Mittwoch, 18. September 2019

Deutsche Bahn Preise zwischen Politik und Peanuts

Sie kommt spät, aber sie kommt: Die Preiserhöhung der Deutschen Bahn fällt in diesem Jahr geringer aus als 2008. Und die Bahn bringt auch eine andere Begründung dafür. Nur eins ist gegenüber dem Vorjahr beinahe gleich geblieben: An Kritik an der Preispolitik des Beförderungskonzerns fehlt es nicht.

Berlin - Es hat in diesem Jahr etwas länger gedauert, dann kam sie aber doch noch: Die Ankündigung der scheinbar unvermeidlichen Bahnpreiserhöhung zum Jahreswechsel. Diesmal schlägt die bundeseigene Deutsche Bahn aber nicht so kräftig zu wie in den Vorjahren.

Ein Zug kommt: Mitfahren ist künftig teurer
Die Fahrkarten werden Mitte Dezember im Durchschnitt 1,8 Prozent teurer, eine "Entscheidung mit Augenmaß", wie Bahn-Vorstandsmitglied Ulrich Homburg zufrieden feststellt. Andere sind nicht so begeistert. Karl- Peter Naumann, Chef des Fahrgastverband Pro Bahn, hält die Anhebung schlicht für überflüssig, finanziell seien es "Peanuts" (Kleinkram), aber Gift fürs Image des Schienenkonzerns.

Die Bahn kalkuliert dem Vernehmen nach im kommenden Jahr lediglich mit Mehreinnahmen von 50 Millionen Euro - bei einem Jahresumsatz von zuletzt 33,5 Milliarden Euro (2008). Das Management rechtfertigt den "moderaten Preisanstieg" mit den "deutlich gestiegenen Personalkosten" der vergangenen Jahre. So bekämen die Eisenbahner allein 2009 und 2010 insgesamt 4,5 Prozent höhere Tarifeinkommen.

Im Sommer 2008 waren noch die stark gestiegenen Energiepreise ein Hauptargument für die damals verkündeten 3,9 Prozent Preissteigerung. Offiziell sind die Energiekosten nun kein Thema mehr. Unter der Hand argumentiert man bei der Bahn, dass Strom - anders als Öl und Gas - binnen Jahresfrist nicht billiger geworden sei und der Konzern für Diesel langfristige Lieferverträge habe. Eigentlich, so heißt es intern, hätte man die Fahrpreise um drei Prozent anheben müssen, wenn es allein um die Deckung der gestiegenen Kosten gegangen wäre.

Tatsächlich handelt es sich um den niedrigsten prozentualen Preisanstieg seit 2004. Seit damals lagen die jährlichen Preiserhöhungen gleichwohl stets deutlich über der allgemeinen Teuerungsrate, so auch in diesem Jahr. Die Bahn spricht von einem Aufholbedarf nach der Einführung eines neuen Preissystems 2003, das vor allem Fernstrecken deutlich billiger machte.

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