Samstag, 7. Dezember 2019

Banken Der Preis der Sicherheit

Mit allen Mitteln des Lobbyings arbeiten die Banker gegen scharfe Auflagen für ihre Geschäfte. Doch eine systemische Krise wie die aktuelle erzwingt, wenn Lehren gezogen werden, tiefe Einschnitte ins System. Die Bankenwelt, die uns ins Desaster geritten hat, muss radikal umgebaut werden.

Schwierige Operation: Politik und Wirtschaftswissenschaft sind gefordert. Sie dürfen sich nicht durch die Einwände der Banker irritieren lassen.
REUTERS
Schwierige Operation: Politik und Wirtschaftswissenschaft sind gefordert. Sie dürfen sich nicht durch die Einwände der Banker irritieren lassen.

Hamburg - Bundesbankpräsident Axel Weber, der deutschen Öffentlichkeit bislang nicht wegen griffiger Formulierungen aufgefallen, hatte sich zu einer rhetorischen Glanztat aufgerafft. "Im Krisenjahr sollten die Gewinne verhaftet werden", mahnte er die Geschäftsbanken; die sollten beim Ausschütten von Dividenden vorerst Maß halten. Weber wird, da allerorten schon wieder fette Boni ausgeschüttet werden, seine Gründe haben für einen solchen Appell.

Gänzlich überflüssig seien solche Worte, schallte es sogleich aus den Bankentürmen. Andreas Schmitz, Chef der Trinkaus-Bank und immerhin, Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, konnte seine Empörung nur mühsam zügeln: "Es ist die ureigenste Pflicht eines Vorstands", ließ er sich zitieren, "selbst zu erkennen, wenn er Gewinne einbehalten sollte. Da braucht er keinen Hinweis von Herrn Professor Weber".

Ach so. Ureigenste Pflicht. Wir hatten ja ganz aus den Augen verloren, was die ureigenste Pflicht der Banker ist. Ihre Institute reihenweise in den Ruin zu führen, die Weltwirtschaft in den Abgrund eines totalen Chaos blicken zu lassen, nicht zählbare Millionen um ihre Jobs und ihre materielle Existenz bringen, staatliche Haushalte auf Jahre und Jahrzehnte mit gigantischen Schulden zu belasten? Schneller, als wir jemals für möglich gehalten haben, ist er wieder da, der wohlbekannte Hochmut der Geldgewaltigen.

Der Staat hat seine Pflicht getan, jetzt soll sich die Obrigkeit gefälligst wieder aus den Geschäften der Bankkaufleute heraushalten. Der dreiste Spruch des Herrn Schmitz ist kein Ausrutscher, er steht für den aktuellen Trend. Die Banker arbeiten schon wieder auf allen Kanälen daran, das aus ihrer Sicht Schlimmste abzuwenden: vom Staat auferlegte Regeln, die ihnen die Geldgeschäfte erschweren, einen Crash wie den aktuellen für die nächsten Jahre aber etwas unwahrscheinlicher machen.

Gut, ein bisschen soll schon nachgebessert werden. Aber doch bitte nicht zu viel. "Natürlich müssen wir die Spielregeln in Teilbereichen ändern", sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im SPIEGEL. "In Teilbereichen" also, soll heißen: bloß nicht zu viel.

Irrtum, Herr Ackermann. Wenn das, was da über uns hinweggefegt ist und immer noch wütet, eine systemische Krise ist; wenn also ohne massive staatliche Finanzhilfen das gesamte, feinnervige marktwirtwirtschaftliche System in Schutt und Asche zerfallen wäre, mit allen schrecklichen politischen und sozialen Folgen - wenn dem so ist, was kaum ein ernstzunehmender Zeitgenosse bezweifelt, dann sind auch tief greifende Reformen am System erforderlich. Dann reichen nicht Änderungen in Teilbereichen, dann muss die gesamte Ordnung des Geld- und Finanzsystems umgebaut werden.

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