IG Metall "Autoindustrie braucht weniger Jobs"

Die Gewerkschaft IG Metall sagt der Autoindustrie einen deutlichen Stellenabbau voraus. Dies werde sich auch nach einem Aufschwung der Branche nicht vermeiden lassen. Denn die Gewinnmargen der Hersteller und Zulieferer würden wegen des Trends zu kleineren Wagen sinken.

Stuttgart - Die Autoindustrie wird nach Einschätzung der IG Metall auch nach einem möglichen Aufschwung in den kommenden Jahren weniger Mitarbeiter brauchen als vor der Krise. Selbst wenn in drei bis vier Jahren wieder so viele Autos verkauft werden wie 2007, werde es weniger Bedarf an Arbeitskraft geben, sagte Baden-Württembergs IG- Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann der Deutschen Presse-Agentur.

"Deshalb befürchte ich, dass wir künftig eher rückläufige Beschäftigtenzahlen in der Branche haben." Gründe seien die abnehmende Wertschöpfung durch den Trend zu kleineren Autos und die steigende Produktivität. In der deutschen Autoindustrie arbeiten nach Angaben des Branchenverbandes VDA gut 720.000 Menschen.

Die wachsende Nachfrage nach spritsparenderen und kleineren Autos lasse bei vielen Zulieferern und Herstellern die Gewinnspannen und Erlöse schrumpfen. "Selbst bei gleicher Stückzahl verkaufter Pkw könnten die Umsätze für Hersteller und Zulieferer sinken", sagte Hofmann. Werde in ein Auto statt eines Sechszylindermotors ein aufgeladener Vierzylinder eingebaut, falle beim zuständigen Zulieferer etwa ein Drittel des Erlöses wegen des kleineren Motorblocks weg.

Diese Entwicklung werde sich durch den Trend zu alternativen Antriebstechnologien verstärken. "Mit den neuen Technologien kommt auch eine Veränderung in der Wertschöpfung", sagte Hofmann. "Das reine Elektroauto dürfte deutlich weniger an Wertschöpfung beinhalten, vor allem für den Zuliefererbereich", sagte er. "Wenn wir in den nächsten Jahren die Beschäftigung halten könnten, wären wir froh."

"Es haben alle ordentlich gepennt"

Dennoch sei die Entwicklung alternativer Antriebe existenziell wichtig für die Branche. "Es haben alle ordentlich gepennt", sagte Hofmann. "Wenn man mit den Produkten, die man auf dem Markt hat, gut Geld verdient, dann denkt mancher Arbeitgeber nicht langfristig." Um künftig Entlassungen in großem Stil zu vermeiden, sei Kurzarbeit auch noch über einen längeren Zeitraum das richtige Instrument, sagte Hofmann. "Da haben wir noch viel Zeit nach hinten."

Ein weiteres Instrument in der Krise ist laut Gewerkschaft in Einzelfällen auch die Mitarbeiterbeteiligung. "Bei Daimler geht es zum Beispiel darum, wie man dem Unternehmen Liquidität sichern kann, ohne dass Ansprüche der Belegschaft verloren gehen", sagte Hofmann. Im April hatten Unternehmensleitung und Betriebsrat vereinbart, dass die Erfolgsbeteiligung von 1900 Euro für die 141.000 Mitarbeiter der Daimler AG vorerst nicht ausgezahlt wird.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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