Luftfahrt Die Warnung vor der Entwarnung

Die Krise setzt der Luftfahrt weiter zu. Zwar verbucht der Flughafenbetreiber Fraport im September eine leichte Erholung, doch die Fluglinie Lufthansa warnt bereits jetzt vor einer drohenden Reisezurückhaltung der privaten Passagiere. Börsianer reagieren auf die Ankündigungen mit Verkäufen.

Frankfurt am Main - Beim Flughafenbetreiber Fraport  hat sich die Erholung im Passagier- und Frachtgeschäft im September fortgesetzt. Konzernweit zählte Fraport 7,03 Millionen Fluggäste und damit 1,7 Prozent weniger als vor einem Jahr, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

Am größten Flughafen in Frankfurt sank die Zahl der Passagiere um 4,7 Prozent auf rund 4,6 Millionen. Im Ferienmonat August hatte der Rückgang nur 0,4 Prozent betragen, nachdem im Vorjahr Streiks den Betrieb belastet hatten. "Das Passagieraufkommen im September bestätigt unsere Verkehrsprognose, am Jahresende in der Passage mit einem Rückgang von nur noch 5 bis 6 Prozent abzuschließen", erklärte Fraport-Vorstandsvorsitzender Stefan Schulte.

Bei der Fracht setzte sich die Entwicklung vom August in etwa fort: Konzernweit gingen 188.949 Tonnen Fracht in die Luft und damit 4,9 Prozent weniger als vor einem Jahr. Am Frankfurter Flughafen wurden gut 164.464 Tonnen befördert, 6,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Bereits in den Vormonaten hatten sich die Rückgänge abgeschwächt.

Auf Konzernebene profitierte Fraport vor allem von einer Aufwärtsentwicklung im türkischen Antalya und am Südamerika-Drehkreuz Lima. In Antalya stieg die Zahl der Fluggäste um 15,8 Prozent auf knapp 1,3 Millionen. In Lima wurden fast 716.000 Fluggäste gezählt, 4,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. An den kleinen Flughäfen am Schwarzen Meer gab es deutliche Rückgänge, die sich jedoch kaum auf die Konzernzahlen auswirken.

Mahnende Lufthansa

Etwas skeptischer gibt man sich bei der Lufthansa . "Nach dem Einbruch bei den Geschäftsreisenden zunächst der großen Konzerne und später dann der mittelständischen Unternehmen könnte eine dritte Welle auf uns zukommen - die Zurückhaltung der Privatreisenden", sagte Thierry Antinori, Marketing- und Vertriebsvorstand der Lufthansa Passagier-Sparte dem "Handelsblatt". Auch die großen Reisekonzerne beobachten dem Blatt zufolge mit wachsender Sorge, dass viele Menschen aus Furcht vor einem möglicherweise drohenden Verlust des Arbeitsplatzes Reisepläne und Ferienbuchungen verschieben.

Skeptische Börse

Für die Fluggesellschaften bedeute das nichts Gutes. Bislang sei es ihnen mit Kapazitätskürzungen sowie Sonderaktionen noch recht gut gelungen, die Flieger weitgehend zu füllen. So ist die Auslastung der Flugzeuge laut Weltluftfahrtverband IATA im August im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Prozentpunkte auf 80,9 Prozent gestiegen. Doch Geld sei derzeit kaum zu verdienen: "Wir haben zwar Passagiere, verdienen mit diesen aber im Schnitt 20 Prozent weniger als vor der Krise", sagte Lufthansa-Mann Antinori.

An der Börse teilt man die Skepsis. So verloren die Aktien von Lufthansa 0,75 Prozent an Wert. Ein Händler wertete die Aussagen Antinoris leicht negativ, da Lufthansa bislang lediglich von stagnierenden Passagierzahlen ausgegangen sei. Auch die Fraport-Aktie rutschte am Morgen in die Verlustzone. Am Vormittag lag das Papier mit 0,85 Prozent im Minus bei 35,97 Euro und gehörte damit zu den Schlusslichtern im MDax . "Da Fraport bereits vor einigen Tagen angedeutet hatte, dass der positive Trend im August im vergangenen Monat nicht angehalten hat, kann die Entwicklung nicht wirklich überraschen", sagte ein Börsianer.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen