Montag, 22. Juli 2019

Ethischer Konsum Auf Sinnsuche bei McDonald's

Discounter liefern sich Rabattschlachten, Bioware boomt nicht mehr: Trotz Wirtschaftskrise setzen Unternehmen verstärkt auf Produkte, die nach ethischen Grundsätzen hergestellt und gehandelt werden. Dabei gehen sie neue Partnerschaften ein, um den verheißungsvollen Wachstumsmarkt zu retten.

Hamburg - War es die triste Realität auf Bodenhöhe, der der Otto-Konzern entkommen wollte, als er seine neuen Erkenntnisse zum Thema ethischer Konsum im 20. Stock eines schicken Hamburger Bürohochhauses vorstellte? Während Supermärkte und Kaufhäuser unten in der Stadt in immer neuen Preisschlachten um Kunden kämpfen, suchten Vertreter von Modefirmen, Versandhändlern und gemeinnützigen Organisationen den freien Blick in eine Konsumwelt der Zukunft, in der es nicht mehr ausschließlich um das günstigste Angebot gehen soll.

"Ethischer Konsum" - diese Formel elektrisiert Handel und Hersteller. Die Studie 2009 der Otto Group "Die Zukunft des ethischen Konsums" besagt, dass sechs von zehn Deutschen "grüne", klimafreundliche und verantwortungsvoll handelnde Unternehmen als die Gewinner der aktuellen Wirtschaftskrise sehen.

Verlangen nach Fair Play, Glaubwürdigkeit und Beständigkeit

Wer also jetzt dabei ist, so das Kalkül, wird langfristig nicht nur etwas für sein Image tun, sondern auch an einem Wachstumsmarkt verdienen, der weit über Biolebensmittel hinausgeht. Ob Kaffeebauern, die einen fairen Lohn bekommen oder Baumwollplantagenarbeiter, die nicht um ihre Gesundheit fürchten müssen - solche Argumente sollen künftig mehr zählen, als der niedrigste Preis.

Trend ethischer Konsum: Als Befürworter und Zielgruppe gelten längst nicht mehr die übrig gebliebenen Ökos der 80er, sondern durch alle gesellschaftlichen Schichten hindurchgehende Lohas, die Nachhaltigkeit, Beständigkeit und ethisch korrektes Verhalten als Qualitätsmaßstab nehmen
Zwar gibt es durch die Wirtschaftskrise Rückschläge. Laut dem Marktforschungsunternehmen GfK ist Bio - wichtiger Bestandteil ethischen Konsums - erstmals seit zwei Jahrzehnten kein Wachstumssortiment mehr. Im ersten Halbjahr 2009 büßte das Segment im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel um mehr als 6 Prozent an Umsatz ein. Grund dafür seien vor allem die sinkenden Preise, die Discounter verursachen. Helmut Hübsch von der GfK erklärt, dass Discounter sehr darauf achten, dass die Preisabstände zwischen Bioprodukten und konventioneller Ware nicht zu groß werden. Im Fachhandel seien die Umsätze hingegen stabil.

Bioware beim Discounter

Trotzdem sehen Hersteller und Händler im ethischen Konsum die Zukunft. Die langfristigen Voraussetzungen sind auf den ersten Blick gut. "Die Wirtschaftskrise hat das Verlangen der Konsumenten nach Fair Play enorm gesteigert", sagt Peter Wippermann, der für Otto das Verbraucherverhalten untersucht hat. Schon jetzt sei der Preis von Produkten für immer mehr Verbraucher nicht das alleinige Kriterium - sie legen auch Wert auf ethisch korrekte Einkäufe. Ethischer Konsum stehe für Sehnsucht nach Glaubwürdigkeit und Beständigkeit.

Zwar spare ein Drittel der Deutschen wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise beim Konsum stärker als früher: 10 Prozent der Verbraucher verschieben demnach Anschaffungen, ein Viertel schränkt sich bewusst ein. Am ethischen Konsum jedoch wollen nur 18 Prozent der Befragten sparen - während drei Viertel von ihnen hier weiterkonsumieren wie bisher und 7 Prozent dies sogar noch stärker tun als früher.

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