Samstag, 7. Dezember 2019

Konjunktur 2,7 Prozent plus - oder 0,3 Prozent?

Die Prognosen zur weiteren konjunkturellen Entwicklung in Deutschland gehen derzeit auseinander. Während die Allianz optimistisch in die Zukunft blickt, äußert sich der Internationale Währungsfonds eher skeptisch. Die Deutsche Bank liegt mit ihrer Vorhersage in der Mitte, während die Unicredit zumindest bis Mitte 2010 Entwarnung gibt.

Hamburg - Nach dem Ende der Rezession in Deutschland erwartet die Allianz Börsen-Chart zeigen im vierten Quartal 2009 eine weiterhin kräftige Konjunkturerholung und einen guten Start ins Jahr 2010. "Im Vorjahresvergleich dürfte das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2010 um rund 4 Prozent über dem Tiefstand im ersten Quartal 2009 liegen", sagte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise in Frankfurt.

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Wegen des schlechten Jahresbeginns mit der tiefsten Rezession der Nachkriegszeit prognostiziert Heise aber für 2009 insgesamt einen Einbruch der Wirtschaftsleistung von 4,2 Prozent. 2010 dürfte das BIP demnach um 2,7 Prozent wachsen, wovon allerdings 2,3 Prozentpunkte auf einen Basiseffekt zurückgehen.

Optimistisch ist auch Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen. Er erwartet zwar, dass die Arbeitslosigkeit in Deutschland in nächster Zeit kontinuierlich steigen wird. "Der Höhepunkt wird im Winter 2010/2011 erreicht. Da werden wir 4,5 Millionen Arbeitslose bekommen. Danach wird es besser", sagte Walter der "Passauer Neuen Presse" (Dienstagausgabe). Zudem werde das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 5 Prozent schrumpfen. Für 2010 erwartet Walter jedoch ein Wachstum von ein bis 2 Prozent.

"Dies aber nur wegen der dann greifenden Konjunkturpakete. Selbstragend wird diese Zunahme nicht sein", sagte der Chefvolkswirt. Für 2011 könnte das dann anders aussehen. Doch auch dann werde das Wachstum nicht über 2 Prozent liegen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist für die deutsche Konjunktur nicht so optimistisch. Er sieht derzeit mehr Risiken als Chancen. "Für das kommende Jahr sehen wir immer noch leichte Abwärtsrisiken", sagte der Leiter der IWF-Abteilung für Weltwirtschaftsstudien, Jörg Decressin, am Rande der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Istanbul.

Derzeit stehe die "Erholung nicht auf festen Beinen", sagte Decressin. In seiner jüngsten Prognose hatte der Währungsfonds Deutschland für 2010 ein Wirtschaftswachstum um 0,3 Prozent nach einem erwarteten Rückgang von 5,3 Prozent in diesem Jahr vorausgesagt. Vor diesem Hintergrund plädierte er dafür, dass "die öffentliche Hand weiterhin die Erholung" unterstütze, doch sehe er keinen Bedarf, "einen neuen fiskalischen Stimulus einzuleiten".

Gründe für die Risiken seien die noch steigende Arbeitslosigkeit sowie die dadurch sinkende private Nachfrage. Zugleich wollte er jedoch nicht ausschließen, dass es wie zuletzt "weitere Überraschungen nach oben" geben könne, "wenn das Finanzsystem schneller wieder auf die Beine kommt, als wir uns das bisher vorstellen".

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