G20-Gipfel Europas Banken schlagen Alarm

Europas Banken fürchten bei einer Reform des Weltfinanzsystems gegenüber der US-Konkurrenz ins Hintertreffen zu geraten. Zum G20-Gipfel schlägt die Branche Alarm. Zugleich ist völlig unklar, wie stark die EU in Pittsburgh angelsächsische Positionen gegen mehr Regulierung aufweichen kann.

Pittsburgh - Die Staats- und Regierungschefs der 20 stärksten Wirtschaftsnationen (G20) wollten am Donnerstagabend (Ortszeit) im amerikanischen Pittsburgh zusammenkommen, um die Spielregeln für die internationale Finanzwirtschaft zu verschärfen. Bei dem zweitägigen Gipfel sollten zumindest die Eckpfeiler eingerammt werden, damit sich die schlimme Krise nicht wiederholt.

Europa dürfe seinen Banken nicht stärkere Fesseln anlegen als die USA und China, schlug Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in einem Gastbeitrag für die "Neue Zürcher Zeitung" (Donnerstag) Alarm. "Leider droht die Krise aus Sicht Europas, zumal Deutschlands, mit Blick auf die lange überfällige Konsolidierung zu einer verpassten Chance zu werden." Ackermann ist auch Chef des Internationalen Bankenverbandes IIF ist.

In den USA seien aus Fusionen starke Großbanken entstanden. Zugleich hätten sich Banken aus China unter die führenden Institute der Welt geschoben, schrieb Ackermann. Auch dürfe sich die Branche keinen Illusionen hingeben: "Dem Banken-Sektor werden engere Grenzen gesetzt, und die Profitabilität des Finanzsektors in seiner Gesamtheit wird geringer sein."

Eigenkapitalregeln - USA und EU sind sich uneins

Die G20 soll sich auf eine grundsätzliche Linie für schärfere Eigenkapitalanforderungen besonders an Großbanken verständigen, zu denen US-Finanzminister Timothy Geithner Vorschläge gemacht hat. Dagegen fordert die EU, die USA sollten zunächst die strengeren Basel-II-Regeln umsetzen, die für europäische Banken bereits gelten.

Auch in anderen entscheidenden Fragen gab es vor Beginn des Gipfels Streit und Schuldzuweisungen. Unklar war zunächst überdies, welche konkreten Maßnahmen der Gastgeber, US-Präsident Barack Obama, seinen eher allgemein gehaltenen Ankündigen folgen lassen wollte.

Obama lud die Gäste für am Donnerstagabend (Ortszeit) zu einem Essen. Dabei sollten bereits Kompromisslinien gesucht werden. Am Freitag sollen dann in zwei Arbeitssitzungen handfeste Beschlüsse folgen. Zur Gruppe der 20 gehören die großen Industrienationen und aufstrebende Volkswirtschaften wie China, Indien und Brasilien.

Merkel spricht von "entscheidender Wegmarke"

Merkel warnte vor dem Abflug in die USA vor Zögerlichkeit. Der Gipfel in Pittsburgh sei eine "entscheidende Wegmarke". Es bestehe die Gefahr, dass der Reformeifer wieder nachlasse, meinte sie angesichts der leicht anziehenden Weltkonjunktur. "Das darf nicht passieren."

In Pittsburgh geht es vor allem darum, ein globales Frühwarnsystem zu schaffen, die Kontrollen in der Branche ausnahmslos zu verschärfen, die Banken zu mehr Risikovorsorge zu zwingen sowie astronomische Prämien und Boni der Manager zu beschneiden.

Die Bundesregierung will in Pittsburgh verhindern, dass die wiedererstarkte angelsächsische Bankenlobby verschärfte Regeln untergräbt. Ein Stück weit müsse die Politik den Mut haben, etwas zu machen, das die großen Banken nicht begrüßen, sagte Merkel. Auch Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) will sich dem Druck von Wall Street und Londoner City nicht beugen. "Franz Josef Strauß hat einmal gesagt: Man darf einem Hund nicht den Wurstvorrat zur Bewachung überlassen." Der "Passauer Neuen Presse" sagte Steinbrück: "Ich hoffe, dass wir die Amerikaner weiter im Boot halten können."

London und New York dringen auf möglichst wenig Regulierung

Die USA und Großbritannien standen ungeachtet aller Ankündigungen von Obama und dem britischen Premier Gordon Brown, Lehren aus der Krise ziehen zu wollen, im Verdacht, die Reformen verwässern zu wollen. Die wichtigen Finanzmärkte in New York und London dringen auf möglichst wenige staatliche Regelungen. Merkel forderte, der Branche die Stirn zu bieten. Ein Stück weit müsse die Politik den Mut haben, etwas zu machen, das die großen Banken nicht begrüßen, sagte Merkel.

Der britische Finanzminister Alistair Darling wehrte sich gegen die Vorwürfe. Seine Regierung werde eine harte Linie gegen Banker in Pittsburgh fahren. "Die Schlüsselbotschaft ist, dass die Party für Banker vorbei sein muss", sagte Darling dem britischen Sender BBC. Die Manager hätten die Krise verursacht.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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