Opel/Magna "Das Ziel ist zu sehen"

Die Bundesregierung gibt sich zuversichtlich, dass die Übernahme von Opel durch den kanadischen Autozulieferer Magna bald in trockenen Tüchern ist. Allerdings schließt Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die Notwendigkeit zu Nachbesserungen seitens Magna nicht aus. Der Autozulieferer bemüht sich unterdessen, Vorbehalte seines Großkunden Volkswagen auszuräumen

Berlin - Die Bundesregierung rechnet mit einer schnellen Klärung der letzten Details für die Übernahme von Opel durch den Zulieferer Magna. Staatssekretär Peter Hintze sagte am Dienstag am Rande einer Sondersitzung des Wirtschaftausschusses des Bundestages seit der Entscheidung der ehemaligen Opel-Mutter General Motors (GM) zugunsten Magnas hätten "die Dinge eine sehr gute Richtung genommen", erklärte Hintze. Allerdings müssten noch weitere Details geklärt werden. "Das Ziel ist zu sehen, aber wir sind noch nicht am Ziel", sagte der Parlamentarische Staatssekretär.

Hintze nannte das Opel-Konzept des österreichisch-kanadischen Zulieferers Magna "alternativlos". "Unsere Einschätzung ist, dass das ein sehr tragfähiges Modell ist", sagte er.

Er sei auch optimistisch, dass die EU-Kommission keine Einwände haben werde und die Vorbehalte anderer EU-Länder mit Opel-Werken ausgeräumt werden könnten.

Für die Regierung werde das Konzept für Opel noch von Wirtschaftsprüfern durchleuchtet, sagte Hintze weiter. Ein positives Votum der Prüfer ist eine Voraussetzung für die zugesagten Staatshilfen von weiteren drei Milliarden Euro. Die Grünen warnten in der Ausschusssitzung allerdings, die Opel-Rettung sei noch lange nicht gelungen.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg schließt unterdessen nicht aus, dass der Opel-Investor Magna sein Konzept noch nachbessern muss. "Das wird die Prüfung des Business-Plans ergeben", sagte Guttenberg dem "Handelsblatt" (Mittwochsausgabe) laut Vorabveröffentlichung vom Dienstag. Nach den gemeinsamen Beratungen der beteiligten Mitgliedsstaaten könne man beurteilen, "ob es noch Nachbesserungsbedarf bei Magna gibt", so Guttenberg.

Der kanadische Zulieferer Magna bemüht sich unterdessen, Vorbehalte seines Großkunden Volkswagen auszuräumen. Magna-Co-Chef Donald Walker kündigte Gespräche mit VW an. Dabei geht es um Befürchtungen von Volkswagen, wie seine Technologien im Rahmen der existierenden Geschäftsbeziehungen mit Magna geschützt werden können.

Auch andere Kunden hätten dazu Fragen. Die meisten der Kunden seien aber mit dem Vorgehen von Magna einverstanden, sagte Walker.

Grüne fordern Aufklärung

Unterdessen forderten die Grünen im Bundestag von der Regierung Aufklärung darüber, welches Risiko die milliardenschwere Rettung des Autobauers Opel für den Steuerzahler birgt. Noch vor der Bundestagswahl müsse klar werden, ob das Konzept der Investorgruppe um den Zulieferer Magna und die russische Sberbank tragfähig ist, sagte der Finanzexperte Alexander Bonde am Dienstag am Rande der Sondersitzung.

Bonde sagte, momentan werde entschieden, was mit womöglich 4,5 Milliarden Euro der Steuerzahler passieren solle. "Alle Gutachten, die die Bundesregierung bisher in Auftrag gegeben hat, erheben erhebliche betriebswirtschaftliche Bedenken." Gleiches gelte für die vom Bund und den Ländern entsandten Treuhänder. "Wir wollen wissen: Welches Risiko geht der Steuerzahler ein?", fragte Bonde.

Insgesamt will der künftige Opel-Mehrheitseigentümer Magna in Europa 10.560 Stellen streichen, davon 4500 bei Opel in Deutschland. Dem von Magna zuletzt bestätigten Konzept zufolge soll es nur in Eisenach keinen Personalabbau geben, da Produktionskapazitäten aus dem spanischen Saragossa nach Thüringen verlagert werden sollen. Für Bochum ist demnach der Wegfall von 2045 Stellen, für Kaiserslautern von 283 Stellen und für Rüsselsheim von 717 Stellen vorgesehen, außerdem sollen dort 1100 Jobs in der Verwaltung wegfallen.

Am Rande der Verhandlungen verteidigte Opel-Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster den von Magna geplanten Stellenabbau. "Wir haben immer gesagt, dass wir angesichts der massiven Krise, in der sich die Autoindustrie bewegt, restrukturieren müssen, um langfristig wettbewerbsfähig zu sein", sagte der designierte NewOpel-Chef. Wo genau wie viele Arbeitsplätze wegfallen, müsse nun in den Gesprächen geklärt werden. Ziel sei, den Abbau so sozialverträglich wie möglich zu gestalten, sagte Forster.

Länderproteste

Die Regierungen der Opel-Länder Belgien, Spanien und Großbritannien hatten bereits kritisiert, dass die deutschen Standorte wegen der Milliardenhilfen aus Berlin und den Bundesländern gegenüber anderen Werken bevorzugt würden.

Bei den Verhandlungen geht es unter anderem um das industrielle Konzept, die Verteilung der Produktion, die Sanierungsbeiträge der einzelnen Werke und die Abwicklung des Stellenabbaus. Trotz der Haltung des Betriebsrats rechnet Forster mit einer baldigen Einigung und einer Vertragsunterzeichnung bis Anfang Oktober. "Wir wollen die Verhandlungen sehr schnell zu einem Abschluss bringen. Wir sind alle sehr daran interessiert, diese Diskussion nicht zu lange zu führen."

Gerüchteweise soll der chinesische Autohersteller Geely an einer Produktionspartnerschaft mit Opel interessiert sein. Magna-Co-Chef Donald Walker sagte allerdings, er wisse nichts von solchen Plänen. Er sei aber auch nicht an solchen Diskussionen beteiligt.

In Unternehmenskreisen hatte es in der vergangenen Woche geheißen, Geely habe dem kanadischen Zulieferer eine Zusammenarbeit bei Opel vorgeschlagen. Dabei soll Geely auch die Übernahme eines Anteils an Opel erwogen haben. Magna sei an solchen Partnerschaften aber derzeit nicht interessiert.

Magna hat den Zuschlag für Opel erhalten und übernimmt zusammen mit russischen Partnern 55 Prozent des Rüsselsheimer Traditionsunternehmens von GM.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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