Mister-X-Kolumne Abzocke mit einem Lächeln

Es sollte ein erfolgreiches Investment werden: Ein Anleger aus München überweist 140.000 Euro auf ein Bankkonto in Hongkong. Nun ist das Geld verschwunden - die Nigeria Connection bekommt offenbar Konkurrenz aus Asien.
Von Martin W. Brock

Der Anrufer sprach gehobenes Englisch, seine Stimme klang freundlich und souverän. Kein Wunder, war er doch Finanzexperte bei der Davis Mayer Group, einem der führenden Spezialisten Südkoreas für Venture Capital. So zumindest seine Angabe. Ob man denn nicht in eine junge Firma mit baldigem Börsengang investieren wolle? Sicher habe man ja schon von der Davis Mayer Group und ihren erfolgreichen Investments gehört.

Der Anrufer nennt auch den Namen einer Firma, die bald an die Börse gehen werde und wo sich der umworbene Anleger jetzt noch beteiligen könne. Und was ihn dem Anleger sympathisch macht: Er drängt nicht, sondern empfiehlt, sich doch in Ruhe die Internetseite der Firma anzusehen, in die investiert werden soll.

Hightech-Investment verspricht hohe Rendite

Der umworbene Anleger macht sich an die Recherche, und tatsächlich, die Firma hat eine völlig neuartige Technologie entwickelt, verschiedene Auszeichnungen erhalten und steht wohl vor dem ganz großen Sprung. Dass alle Informationen zu dieser Firma gefälscht sind, bemerkt der Anleger nicht. Das sieht eben alles zu gut aus, um sich den Traum vom erfolgreichen Investment zerstören zu wollen. Und auch ein Blick auf die Internetseite der Davis Mayer Group bestärkt den Anleger in seiner inzwischen gewonnenen Überzeugung. Die Firma mit Sitz in der koreanischen Hauptstadt Seoul präsentiert sich mit einer professionell aufgemachten Seite.

Viele zuversichtlich blickende Gesichtern versprechen Kompetenz in allen Investmentfragen. Da versteht es sich von selbst, dass unter "Our People" nur Kapazitäten mit Universitätsabschluss aufgeführt sind. Dass von keinem dieser Herren ein früherer Arbeitgeber genannt ist, nur "erfolgreiche Tätigkeiten bei zahlreichen Unternehmen", mag als kleiner Schönheitsfehler durchgehen.

Geld wird nach Hongkong geschickt

Und so hat der umworbene Anleger aus München 140.000 Dollar auf ein Bankkonto in Hongkong überwiesen. Seitdem wartet er. Und er ist nicht allein, einen zweistelligen Millionenbetrag haben Anleger aus Deutschland, aber ebenso aus Belgien, Österreich und Norwegen, bei der Davis Mayer Group investiert, ohne auch nur einen der Spezialisten jemals persönlich gesehen zu haben.

Dass die von ihnen genutzten Namen nicht den tatsächlichen entsprechen, darf angenommen werden.

Berater sind abgetaucht

Inzwischen sind die Herren abgetaucht, die Firma antwortet auf Anfragen nicht mehr. Schon seit Juli 2008 haben zahlreiche europäische und asiatische Aufsichtsbehörden vor dieser Gruppe gewarnt und dies im Internet veröffentlicht, aber soweit ging dann die Nachforschungen der Anleger doch nicht. Sie sind jetzt bitter enttäuscht: Dass es Betrüger in Europa und den USA gibt, ja, das wusste man inzwischen. Und auch die Nigeria Connection hat sich inzwischen herumgesprochen. Aber dass sich nun auch unter den sonst so freundlichen Asiaten Betrüger finden, diese Einsicht wird sich erst langsam durchsetzen.

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