Mittwoch, 26. Juni 2019

IAA Autobauer schließen Elektroauto-Bündnis

Die deutschen Autobauer verbünden sich bei der Entwicklung von Elektroautos gegen die asiatische Konkurrenz. Mit dem Schulterschluss will sich die deutsche Industrie bei einer wichtigen Zukunftstechnologie in eine Führungsposition bringen, die ihnen beim Thema Hybridantrieb schon abhanden gekommen ist.

Frankfurt am Main - "Wenn wir nicht aufpassen und uns unterhaken, fahren wir künftig nach Asien, um uns den Leitmarkt anzusehen", mahnte Daimler-Entwicklungschef Thomas Weber auf einer gemeinsamen Pressekonferenz aller deutschen Hersteller zur Autoschau IAA am Mittwoch in Frankfurt. Nachdem die Japaner den Deutschen bereits bei Hybrid-Autos den Rang abgelaufen haben, wollen Daimler, BMW, Volkswagen und weitere deutsche Autobauer ihren Wettbewerb vorübergehend in den Hintergrund rücken.

Mit dem Schulterschluss will sich die deutsche Industrie bei einer wichtigen Zukunftstechnologie in eine Führungsposition bringen. Bei sparsamen Hybrid-Autos aus Verbrennungs- und Elektroaggregat haben die japanischen Autobauer Toyota und Honda die Nase vor. Die deutsche Allianz hat außer einem gemeinsamen Stecker zum Aufladen der Elektroautos bislang nichts Konkretes hervorgebracht.

Inzwischen sind sich Hersteller weltweit einig, dass in der Elektromobilität die Zukunft liegt. Auf der Frankfurter Messe präsentiert jeder zumindest eine Studie, um dem Publikum ab Samstag zu zeigen, wie er sich das Elektroauto vorstellt. Am weitesten ist offenbar Peugeot, der den im Bund mit Mitsubishi entwickelten Kleinwagen iOn Ende 2010 auf den Markt bringen will.

Noch sind Batterien zu teuer

Bis batteriebetriebene Autos in nennenswerten Stückzahlen zu kaufen sein werden, ist der Weg allerdings noch weit. Experten rechnen nicht vor dem Jahr 2020 damit. Hersteller wie BMW und Audi erwarten, dass ihr Anteil an der Neuwagenflotte bis dahin nicht über fünf bis zehn Prozent steigt. Bislang sind die leistungsfähigen Lithium-Ionen-Batterien auch noch zu teuer.

Deshalb wollen die Hersteller alle Antriebstechnologien weiter parallel entwickeln, um sich nicht frühzeitig auf einen Weg festzulegen, der sich am Ende als Sackgasse erweisen könnte.

Der Verbrennungsmotor werde noch zehn bis 20 Jahre den Markt dominieren, glauben die meisten Autobauer und Zulieferer. Dazu sollen die Diesel- und Benzin-Aggregate weiter verbessert und das Gewicht der Autos durch Leichtbau verringert werden, um so den Spritverbrauch weiter zu senken. Eine Alternative könnten Hybrid-Autos sein, die einen herkömmlichen Verbrennungsmotor mit einem Elektroaggregat kombinieren. Langfristiges Ziel bleibt die Brennstoffzelle, bei deren Nutzung aus dem Auspuff nur Wasserdampf entweicht.

Noch lange nicht alltagstauglich

Umweltschützer bemängeln, dass die Autobauer immer noch nicht auf der Höhe der Zeit seien. Die auf der IAA zur Schau gestellte Euphorie über Elektroantriebe sei völlig übertrieben, kritisierte der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch. "Elektromobilität ist auf Jahre hinaus nicht alltagstauglich." Die Ankündigung von rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugen sei derzeit "nicht seriös". Regine Günther vom WWF Deutschland verwies auf die fehlende Infrastruktur.

Um die Stromversorgung für elektrisches Fahren in großem Stil zu sichern, müssten sogenannte intelligente Stromnetze aufgebaut werden, in die auch Energie aus Wind- oder Solaranlagen eingespeist wird. "Wir werden entweder in der Nuklearfalle sitzen oder in der CO2-Falle", sagte der ehemalige Grünen-Minister Joschka Fischer.

Die Probleme auf dem Weg zu grüneren Autos sind vielfältig: Die für Elektroautos notwendigen Batterien kosten soviel wie ein Kleinwagen und erlauben nur Reichweiten von maximal 200 Kilometern. "Damit fahren Sie sozusagen immer auf Reserve los", räumt der Chef der Daimler-Antriebsforschung, Herbert Kohler, ein.

Die Klimaanlage im Sommer und die Heizung im Winter lassen den Radius sogar auf wenige Kilometer schrumpfen. Bei Vollgasfahrten ist noch früher Schluss mit dem Fahrspaß in elektrifizierten Sportwagen wie dem als Studie gezeigten Audi R8. Wegen der beschränkten Reichweite setzten sich Elektroautos voraussichtlich nur im innerstädtischen Verkehr durch, glaubt Daimler-Forscher Kohler.

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