Autoabsatz Hoffen auf den Herbst

Erneuter Rückschlag für BMW, Daimler und Audi: Im August ist der Absatz der Premiumhersteller weiter zurückgegangen - zum Teil stärker als noch im Juli. Die bitter nötige Trendwende soll in den nächsten Monaten kommen. Für Massenhersteller wie Volkswagen und Opel wird 2010 laut einer Studie ein Katastrophenjahr.

München/Berlin - Die weltweite Flaute bei den Neuwagenverkäufen hat bei den deutschen Premiumherstellern auch im August Spuren hinterlassen. BMW, Daimler und Audi verzeichneten Absatzrückgänge, wie die Unternehmen am Dienstag mitteilten. Bei der Volkswagen-Tochter Audi sank der Absatz erstmals seit Mai wieder.

Trotz der Absatzrückgänge sehen die Hersteller teurerer Autos das Schlimmste überstanden. Für die kommenden Monate sei mit höheren Verkaufszahlen zu rechnen, kündigte Klaus Maier an, Vertriebschef der Markengruppe Mercedes-Benz Cars bei Daimler .

Sein Kollege Ian Robertson von BMW  äußerte sich "verhalten optimistisch", dass der Münchener Konzern bald auf den Wachstumspfad zurückkehrt. Der Ingolstädter Rivale Audi  bekräftigte, er werde das Jahr besser abschließen als die Konkurrenz.

Schwung erhoffen sich die Hersteller von neuen Modellen, die sie ab nächster Woche bei der weltgrößten Automesse IAA in Frankfurt zeigen wollen. Zudem soll der boomende Markt in China Schwächen in anderen Ländern abpuffern. Im Reich der Mitte schnellte der Absatz im August um 90 Prozent nach oben - vor allem dank staatlicher Anreize wie Steuererleichterungen für die Käufer von Kleinwagen und spezielle Rabatte in ländlichen Regionen. Alle drei deutschen Oberklassehersteller verbuchten dort zuletzt satte Zuwächse; die meisten Autos verkaufte mit 13.345 Fahrzeugen die VW-Tochter Audi, die seit mehr als 20 Jahren in China vertreten ist.

Weltweit schnitt BMW mit seiner weißblauen Kernmarke besser ab als die Konkurrenten. Von der Marke BMW wurden im August 75.689 Autos verkauft (minus 11 Prozent). Daimler setzte von der Marke Mercedes-Benz 66.200 Fahrzeuge ab (minus 12 Prozent), Audi 65.900 Autos (minus 3 Prozent).

Insgesamt verlangsamte sich bei BMW im August die Talfahrt beim Absatz weiter. Die Münchener verkauften weltweit 91.790 Fahrzeuge der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce; das sind 10 Prozent weniger als vor einem Jahr. Vertriebsvorstand Robertson sagte, seit April habe sich der Rückgang kontinuierlich verlangsamt. "Die Richtung stimmt." Zum Jahresanfang hatte der Konzern noch Einbrüche von knapp einem Viertel verzeichnet.

Massenhersteller: Produktion 2010 auf dem Niveau von 1993

Audi hatte im Juni und Juli bereits kleine Zuwächse beim Absatz verbucht. Für das Gesamtjahr bekräftigte Vertriebschef Peter Schwarzenbauer die Prognose, wonach Audi 900.000 Fahrzeuge verkaufen will. 2008 hatte die VW-Tochter mehr als eine Million abgesetzt. Von Januar bis Ende August lieferte Audi weltweit 616.850 Autos aus, das sind 7,5 Prozent weniger als vor Jahresfrist.

Bei Daimler sackte der Absatz der Marken Mercedes-Benz, Smart, AMG und Maybach in dieser Zeit um 17 Prozent auf 711.300 Fahrzeuge ab. BMW verkaufte mit 817.183 in den ersten acht Monaten 18 Prozent weniger Autos weltweit.

Im kommenden Jahr können die Premiumhersteller einer Studie zufolge aufatmen. Während Massenhersteller wie Volkswagen  und Opel nach dem Ende der Abwrackprämie ihre Produktion drosseln müssten, werde die Fertigung bei Premiumautobauern wie Mercedes-Benz, BMW und Audi in Deutschland voraussichtlich um 6 Prozent anziehen, prognostizierte die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) am Dienstag in Frankfurt. Für 2009 rechnen die Experten bei den Premiumherstellern mit einem Absatzeinbruch, da sie kaum von der staatlichen Stütze profitierten.

Auch für die nächsten Jahre seien die Perspektiven für die Premiumhersteller gut, erwartet PwC. Allerdings werde der Anteil von kleinen Autos wie der A-Klasse von Mercedes und der BMW-1er-Reihe am Gesamtabsatz steigen, so dass die Rendite der Konzerne schrumpfe. Damit nimmt auch bei den Luxusautobauern der Druck zu, die Kosten weiter zurückzufahren.

PwC geht davon aus, dass Premium- und Massenhersteller zusammen die Autoproduktion im nächsten Jahr um 160.000 Einheiten senken müssen. Mit 2,1 Millionen dürften die Massenhersteller damit 2010 laut der Studie so wenig Fahrzeuge produzieren wie zuletzt 1993. In diesem Jahr dürften hierzulande voraussichtlich insgesamt 4,7 (Vorjahr: 5,5) Millionen Fahrzeuge von den Produktionsbändern laufen.

Mit einer Erholung sei erst im übernächsten Jahr zu rechnen, bevor 2012 wieder mehr als fünf Millionen Fahrzeuge im Jahr möglich seien. Der damit einhergehende niedrigere Bedarf an Arbeitskräften könne voraussichtlich auch im nächsten Jahr noch durch Kurzarbeit aufgefangen werden. Zudem würden die Hersteller verstärkt Produktion aus dem Ausland zurückholen, erwartet PwC-Automobilexperte Felix Kuhnert. Langfristig sei aber ein Personalabbau wahrscheinlich.

manager-magazin.de mit Material von ddp und reuters

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