Magna EU prüft Opel-Deal auf Herz und Nieren

Die EU wird die mit deutscher Staatshilfe ermöglichte Übernahme Opels durch Magna genau prüfen. Es könne nicht sein, dass ein Land eine Lösung zulasten von anderen finanziere, warnte EU-Industriekommissar Günter Verheugen. Belgische und deutsche Opel-Arbeiter protestieren heute in Antwerpen gegen die drohende Werksschließung.

Berlin/Brüssel - EU-Industriekommissar Günter Verheugen hat eine genaue Prüfung des Sanierungsplans für Opel angekündigt. Mit Blick auf die deutschen Staatshilfen für die Opel-Übernahme durch Magna sagte Verheugen am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin": "Es kann nicht angehen, dass ein Land eine Lösung zulasten von anderen finanziert." Beihilfen seien nach europäischem Recht nur in Ausnahmefällen zulässig und müssten rein wirtschaftlich begründet werden. Politische Bedingungen dürften nicht daran geknüpft werden, betonte Verheugen.

Zuvor hatte bereits EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes eine umfassende Prüfung angekündigt. "Es sind Zweifel an den möglichen Finanzierungskonditionen des deutschen Staates laut geworden. Danach könnten deutsche Werke gegenüber Werken in anderen Ländern bei der schmerzhaften aber notwendigen Opel-Sanierung bevorzugt werden. Ich muss dies sehr genau prüfen", sagte Kroes der "Bild"-Zeitung (Mittwoch).

Verheugen sagte dem ZDF: "Die Beschäftigten in Antwerpen haben denselben Anspruch auf ihren Arbeitsplatz wie die Beschäftigten an jedem anderen Standort auch." Die europäische Automobilindustrie seiner Einschätzung nach schwere Zeiten entgegen: "Wir sind in einer Industrie mit Überkapazitäten von mindestens 20 Prozent." Zu einer Umstrukturierung gebe es keine Alternative, sagte Verheugen. "Es wird nicht ohne sehr schmerzhafte Einschnitte gehen."

Belgische und deutsche Opel-Mitarbeiter wollen heute in Antwerpen gegen die drohende Schließung des dortigen Werks protestieren. Zur Kundgebung in der belgischen Stadt werden rund 5000 Teilnehmer erwartet. Magna will europaweit bis zu 10.500 Stellen streichen, das Werk in Antwerpen soll ganz geschlossen werden.

Der Vize-Vorsitzende des Betriebsrats von General Motors (GM) in Europa, Rudi Kennis, sagte hingegen am Mittwoch dem Sender hr-info: "Seit gestern sitzen wir zusammen und Magna hat nicht gesagt, dass das Werk in Antwerpen schließt." Kennis bezog sich auf Verhandlungen des Betriebsrats mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna. Pläne für eine Änderung der Produktion in Antwerpen würden noch überarbeitet.

Für den bisherigen Opel-Mutterkonzern General Motors indes bleibt das Opel-Werk in Belgien auf der Streichliste. Die neue Gesellschaft "New Opel" werde mindestens ein Werk schließen müssen, sagte GM-Chef Fritz Henderson dem Magazin "auto motor und sport). "Antwerpen ist hier eine Option; final entschieden ist aber noch nichts."

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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