Samstag, 14. Dezember 2019

ABN Amro Deutsche Bank wächst und wächst

Die Deutsche Bank übernimmt nun doch Teile der verstaatlichten Bank ABN Amro. Auf Druck der EU einigte sich das niederländische Finanzministerium mit dem deutschen Branchenprimus. Das Institut von Josef Ackermann setzt damit eine Reihe von Expansionsschritten fort. Ein weiterer Zukauf zeichnet sich in Italien ab.

Frankfurt am Main/Amsterdam/Rom - Nach monatelangem Tauziehen kommt die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen bei der verstaatlichten niederländischen ABN Amro doch noch zum Zug. Auf massiven Druck der Europäischen Union einigte sich das niederländische Finanzministerium mit der größten deutschen Bank auf die Übernahme der Mittelstandsbank Hollandsche Bank Unie (HBU) und anderer Teile von ABN Amro, wie die beiden Verhandlungspartner am Dienstag mitteilten.

Auf Wachstumskurs: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann
Die Deutsche Bank hatte die Gespräche im September platzen lassen, weil sie sich immer neuen Bedingungen der Regierung gegenüber sah, war dann aber an den Verhandlungstisch zurückgekehrt. Mit der Übernahme würde sie nach eigenen Angaben zur Nummer vier bei Geschäftskunden und im Investmentbanking in den Niederlanden. Die HBU hat rund 1400 Mitarbeiter und 35.000 Firmenkunden.

Die Konditionen seien noch Gegenstand der Verhandlungen, teilte die Bank mit. Das Ministerium wollte sich dazu ebenfalls nicht äußern. Mit dem damaligen ABN-Eigentümer Fortis hatte sich die Deutsche Bank bereits vor 15 Monaten auf einen Kaufpreis von 709 Millionen Euro für die gleichen Firmenteile geeinigt - 300 Millionen Euro weniger als der Buchwert der übernommenen Vermögenswerte, zu denen auch das Geschäft mit dem Ankauf von Forderungen (Factoring) gehört.

Doch dann kam die Verstaatlichung von ABN Amro dazwischen, nachdem der belgische Finanzkonzern Fortis in der Finanzkrise auseinandergebrochen war. Teurer dürfte die Übernahme für die Deutsche Bank nicht geworden sein. "Die Zeit ist gut, um Unternehmen von unter Druck stehenden Verkäufern zu übernehmen", sagte Analyst Matthew Clark von Keefe Bruyette & Woods. "Die Deutsche Bank ist in einer guten Verhandlungsposition." Eine Kapitalerhöhung ist offenbar nicht nötig. Ein Sprecher der Bank verwies auf Äußerungen von Finanzchef Stefan Krause, dass die Deutsche Bank gut kapitalisiert sei.

Neben dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank und der Notenbank der Niederlande muss auch die EU die Transaktion noch absegnen. Sie hatte die Frist für den Verkauf insgesamt sechsmal verlängert. Nun will sie auch noch warten, bis die Verträge mit der Deutschen Bank unterzeichnet sind. Der HBU-Verkauf ist eine Auflage der EU, weil die niederländische Regierung ABN Amro und deren ebenfalls verstaatlichtes Schwesterinstitut Fortis Bank Nederland fusionieren will, um die Großbank ab 2011 wieder an die Börse zu bringen.

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