Obamas Manager-Standpauke "Sie ignorieren die Lehren"

Zum Jahrestag der Lehmann-Pleite hat US-Präsident Barack Obama der Wall Street ins Gewissen geredet. "Anstelle aus der Krise zu lernen, ignorieren sie die Lehren", sagte Obama mit Blick auf erneut risikofreudige Bankmanager. Eine Rückkehr zur Normalität dürfe keine Rückkehr zur Selbstgefälligkeit bedeuten.

New York - Ein Jahr nach der Bankpleite von Lehman Brothers hat US-Präsident Barack Obama die Finanzindustrie vor einer Rückkehr zur- Gier und zur Jagd nach schnellen Profiten gewarnt. Die Zeit des "rücksichtslosen Verhaltens" und der "unkontrollierten Exzesse" an der Wall Street sei vorbei, sagte Obama am Montag in New York. Gemeinsam mit den G-20-Staaten strebe er eine schärfere Kontrolle der Finanzmärkte an.

In seiner Grundsatzrede vor Bankmanagern warnte Obama eindringlich vor einem Rückfall in das sorglose Risikoverhalten, das vor einem Jahr die Finanzkrise ausgelöst hatte. Die Finanzmanager hätten "nicht zum eigenen Risiko gehandelt, sondern zum Risiko unseres ganzen Landes", sagte Obama. "Die Manager an der Wall Street dürfen nicht mehr Risiken ohne Furcht vor den Folgen eingehen und erwarten, dass der Steuerzahler sie dann rettet."

Der US-Präsident kündigte an, die größten Wirtschaftsmächte der Welt in der kommenden Woche auf dem G-20-Gipfel in Pittsburgh zu einer Verschärfung der Kontrolle des Finanzsektors zu drängen. "Die USA reformieren ihr Regulierungssystem auf energische Weise und setzen sich dafür ein, dass der Rest der Welt dasselbe tut", sagte Obama. Er räumte ein, dass die Finanzkrise auch durch ein "kollektives Versagen" der US-Politik bei der Finanzregulierung zustande gekommen sei.

Ende der kommenden Woche sollen die Staats- und Regierungschefs der G-20-Staaten in Pittsburgh über ein einheitliches Vorgehen bei der Verschärfung der Finanzmarktregulierung beraten. Wegen der grenzübergreifenden Geschäfte der Finanzindustrie sei ein solches abgestimmtes Vorgehen unverzichtbar, sagte Obama in der Rede.

Zu Obamas dringendsten Anliegen gehört der Zwang zu einer höheren Kapitaldeckung für Banken: Die Institute sollen künftig nur mit riskanten Papieren handeln dürfen, wenn sie genug Geld im Rücken haben, um bei Verlusten nicht wieder in existenzbedrohende Schieflagen zu kommen. Derzeit spekulieren die Bankhäuser schon wieder in einem Umfang, der weit über ihre eigenen Mittel hinausgeht. Darüber hinaus will die US-Regierung neue Aufsichtskompetenz für die US-Notenbank und höhere Transparenz an den Märkten.

In der US-Innenpolitik stoßen seine Vorstellungen zur Neuregulierung derzeit aber auf Widerstand, der Gesetzentwurf kommt im Kongress nicht voran. Konservative Abgeordnete und Lobbyisten haben bisher verhindert, dass der Wall Street Zügel angelegt werden. Tatsächlich ist es durch Bankpleiten und Übernahmen sogar zu einer Konzentration im Finanzmarkt gekommen. Noch im Frühjahr hatte Obama das Ziel ausgegeben, dass die USA bis Ende des Jahres neue Kontrollregelungen verabschieden sollen.

Am Dienstag jährt sich erstmals der Lehman-Pleite. Der Absturz der einst viertgrößten US-Investmentbank hatte das Finanzsystem weltweit in eine Schockstarre versetzt. In der Folge rutschten alle großen Volkswirtschaften in eine Rezession, aus der sie sich nur langsam herausarbeiten. Zahlreiche Regierungen mussten mit beispiellosen Milliardenhilfen eingreifen, um die Banken zu stützen und die Konjunktur zu stärken.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa und ap

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