EU-Vergleich Deutsche Löhne kaum gestiegen

Die Einkommen deutscher Arbeitnehmer haben sich in den vergangenen Jahren deutlich schlechter entwickelt als in den meisten EU-Ländern. Trotzdem kostet ihre Leistung für die Arbeitgeber mehr: Die Arbeitskosten sind im zweiten Quartal um mehr als 5 Prozent gestiegen.

Berlin/Brüssel - Laut eines neuen EU-Berichts zur europäischen Einkommensentwicklung 2008 sind die Einkommen in Deutschland im vergangenen Jahr real nur um 0,1 Prozent gestiegen, berichtet die Tageszeitung "Die Welt" (Dienstagausgabe). 2007 seien die Reallöhne sogar um 0,1 Prozent zurückgegangen.

Damit gehöre Deutschland laut dem neuen Bericht der "EU-Behörde zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen" zu den Schlusslichtern in Europa. Im EU-Durchschnitt hätten die Arbeitnehmer im vergangenen Jahr 1,3 Prozent mehr verdient, im Jahr 2007 betrug der Anstieg der Reallöhne in der Europäischen Union sogar 3,6 Prozent.

Obwohl die deutschen Arbeitnehmer nur wenig mehr in der Tasche haben, wird ihre Leistung für die Arbeitgeber teurer. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag bekannt gab, sind die Arbeitskosten in Deutschland im zweiten Quartal 2009 kräftig gestiegen. Der Abbau von Überstunden und die zunehmende Kurzarbeit führten dazu, dass Arbeitgeber zwischen April und Juni im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich kalenderbereinigt 5,2 Prozent mehr für eine geleistete Arbeitsstunde als im Vorjahr zahlten. Dies sei der zweithöchste Anstieg im Jahresvergleich seit Beginn der Zeitreihe 1997. Der stärkste Zuwachs war im ersten Quartal 2009 mit plus 5,7 Prozent verzeichnet worden.

Im Vergleich zum Vorquartal stiegen die Arbeitskosten saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent, nach 1,6 Prozent im ersten Vierteljahr und 2,4 Prozent im Schlussquartal des Vorjahres.

Die Behörde verwies darauf, dass für die Veränderungsraten des Arbeitskostenindex' nicht nur die Entwicklung der Arbeitskosten, sondern auch die der geleisteten Stunden entscheidend ist. Infolge der sinkenden Produktion sei es im zweiten Quartal 2009 zu einem Überstundenabbau sowie zu verstärkter Kurzarbeit gekommen. Dies habe zu einer Verteuerung der Arbeit im Verhältnis zu den geleisteten Arbeitsstunden und der erzielten Produktion geführt.

Zudem ist der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern in Deutschland gravierend. Wie es in dem EU-Bericht laut "Welt" heißt, verdienen Frauen in Deutschland 23 Prozent weniger als Männer. Nur in Zypern, den Niederlanden, der Slowakei und Estland sind die Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern noch größer. Im EU-Durchschnitt verdienen Frauen 16,6 Prozent weniger als Männer. Am geringsten seien die Unterschiede in Italien (4,4 Prozent), Portugal und Slowenien (jeweils 8,3 Prozent).

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und ddp

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