Deutschland-Geschäft GE will ausbauen

Mitten in der Wirtschaftskrise will der US-Mischkonzern General Electric ausgerechnet im Heimatland seines Erzrivalen Siemens seine Präsenz verstärken. "Deutschland sehen wir als wichtigen Wachstumsmarkt", erklärte GE-Deutschland-Chef Georg Knoth.

München - Zwar seien auch hierzulande die Bestellungen zurückgegangen. "Es gab hier und da Kurzarbeit." Doch die bestehenden Aufträge aus der Boomzeit dürften über die Flaute hinweghelfen, sagte Knoth der Nachrichtenagentur dpa. "In ein oder zwei Jahren haben wir tendenziell mehr Mitarbeiter in Deutschland."

Rund 7000 Menschen arbeiten in Deutschland für General Electric , die meisten davon in den Bereichen Innovation/Hightech und Umwelttechnologien. "Wir sind in Deutschland, weil es hier gute Wissenschaftler gibt", sagte Knoth. Neben den Universitäten lobte er auch die Zusammenarbeit mit mittelständischen Unternehmen. Besonders München hat es den Amerikanern angetan: "München ist ein fantastischer Standort, deshalb haben wir auch unser Forschungszentrum hier angesiedelt."

Aber auch in Regensburg forschen GE-Ingenieure an neuen Triebwerkstechnologien für Flugzeuge wie den Dreamliner von Boeing. In Salzbergen an der Grenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen entwickelt und fertigt General Electric Windkraftanlagen für den Weltmarkt. Insgesamt arbeiten 1000 Menschen an dem Standort. "Wir haben noch während der Krise 160 Arbeitsplätze ansiedeln können", sagte Knoth. Allerdings sei auch in diesem Markt die Nachfrage zurückgegangen.

Erst kürzlich hatte GE den Wiedereinstieg in das Geschäft mit Offshore-Windanlagen, die vor den Küsten installiert werden, angekündigt. Derzeit liefern sich nach Unternehmensangaben Großbritannien, Skandinavien und Deutschland ein hartes Rennen im Wettbewerb um den künftigen Produktionsstandort. Die Entscheidung dafür soll im vierten Quartal fallen. In dem Werk könnten mehrere hundert Arbeitsplätze entstehen und zusätzlich noch etwa zehnmal so viele bei umliegenden Zulieferbetrieben, erwartet GE.

Neben Windkraftanlagen und klassischer Kraftwerkstechnik macht General Electric nach eigenen Angaben vor allem mit Medizintechnik gute Geschäfte in Deutschland. "Die Kosten im Gesundheitswesen explodieren", deshalb würden neue Technologien gebraucht. Sorge macht dem Deutschland-Chef dagegen das Leasing-Geschäft, vor allem mit Autos. Hier ist der Markt regelrecht zusammengebrochen. "Factoring läuft dagegen relativ stabil", sagte Knoth. Beim Factoring kauft GE unbeglichene Forderungen von Unternehmen auf und verschafft diesen damit die derzeit dringend benötigten flüssigen Mittel.

Knoth räumte ein, dass Siemens  einen Heimvorteil in Deutschland habe. Von Protektionismus könne zwar keine Rede sein, "wenn Sie allerdings einen großen Wettbewerber vor Ort haben mit großer Mannschaft, hat der sicherlich manchmal Vorteile". Umgekehrt versucht Siemens gerade, auf dem Heimatmarkt von GE in den USA vermehrt Fuß zu fassen und fährt dort eine große Werbekampagne. "Das macht uns keine Sorgen", sagte Knoth. Er schaut vielmehr darauf, wann die Konjunktur wieder nachhaltig anspringt. "Das Bild ist sehr gemischt im Moment." GE sei vorsichtig optimistisch. "Wir sind 130 Jahre alt, wir haben schon viele Dellen gesehen."

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und dpa