Freitag, 6. Dezember 2019

Einstieg VW macht Tempo bei Porsche-Übernahme

Volkswagen schreitet bei der Porsche-Übernahme mit größeren Schritten voran als ursprünglich geplant. Bis Jahresende wollen die Wolfsburger knapp 50 Prozent an Porsche übernehmen. Damit kommt auch kurzfristig mehr Geld in die Porsche-Kasse.

Wolfsburg - VW werde bis Ende des Jahres 49,9 und nicht 42 Prozent an der Porsche AG erwerben, teilte Europas größter Autobauer am Dienstag mit. Es zeichne sich ab, dass die operative Zusammenarbeit schneller vorwärts komme als erwartet. Durch den höheren Anteil sichere sich Volkswagen nun einen höheren Anteil an der durch die gemeinsamen Projekte erwarteten Wertsteigerung bei Porsche.

Volkswagen: Kurzfristig 600 Millionen Euro in die Porsche-Kasse
DDP
Volkswagen: Kurzfristig 600 Millionen Euro in die Porsche-Kasse
Der Kreisen zufolge mit elf Milliarden Euro verschuldeten Besitzholding Porsche SE fließen nun in diesem Jahr bereits 3,9 Milliarden Euro zu. Damit kommen kurzfristig 600 Millionen Euro mehr in die seit der gescheiterten VW-Übernahme klammen Kasse. Für den 42-prozentigen Anteil hätte die Porsche SE 3,3 Milliarden bekommen. An der Bewertung hat sich nichts geändert.

Die Verschmelzung von Volkswagen AG und Porsche SE sei weiterhin im Laufe des Jahres 2011 geplant, teilte VW weiter mit. Für den Porsche-Kauf will sich VW einen unerwartet großen Kapitalrahmen beschaffen und hat damit Spekulationen auf mögliche weitere Zukäufe geschürt. Der Wolfsburger Autobauer will bis Ende 2014 bis zu 135 Millionen neue stimmrechtslose Vorzugsaktien ausgeben, die zum derzeitigen Kurs mehr als zehn Milliarden Euro einbringen würden. Eine erste Kapitalerhöhung um rund vier Milliarden Euro ist für das erste Halbjahr 2010 geplant.

Branchenexperten rätseln, ob sich Volkswagen auch MAN oder den japanischen Kleinwagenbauer Suzuki einverleiben will. Aufsichtsratschef Ferdinand Piech selbst hatte Spekulationen mit der Bemerkung geweckt, dass sich zwölf Marken leichter merken ließen als zehn. Porsche soll die zehnte Marke im VW-Konzern werden. Vertriebschef Detlef Wittig dämpfte am Dienstag aber Erwartungen an schnelle Schritte in diese Richtung. "Wir müssen erst einmal den Porsche-Deal verdauen", sagte er bei einer Veranstaltung am VW-Werk im rund 170 Kilometer von Moskau entfernten Grabzewo.

VW profitiert weiterhin von Abwrackprämie

Nach Wittigs Einschätzung wird Volkswagen bis weit ins nächste Jahr hinein von der Abwrackprämie profitieren. VW sitze dank des staatlichen Autokaufanreizes auf einem Orderbuch von 250.000 Pkw-Bestellungen, was den Absatz bis Mitte 2010 positiv beeinflussen werde.

In diesem Jahr rechnet VW nach "sehr guten" Verkäufen im dritten Quartal für das Gesamtjahr 2009 mit einem Absatz auf Vorjahresniveau. "Das ist besser als wir erwartet hatten", sagte Wittig. Dabei werde der Rückgang in Europa durch Steigerungen in China und Brasilien wettgemacht. In China sei die Produktion von VW komplett ausgelastet.

Der deutsche Automarkt werde 2010 auf unter drei Millionen von 3,7 Millionen in diesem Jahr fallen, prognostizierte Wittig.

Für den Weltmarkt sei VW für 2009 ursprünglich von einem Minus von 15 Prozent ausgegangen, erwarte nun aber nur noch einen Rückgang um fünf Prozent. "Weltweit werden unser Einschätzung zufolge dieses Jahr rund 50 Millionen Autos verkauft. Wir glauben, dass das nächstes Jahr mehr oder weniger ähnlich sein wird", fügte er hinzu.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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