Wachstumsmarke von 50 Zählern nur knapp erreicht würde.

Auch die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Oktober verbessert - den siebten Monat in Folge. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 91,9 Punkte von 91,3 im Vormonat. Das teilte das Münchener Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Freitag zu seiner Umfrage unter 7000 Unternehmen mit. Die Manager beurteilten die Lage und auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate besser als noch im September. "Die Erholung setzt sich zögerlich fort", erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft.

Die Dienstleister mussten allerdings einen unerwarteten Dämpfer hinnehmen. Das Ifo-Geschäftsklima für die Servicebranche verschlechterte sich erstmals seit sechs Monaten. Die Unternehmen schätzten ihre Aussichten nicht mehr ganz so positiv ein wie noch im September, während sich ihre aktuelle Lage verbesserte.

Der branchenbezogene Einkaufsmanagerindex von Markit fiel um 1,2 auf 50,9 Punkte. Hier hatten Fachleute mit einem Anstieg gerechnet. Steigende Auftragseingänge und die weiter anziehende Produktion lassen die Aussichten für die Industrie in günstigerem Licht erscheinen: "Das sieht nach einer nachhaltigen Erholung aus", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Da die Betriebe nach der langen Krise aber bei weitem nicht ausgelastet sind, bauten sie weiter Personal ab.

Die Dienstleister wuchsen den dritten Monat in Folge, wenn auch mit gedrosseltem Tempo. Die Servicebranche dürfte ihre Erholung dennoch fortsetzen, da sich die Auftragslage weiter verbesserte. Allerdings legte die Produktion nur noch schwach zu. Unter dem Strich wurden zudem wieder Arbeitsplätze abgebaut, nachdem es im Vormonat per saldo noch ein kleines Plus gegeben hatte.

Der Markit-Composite-Index, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, verbesserte sich den dritten Monat in Folge und stieg auf 52,6 von 52,4 im September. Im zweiten Quartal war das deutsche Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent gewachsen. Für das dritte Quartal erwarten die meisten Experten eine weitere Belebung. Bundesbank-Chef Axel Weber geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung um 0,75 Prozent zulegen wird.

Die zeitgleich veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes für Frankreich zeigen noch deutlicher in Richtung Expansion. Der Index für die Dienstleister stieg auf 57,8 Punkte, der Industrieindex auf 55,3 Punkte. Die Konsumausgaben der Franzosen seien im September auf Monatssicht um 2,3 Prozent und im Jahresvergleich um 1,0 Prozent geklettert, teilte die französische Statistikbehörde Insee am Freitag in Paris mit.

Für die seit 1996 erhobenen Indizes werden nach US-Vorbild monatlich Einkaufsmanager zu Kenngrößen wie Auftragslage, Mengen von Material, Vor- und Fertigprodukten, Einkaufspreisen sowie Anzahl der Beschäftigten befragt. Diese Daten liefern ein verlässlicheres Bild als Stimmungsindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima und sind früher verfügbar als harte Daten zu Auftragseingängen oder tatsächlicher Produktion. Daher werden die Indizes an den Finanzmärkten viel beachtet.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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