Werften ThyssenKrupp stößt Nordseewerke ab

ThyssenKrupp zieht sich mehr und mehr aus dem Schiffbau zurück: Das Unternehmen wird in den Nordseewerken in Emden künftig nur noch Reparaturarbeiten durchführen. Die Umstrukturierung schlägt sich in der Bilanz nieder. Einem Bericht zufolge erwartet Deutschlands größter Stahlkonzern im laufenden Geschäftsjahr Restrukturierungskosten von 1,5 Milliarden Euro.

Düsseldorf/Emden - ThyssenKrupp  hat mit Siag Schaaf eine Vereinbarung über die Zukunft der Nordseewerke in Emden getroffen. Das Familienunternehmen aus dem Westerwald wird danach Emden zu einem zentralen Standort für die Fertigung von Offshore-Windanlagen ausbauen.

Nachdem am Schiffbaumarkt Neuaufträge fast völlig zum Erliegen gekommen sind, wird sich ThyssenKrupp Marine Systems im Gegenzug an dem Standort auf höherwertige Engineering- und Reparaturarbeiten konzentrieren. Das teilte die ThyssenKrupp Marine Systems am Dienstag mit. Es sei eine entsprechende Grundsatzvereinbarung unterzeichnet worden.

Bei der Emdener Werft bestätigte Betriebsratschef Fritz Niemeier Gespräche von Siag mit dem Unternehmen und dem Betriebsrat. Der Betriebsrat stehe Offshore-Aktivitäten positiv gegenüber, da der Markt für neue Containerschiffe derzeit und in absehbarer Zeit brachliege, sagte Niemeier der Nachrichtenagentur dpa.

"ThyssenKrupp wird sich aber nicht aus der Verantwortung stehlen können", sagte Niemeier. Die Emdener Werft gehöre seit Langem zu Thyssen und lasse sich nicht zur Seite drängen. So gebe es noch einige Aufträge, an denen die Werft beteiligt sei. Dabei gehe es um militärischen Schiffbau über und unter Wasser. "Diese Aufträge stehen auch in unseren Büchern, und die können uns Manager nicht einfach wegnehmen", sagte Niemeier. Das Werftgelände sei so groß, dass dort Offshore-Geschäfte und Schiffbau parallel betrieben werden könnten. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) habe dem Betriebsrat in dieser Haltung Unterstützung zugesichert.

100 Windtürme pro Jahr

Siag beschäftigt rund 1200 Mitarbeiter und kommt auf einen Jahresumsatz von rund 175 Millionen Euro. Bisher ist Siag auf die Fertigung von Stahltürmen für Windanlagen an Land konzentriert. In Emden sollen ab 2010 auch Türme für den Einsatz auf hoher See gebaut werden. Ziel sei es, etwa 100 Windtürme pro Jahr zu fertigen, sagte ein Sprecher. Emden soll dafür der zentrale Standort werden.

Dafür will Siag in Emden der Zeitung zufolge rund 40 Millionen Euro investieren. Dort arbeiten derzeit rund 1250 Beschäftigte sowie zusätzliche 300 Mitarbeiter aus Hamburger Werften. ThyssenKrupp zieht sich mehr und mehr aus dem Schiffbau zurück. Das "Handelsblatt" berichtet davon, dass Siag Schaaf 700 Mitarbeiter der Nordseewerke übernehmen will.

Die Umstrukturierung bei ThyssenKrupp hat seinen Preis: Der Konzern erwartet der "Welt" zufolge im laufenden Geschäftsjahr Restrukturierungskosten von rund 1,5 Milliarden Euro. Damit steuere der Konzern auf einen Vorsteuerverlust einschließlich Sondereffekten von mehr als zwei Milliarden Euro zu, berichtete das Blatt am Mittwoch unter Berufung auf Informationen aus dem Umfeld des Unternehmens. Grund seien vor allem Kosten Personalrückstellungen. Dennoch solle eine Dividende ausgeschüttet werden.

ThyssenKrupp teilte dazu mit, das Unternehmen beteilige sich nicht an "Spekulationen über das Gesamtjahresergebnis, insbesondere über die im Ergebnis enthaltenen Sondereffekte".

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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