Commerzbank-Chef Blessing "Wir haben aus der Krise gelernt"

Die Commerzbank will angebotene Milliardenbürgschaften des Bundes nicht nutzen und keine staatlich garantierten Anleihen mehr begeben. Dies kündigte Commerzbank-Chef Martin Blessing während der Tagung "Banken im Umbruch" an - und bestätigte seine ambitionierten Ziele. Die Aktie setzt ihre Kursrally fort.

Frankfurt am Main - Die Commerzbank wolle keine staatlich besicherten Anleihen mehr begeben, sagte Blessing während der "Handelsblatt"-Tagung "Banken im Umbruch" in Frankfurt. Insgesamt hatte der Bund der Commerzbank angeboten, mit 15 Milliarden Euro für neue Anleihen zu bürgen. Ein Drittel der Summe hatte das Institut in Anspruch genommen, ein weiteres Drittel bereits im August zurückgegeben. Die neuerliche Ankündigung ließt die Aktie auf den höchsten Stand seit November 2008 klettern.

Die Refinanzierungssituation an den Kapitalmärkten habe sich "massiv" entspannt, sagte Blessing. "Daher wollen wir unsere Gewinn- und Verlustrechnung durch die Kosten für die Bereitstellung der Garantien nicht weiter belasten", sagte Blessing. Mit der Rückzahlung verringert das zweitgrößte deutsche Geldhaus seine Belastungen, da der Bund relativ hohe Zinsen für seine Garantien verlangt.

Neben den Garantien hat der Bund zu Jahresbeginn mehr als 18 Milliarden Euro an Kapital in die Bank gepumpt und ist außerdem mit gut 25 Prozent plus einer Aktie bei dem Institut eingestiegen. Der Einstiegskurs des Bundes betrug 6 Euro. Die Kapitalspritze von rund 18 Milliarden Euro wolle das Institut nach wie vor spätestens ab 2012 zurückgeben, sagte Blessing.

Ambitionierte Ziele angesichts der Markterholung

Angesichts der Entspannung setzt sich Blessing schon wieder ambitionierte Ziele: Die Commerzbank sei auf einem guten Weg, das zu werden, was sie werden wolle: "Nämlich die beste Bank in Deutschland." Eine der Lehren aus der Krise sei ganz klar, dass die Banken ein stabiles Geschäftsmodell bräuchten, bilanzierte Blessing.

Das sei im Falle der Commerzbank das Privat- und Firmenkundengeschäft, aber auch Mittel- und Osteuropa. Ein Verkauf des dortigen Geschäfts stehe deshalb nicht zur Debatte. Problemportfolios würden dagegen sukzessive abgebaut, auch dabei habe das Institut aber nichts zu verschenken.

Nach Ansicht von Analysten bietet das rund 50 Milliarden Euro schwere Problempapier-Portfolio der Commerzbank derzeit sogar Potenzial für positive Überraschungen, sofern sich der Marktwert für strukturierte Produkte erholen sollte.

Die gesamte Branche hat nach Meinung des Commerzbank-Chefs 360 Tage nach der Lehman-Pleite sehr wohl ihre Lehren gezogen. So beschäftige sich die Branche viel mehr mit dem Liquiditätsmanagement. Das gleiche gelte für Risiken im Kreditgeschäft. "Es wäre mir nie in den Sinn gekommen zu sagen, Banken hätten nichts aus der Krise gelernt. Natürlich haben wir das", sagte Blessing und antwortete damit indirekt auf die Kritik von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Der einflussreichste heimische Banker ist der Ansicht, dass alle wichtigen Reformen angestoßen seien.

Blessing erneuerte dagegen seine vor einer Woche vorgebrachten Zweifel, ob es zu wirksamer Regulierung komme, um eine Wiederholung des Desasters zu vermeiden. Die Krise sei vielleicht zu kurz gewesen, um wirklich fundamentale Änderungen zu erreichen, hatte er auf der "Zeit"-Bankenkonferenz gesagt. Der Ehrgeiz erlahme schon wieder, so seine Warnung.

manager-magazin.de mit Material von reuters und ap

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