Toll Collect Verhandlungstermin geplatzt

Rund sechs Milliarden Euro fordert das Bundesverkehrsministerium von den Betreibern des Lkw-Mautsystems Toll Collect, weil Telekom, Daimler und Cofiroute das Projekt erst mit großer Verspätung fertigstellten. Nach Informationen von manager magazin ist der Verhandlungstermin nun vorerst geplatzt.

Hamburg - Der für Ende Oktober geplante Verhandlungstermin im Streitfall Toll Collect ist geplatzt. Dies berichtet das manager magazin in seiner neuen Ausgabe, die ab Freitag (25. September) im Handel erhältlich ist. Das Bundesverkehrsministerium fordert von den Betreibern des Lkw-Mautsystems rund sechs Milliarden Euro, einschließlich Zins und Zinseszins, an Schadensersatz und Strafzahlungen. Die Toll-Collect-Konsorten Daimler  , Deutsche Telekom  und Cofiroute weisen die Ansprüche zurück.

Der Streit geht auf das Jahr 2002 zurück. Damals verpflichtete sich Toll Collect, das neue Mautsystem bis 2003 fertigzustellen. Tatsächlich aber war das Projekt erst mit 16 Monaten Verzögerung voll funktionsfähig.

Der Fall kam vor ein Schiedsgericht, in das sowohl Toll Collect als auch der Bund einen Richter entsandten. Die beiden renommierten Juristen wiederum wählten einen Vorsitzenden, den früheren Präsidenten des Bundesgerichtshofes, Günter Hirsch.

Das Gremium wurde mehr als vier Jahre lang von beiden Seiten respektiert. Am 12. August dieses Jahres erklärten die Anwälte von Toll Collect plötzlich Horst Eidenmüller, den vom Bund bestimmten Richter, für befangen.

Zur Begründung wurde unter anderem genannt, dass der Münchener Juraprofessor auf seiner Internetseite auf einen Artikel von "taz online" verwiesen habe. Dieser Artikel habe sachlich unrichtig über das Schiedsverfahren berichtet. Da der Befangenheitsantrag nun erst einmal geprüft werden muss, kann der geplante Verhandlungstermin in der dritten Oktoberwoche nicht stattfinden.

Daimler und die Deutsche Telekom sind zu jeweils 45 Prozent an dem Maut-Konsortium beteiligt. Für eventuelle Schadensersatzansprüche müssten sie fast allein geradestehen, weil die französische Cofiroute nur bis maximal 70 Millionen Euro haftet. Rückstellungen haben aber weder Daimler noch Telekom gebildet.