Versandhandel Otto an Quelle-Sparten interessiert

Die Pleite des Versandhauses Quelle macht bundesweit rund 7000 Frauen und Männer arbeitslos. Deshalb greift die Gewerkschaft Verdi die Bundesregierung an. Sie hätte dem Unternehmen mit dem Geld der Steuerzahler helfen sollen. Manche Quelle-Angestellten könnten allerdings bald einen anderen Arbeitgeber finden - ihren bisher schärfsten Konkurrenten Otto.

Hamburg - Nach dem endgültigen Aus für Quelle verlieren allein in Bayern mehrere tausend Menschen bereits in den kommenden Tagen ihren Job. Etwa 4000 Menschen im Freistaat werden durch die Abwicklung bereits zum 1. November arbeitslos, sagte der Chef der Arbeitsagentur Bayern, Rainer Bomba, am Mittwoch in Nürnberg. Bundesweit sind etwa 7.000 der insgesamt 10.500 Mitarbeiter der Primondo-Gruppe von der Insolvenz betroffen.

Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon Strukturprogramme für die Region Nürnberg/Fürth angekündigt. Die Gespräche über mögliche Hilfen liefen bereits, sagte der CSU-Politiker am Mittwoch im ZDF. Zugleich verteidigte Fahrenschon den Massekredit für Quelle in Höhe von 50 Millionen Euro. Der Betrag sei ausreichend gesichert, somit werde dem Steuerzahler kein Schaden entstehen. Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) setzt bei den Hilfen vor allem auf die Qualifizierung und Vermittlung der Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz bei Quelle verlieren.

Das Aus für das Versandhaus Quelle wäre nach Ansicht des Verdi-Handelsexperten Johann Rösch vermeidbar gewesen. Die Entscheidung, dem Quelle-Mutterkonzern Arcandor keinen Staatskredit zu gewähren, sei falsch gewesen, sagte Rösch am Mittwoch im RBB-Inforadio. Gemessen an dem, was Banken an staatlicher Unterstützung bekommen hätten, wäre der Kredit für Quelle eine Kleinigkeit gewesen. Rösch forderte von der Politik eine öffentlich finanzierte Auffanggesellschaft für die gut 10.000 Quelle-Beschäftigten.

Neben dem Versandhändler Quelle sind auch in vielen anderen bayerischen Unternehmen tausende Arbeitsplätze in Gefahr. Gemessen am Volumen der Kurzarbeit gebe es derzeit in Bayern rechnerisch 84.000 Arbeitsplätze zuviel, berichtete der Vizepräsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt, am Mittwoch in München. "Die Unternehmen versuchen derzeit alles, um möglichst viele Beschäftigte zu halten." Doch das sei ein Kraftakt und könne nicht auf Dauer so durchgehalten werden. "Kurzarbeit ist teuer." Auf dem Arbeitsmarkt in Bayern stehe der Tiefpunkt daher erst noch bevor.

Für einige der Quelle-Beschäftigten gibt es aber womöglich Hoffnung. Quelle-Konkurrent Otto erwägt, Sparten des Unternehmens zu kaufen. Dabei gehe es um einzelne Landesgesellschaften - von Österreich bis Russland - die für Otto interessant sein könnten, sowie eventuell einige Spezialversender, sagte Otto-Sprecher Thomas Voigt am Mittwoch.

"Die Insolvenz von Quelle ist auch kein Signal für die Versandhandelsbranche", sagte dann auch Christoph Wenk-Fischer, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels. "Dank steigender Umsätze im E-Commerce ist der Versandhandel ein zukunftssicherer Wachstumsmarkt." Der Verband rechnet damit, dass die Branche hierzulande ihren Umsatz im laufenden Jahr um 1,7 Prozent auf 29,1 Milliarden Euro in die Höhe schrauben wird.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa und reuters