Deutsche Bank Oppenheim kostet weniger als gedacht

Die Deutsche Bank will offenbar günstiger bei Sal. Oppenheim einsteigen, als bisher kalkuliert. Einem Bericht zufolge sank der Wert des vom Branchenprimus avisierten Oppenheim-Pakets zuletzt um mehr als 30 Prozent auf etwa eine Milliarde Euro. Klar scheint, dass die Deutsche Bank von Anfang an eine Mehrheit übernimmt.

Frankfurt am Main - Der Kaufpreis, den die Deutsche Bank  für den Einstieg bei der Privatbank Sal. Oppenheim zahlen wird, fällt offenbar deutlich niedriger aus als bisher erwartet. Zwar sei der Bewertungsprozess noch nicht abgeschlossen, es zeichne sich aber ab, dass das aus verschiedenen Bausteinen geschnürte Gesamtpaket, das Deutschlands größte Bank übernehme, eher einen Wert in Richtung von einer Milliarde Euro haben dürfte, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Bisher hätten 1,5 Milliarden Euro als ein grober Richtwert für die um das Investmentbanking bereinigte Bank gegolten.

Hintergrund der Neubewertung ist offenbar, dass das Eigenkapital von Sal. Oppenheim in den vergangenen Monaten erheblich geschrumpft ist. Wurde es im Frühjahr noch auf 2,1 Milliarden Euro beziffert, liegt es laut "FAZ" jetzt nur noch bei rund 1,8 Milliarden Euro. In dem niedrigeren Kapital spiegelt sich die Verarbeitung von Verlusten des ersten Halbjahres wider, so die Zeitung.

Die Verluste beruhen demnach auf Einmalbelastungen durch Wertberichtigungen im Kredit-, Beteiligungs- und Wertpapierportfolio der Bank. Vor allem die Arcandor-Insolvenz hat offenbar stark ins Kontor geschlagen.

Beobachter gehen laut "FAZ" davon aus, dass sich die Parteien auf einen festen Kaufpreis und einige darüber hinausgehende Wertaufholungsklauseln einigen. Damit können die Verkäufer der Oppenheim-Anteile von späteren Markterholungen profitieren. Insbesondere für das Oppenheim-Esch-Immobilienportfolio, dass mit grob geschätzt 200 bis 300 Millionen Euro in der Bilanz stehe, komme dieses Verfahren in Frage.

Zum Hintergrund: Die größte deutsche Bank will die Vermögensverwaltung des 220 Jahre alten Traditionshauses übernehmen. Für die Investmentbanking-Sparte interessiert sich die australische Investmentbank Macquarie.

Bereits im September hatte die Bank die Buchprüfung abgeschlossen und sich zuversichtlich für einen Abschluss gezeigt. Bis Ende Oktober soll der Vertrag nach Angaben aus Bankkreisen unterschriftsreif sein.

Klar scheint inzwischen, dass die Bank sofort mit einer klaren Mehrheit einsteigen wird und sich nicht in einem ersten Schritt mit einer Minderheit begnügt. Fehlspekulationen unter anderem beim Handels- und Touristikkonzern Arcandor gepaart mit Belastungen durch die Finanzkrise hatten Sal. Oppenheim in die Verlustzone getrieben.

manager-magazin.de mit Material von ddp und dpa