Opel GM spielt weiter auf Zeit

Der Verwaltungsrat von General Motors wird sich auf seiner heutigen Sitzung offenbar nicht auf eine endgültige Lösung für Opel festlegen. Das GM-Management geht einem Bericht zufolge ohne konkrete Empfehlungen in das Treffen. Bei Opel drängt unterdessen die Zeit.

Detroit/Frankfurt - General-Motors-Vorstandschef Frederick Henderson werde ohne konkreten Vorschlag zum weiteren Vorgehen Opel am Mittwoch, wenn das Thema auf der Tagesordnung stehe, in das Treffen gehen, berichtete das "Wall Street Journal" am selben Tag. Laut Insidern könnte sich das Kontrollgremium darauf verständigen, die Entscheidung auf einen späteren Zeitpunkt im September zu verschieben.

Weiter hieß es, dass dies zwar mehr Zeit zur Ausarbeitung eines Opel-Plans ermögliche. Allerdings würden dabei auch Milliardenbeträge aufs Spiel gesetzt, die von der deutschen Bundesregierung zur Rettung der betroffenen Arbeitsplätze angeboten werden. "Mit jedem abgelaufenen Tag, an dem wir Opel nicht restrukturieren, wird unser Zeitfenster kleiner, in dem wir das Geschäft in Ordnung bringen können", wird eine weitere Person zitiert.

Für Mittwoch werde erwartet, dass das Gremium sich unter anderem mit einer neuen Marketingkampagne sowie dem Fortschritt beim Verkauf der US-Marken Hummer und Saturn befasse. Opel dürfte den Erwartungen zufolge aber die Agenda dominieren.

Dabei könnten vier Szenarien besprochen werden. Zur Debatte stünde demnach, Opel entweder an den österreichisch-kanadischen Automobilzulieferer Magna  oder an den belgischen Finanzinvestor RHJ zu verkaufen. Möglich sei aber auch ein Verbleib im Konzern oder eine Insolvenz, allerdings werde Letzteres als unwahrscheinlichste Lösung eingestuft. Zuletzt habe der Verwaltungsrat dem Management mitgeteilt, es solle sich stärker darauf konzentrieren, das verlustreiche Geschäft zu behalten.

Hängepartie bringt Regierung in Bedrängnis

Derweil berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf Kreise der Opel-Treuhand, dass die Hängepartie Opel und die Bundesregierung vor ein Dilemma stelle. Ende November werde der Brückenkredit über 1,5 Milliarden Euro samt Zinsen fällig. Dieser sei fast vollständig mit Vermögen des Unternehmens als Pfand besichert, darunter Grundstücken und Fabriken.

Bund und Länder hatten ihre weitere Finanzierungszusage über 4,5 Milliarden Euro an einen Verkauf an Magna geknüpft. GM wäre zwar bereit, rund eine Milliarde Euro aus der eigenen Kasse für Opel aufzubringen und hofft zudem auf ergänzende Staatskredite über eine weitere Milliarde Euro aus Spanien, England und Polen. Aber auch diese Summe würde bei weitem nicht für die Sanierung von Opel ausreichen, wenn der Staatskredit zurückgezahlt werden muss.

Der Opel-Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz sprach am Mittwoch von einem kurzfristigen Finanzbedarf von 3,8 Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro) sollte General Motors  Opel im Konzernverbund halten wollen. Dies gehe aus den Kalkulationen einer Beratungsgesellschaft hervor. Dabei seien die Produktinvestitionen der ersten zwölf Monate nicht eingerechnet, sagte er. In den folgenden fünf Jahren wären dann weitere 3,8 Milliarden Dollar erforderlich.

Unterdessen warnte der Betriebsratschef des Bochumer Opel-Werks, Rainer Einenkel, erneut vor einer Insolvenz Opels. Das sei der schlechteste Weg, sagte er am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur. Das bedeute die Schließung mehrerer Werke, allen voran in Bochum und Eisenach. Neben Tausenden von Jobs bei Opel gingen unter anderem auch 100.000 Stellen im Zulieferbereich verloren.

Jürgen Wutschke, ddp

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