Unternehmensteuer Klarheit statt niedrigerer Steuersätze

Zu kompliziert, zu bürokratisch, kaum noch planbar: Aus Sicht deutscher Familienunternehmen hat die Große Koalition in den vergangenen vier Jahren mit ihrer Steuerpolitik viel Schaden angerichtet. Den Wahlversprechen, die Steuern nicht zu erhöhen, glaubt kaum jemand der Befragten - ihre Wünsche gehen in eine andere Richtung.

Berlin - Von wegen Vereinfachung: Für 88 Prozent der befragten Familienunternehmen in Deutschland ist das Steuerrecht seit Amtsantritt der Großen Koalition noch komplizierter geworden. Die bürokratische Belastung stieg laut 72 Prozent der Befragten ebenfalls an. Dies sind Ergebnisse einer Studie der Wirtschaftskanzlei Rödl & Partner, die für ihre Untersuchung 600 der führenden Familienunternehmen in Deutschland befragt hat.

Dabei geht es der großen Mehrzahl der Unternehmen gar nicht um Steuersenkungen oder Steuergeschenke kurz vor der Bundestagswahl. Höchste Priorität hat für sie, das deutsche Steuerrecht stark zu vereinfachen: Die mangelnde Planungssicherheit wird für die meisten Befragten als noch belastender empfunden als die Höhe der Steuersätze.

"Die Besteuerung ist kaum noch planbar und behindert Unternehmen immer mehr bei ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit", sagt Christian Rödl, Geschäftsführender Partner bei Rödl & Partner. "Die Familienunternehmen fordern vor allem eine Unternehmensbesteuerung, die verständlich und planbar ist." Durch die hohe Komplexität steigen laut 69 Prozent der Befragten die Beratungskosten und internen Folgekosten immer weiter. Das gelte inbesondere bei der Abwicklung der Mehrwertsteuer.

Hinzurechnung von Mieten und Pachten bleibt Ärgernis

Die zentralen Reformprojekte der Großen Koalition werden von der Mehrheit der Familienunternehmer kritisch bewertet. Größtes Ärgernis bleibt für sie die Hinzurechnung von Mieten, Pachten und Lizenzgebühren bei der Gewerbesteuer. Sie gehört aus Sicht fast aller befragten Unternehmen abgeschafft, weil sie in der Krise die Probleme verschärfe.

Die Wahlversprechen von Union und FDP, die Steuern nicht zu erhöhen, werden mehrheitlich als unglaubwürdig bewertet. Fast jeder Zweite der Befragten traut auch der FDP nicht zu, Steuererhöhungen zu verhindern. Doch die Steuersätze sind nicht die größte Sorge: "Die Familienunternehmen fordern, dass in der kommenden Legislaturperiode Steuern vereinfacht werden und der bürokratische Aufwand reduziert wird", sagt Rödl.

Erbschaftsteuer bleibt Baustelle

"Grundsätzlich stellen wir eine Tendenz fest, die Basis der Steuererhebung zu erweitern", kritisiert Isabel Bauernschmitt, Steuerrechtsexpertin bei Rödl & Partner. Einige Steuergesetze wie die Zinsschranke seien "reine Schönwettergesetze", die in der Krise "wie ein Bumerang" wirken. Eine Steuerreform wäre nach ihrer Einschätzung die richtige Antwort auf die Finanzkrise. Sie könnte eine bessere Wirkung entfalten als manches Konjunkturpaket.

Die wichtigsten Neuregelungen bei der Unternehmensteuer- und Erbschaftsteuerreform sollten überarbeitet werden, so ein Ergebnis der Befragung. Immerhin geht die Reform aber für 38 Prozent der Befragten grundsätzlich in die richtige Richtung. "Der Versuch, Betriebsvermögen bei der Unternehmensnachfolge zu entlasten, ist richtig und wird honoriert", betont Rödl. "Aber das neue Gesetz ist so komplex geworden, dass die Nachfolge unplanbar wird.". Für Familienunternehmen werde eine Überarbeitung des Erbschaftsteuergesetzes ein zentrales Projekt einer neuen Regierung sein.

Strengere Betriebsprüfungen

Trotz aller Kritik stellen die betroffenen Unternehmen der Finanzverwaltung noch ein überwiegend gutes Zeugnis aus - die Zusammenarbeit wird überwiegend positiv bewertet. Allerdings gibt jeder dritte Unternehmer an, das Verhältnis habe sich verschlechtert. "Die Betriebsprüfungen sind vielfach strenger geworden und die komplizierten Steuergesetze bereiten auch der Verwaltung Kopfzerbrechen", sagt Rödl.

Unter der öffentlichen Debatte über die Steuerflucht hat auch das Ansehen der Wirtschaft insgesamt erheblich gelitten. Mehr als 70 Prozent der befragten Unternehmen gibt an, die Verfehlungen Einzelner führten zum Verlust des Respekts für unternehmerische Leistungen. "Wenn jeder fünfte Unternehmer angibt, er verlöre die Freude am unternehmerischen Engagement, dann ist das ein Warnsignal", sagt Rödl.

Mit Blick auf mögliche Steuererhöhungen geben sich die befragten Unternehmer jedoch vergleichsweise entspannt. Zwei Drittel der Familienunternehmer sieht sich durch eine mögliche Erhöhung der Mehrwertsteuer nicht oder nur geringfügig beeinträchtigt. Eine Erhöhung der Einkommensteuer um 3 Prozentpunkte könnte jedoch eine Kapitalflucht auslösen, so ein weiteres Ergebnis der Studie.

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