ZEW Exportschwäche dämpft Hoffnungen

Die Konjunkturerwartungen für Deutschland haben sich im Oktober leicht abgeschwächt, glauben die Experten das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung. Das jüngste Auftragsplus vieler Unternehmen habe den schwächeren Export nicht wettmachen können. An der Börse sanken die Aktienkurse leicht.

Mannheim - Die Konjunkturzuversicht in Deutschland hat einen leichten Dämpfer erhalten. Die Stimmung deutscher Finanzexperten trübte sich im Oktober nach zwei Anstiegen in Folge erstmals wieder ein. Wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mitteilte, sanken die ZEW-Konjunkturerwartungen um 1,7 Punkte auf 56,0 Punkte.

"Die Konjunktur verbessert sich aber nur allmählich", kommentierte ZEW-Präsident Wolfgang Franz die Daten. Die Konjunkturerwartungen lägen weiter über dem historischen Mittelwert von 26,7 Punkten.

Die Beurteilung der aktuellen Lage kletterte im Oktober unterdessen um 1,8 Punkte auf minus 72,2 Punkte. Die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage sei "nach wie vor desolat", schreibt das ZEW. Die ZEW-Daten deuten nach Einschätzung der Postbank auf die Erwartung einer konjunkturelle Erholung auf niedrigem Niveau hin. "Die Zweifel an der Nachhaltigkeit dieser Entwicklung sind aber ausgeprägt", betonte Postbank-Experte Heinrich Bayer. Landesbank Baden-Württemberg-Experte Jens-Oliver Niklasch sprach von weiterhin "gedrosseltem Optimismus".

Die Skepsis vieler Analysten über die Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Erholung dürfte der Commerzbank  zufolge angesichts zu erwartender positiver Konjunkturmeldungen in nächster Zeit schwinden. Der ZEW-Index werde dann wohl in die Nähe seiner durchschnittlichen Hochs steigen, hieß es in einer Analyse. Die Experten rechnen damit, dass die deutsche Wirtschaft im dritten und vierten Quartal überdurchschnittlich stark wächst. Die Belebung der Auftragslage im verarbeitenden Gewerbe stütze diese Erwartung; aus dem In- und Ausland stiegen die Bestellungen zuletzt spürbar an, und mittlerweile profitierten neben den Vorleistungs- auch die Investitionsgüter von dieser Entwicklung.

Positiv wurde die Stimmung der befragten 288 Finanzexperten laut ZEW durch den Auftragszuwachs in der deutschen Industrie beeinflusst. Leicht dämpfend wirke hingegen der jüngste Rückgang der Exporte. "Ungewiss ist zudem, wie sich der private Konsum entwickeln wird", schreibt das ZEW. Ökonomen rechnen mit einem spürbaren Anstieg der Arbeitslosigkeit in Deutschland in den nächsten Monaten.

Das Bild für die Eurozone insgesamt deckt sich in etwa mit der Entwicklung in Deutschland: Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone gingen im Oktober um 2,7 Punkte auf 56,9 Punkte zurück, während sich der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage um 2,5 Punkte auf minus 75,4 Punkte verbesserte. Die ZEW-Konjunkturerwartungen werden monatlich erhoben.

Der Rentenmarkt reagierte auf die Veröffentlichung des ZEW Indikators mit leichten Kursgewinnen und verteidigt damit das weiterhin außergewöhnlich niedrige Renditeniveau. Am deutschen Aktienmarkt rutschte der Leitindex Dax  etwas tiefer in die Verlustzone.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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