G20 Auf die einfachste Reform fixiert

Weil sich Europas Staatschefs an der Begrenzung von Managergehältern festbeißen, schütteln Wirtschaftsexperten ungläubig mit dem Kopf. Die Politiker verengten ihre Bemühungen vor dem anstehenden G20-Gipfeltreffen auf einen einzigen Punkt - und muteten den Menschen auf diese Weise Scheinlösungen zu.

Hamburg - Deutschlands wichtigste Wirtschaftsexperten kritisieren die Vorbereitungen der europäischen Staats- und Regierungschefs für den G20-Finanzreformgipfel in der kommenden Woche in Pittsburgh. In das Zentrum der Bemühungen scheine ausschließlich die Deckelung von Bankergehältern gerückt zu sein. Das sei zwar ein nötiger, aber nur einer von vielen nötigen Veränderungen, sagen die Ökonomen.

"Die Politik läuft Gefahr, das Thema zu verfehlen sowie den Menschen billige wie ebenso unbedeutende Lösungen anzubieten", sagt beispielsweise Michael Hüther, Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Die Gehaltsdiskussion sei sogar nachrangig, wenn man den Finanzmarkt wirklich erkennbar zurückstutzen wolle. IW-Chef Hüther sagte, statt um die Boni solle sich die Politik vielmehr um die Regelung der Eigenkapitalerfordernisse der Banken, die Stärkung des Haftungsprinzips bei Finanzprodukten sowie die Handlungsfähigkeit der Finanzaufsicht kümmern.

Zudem hätten sich Europas Politikchefs in eine schlechte Verhandlungsposition vor dem G20-Gipfel manövriert. "Ich finde die europäische Position populistisch", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, am Donnerstag "Handelsblatt.com". "Es war immer klar, dass sich Amerika und England nicht auf diese Gehaltsdebatte einlassen werden."

Zuvor hatte der Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker angekündigt, dass die EU bei der Begrenzung von Bonus-Zahlungen für Bankmanager notfalls alleine vorangehen werde. Er glaube zwar an einen Erfolg des bevorstehenden G20-Gipfels in Pittsburgh in den USA, hatte der luxemburgische Ministerpräsident in einem Interview gesagt. Doch falls die USA beim Thema Boni nicht mitzögen, dürfe dies die Europäer nicht aufhalten.

"Die Finanzkrise ist von den USA ausgegangen", sagte Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt. "Wir hoffen, dass Amerikas Präsident Barack Obama sein politisches Potenzial einsetzen wird, auf dem Gipfeltreffen einen Erfolg zu erzielen."

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa und reuters

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