Montag, 27. Januar 2020

Bundestagswahl Ökonomen fordern drastische Einschnitte

Wirtschaftsexperten fordern von der künftigen Bundesregierung einschneidende Reformen. Besonders die veränderte Demografie und die drohenden Probleme am Arbeitsmarkt zwingen zu entschiedenem Handeln, so die Fachleute. Vor allem für Ältere soll sich einiges ändern.

Hamburg - Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, sagte der Zeitung "Bild am Sonntag": "Die alternde Gesellschaft in Deutschland braucht eine völlig neue Ausrichtung. Die Älteren werden länger arbeiten müssen, um die junge Generation nicht über Gebühr zu belasten, und für die staatlichen Aufgaben und Ausgaben brauchen wir einen radikalen Schnitt", sagte Walter.

Einkommens- oder Mehrwertsteuererhöhungen seien das falsche Mittel: "Wer die Mittelschicht als Leistungsträger jetzt weiter belastet, wird Wachstum zerstören und damit die Chance auf Verschuldungsabbau verringern."

Zur Verbesserung der Finanzsituation schlägt Walter vor: "Neben der wichtigen Ausgabenbeschränkung fordere ich die Politik dazu auf, über die Einführung von Nutzungsentgelten wie Pkw-Maut oder Studiengebühren nachzudenken."

Die Massen im Griff? Auf die neue Regierung kommt viel Arbeit zu
Wirtschaftsexperte Rudolf Hickel schlägt zur Bekämpfung der steigenden Arbeitslosigkeit die Verlängerung der Kurzarbeit und zusätzliche staatliche Konjunkturmaßnahmen vor. "Erstens sollte die Regelung für Kurzarbeit verlängert werden, um weiterhin Fachkräfte zu halten. Zweitens sollte ein Konjunkturprogramm III aufgelegt werden. Durch Wirtschaftswachstum und mehr Jobs zahlt sich die staatliche Vorfinanzierung aus. Der größte Fehler wäre, die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zu erhöhen. Dadurch würde die konjunkturelle Erholung schwer belastet."

Damit die steigende Arbeitslosigkeit die Rentenversicherung nicht belastet, fordert Rentenexperte Bernd Raffelhüschen, Entscheidungen der großen Koalition rückgängig zu machen. "Die neue Regierung sollte die Rentengarantie rückgängig machen. Sie ist falsch, weil sie Löhne und Renten entkoppelt, somit den Gleichbehandlungsgrundsatz zwischen Rentnern und Einzahlern bricht", sagte Raffelhüschen.

Das sei ungerecht und werde viel Geld kosten, wenn auch nächstes Jahr die Löhne zurückgehen, die Renten es aber der Garantie wegen nicht dürfen. Zudem sei es zwingend notwendig, dass die neue Regierung die Rente mit 67 durchsetze.

manager-magazin.de mit Material von ddp

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