Samstag, 7. Dezember 2019

Kraft Foods Ein Milliardengebot für Schokolade

In der Lebensmittelindustrie zeichnet sich eine große Übernahmeschlacht ab. Der US-Konzern Kraft Foods, weltweit die Nummer zwei der Branche, bietet einen zweistelligen Milliardenbetrag für den britischen Konkurrenten Cadbury - doch dem ist das zu wenig.

Northfield/London - Der weltweit zweitgrößte Lebensmittelkonzern Kraft Foods Börsen-Chart zeigen will den britischen Süßwarenhersteller Cadbury Börsen-Chart zeigen übernehmen. Die Führung von Cadbury habe das 10,2 Milliarden Pfund (11,7 Milliarden Euro) schwere Kaufangebot jedoch zurückgewiesen, teilte Kraft am Montag mit. Die Amerikaner wollen sich davon aber nicht abschrecken lassen und weiter um die Briten buhlen.

Begehrte Schokolade: Cadbury schlägt sich gut durch die Krise, greift aber dennoch zu Sparmaßnahmen
"Die Transaktion würde einen starken Anbieter von Snacks, Süßwaren und Fertiggerichten schaffen mit einem außergewöhnlichen Portfolio an Kultmarken", begründete Kraft seinen Ehrgeiz. Mit einem Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar entstünde ein neues Schwergewicht in der Lebensmittelindustrie. An Nestlé würde allerdings auch dies nicht heranreichen: Die Schweizer setzen binnen eines halben Jahres soviel um. Kraft stuft sich bei einer erfolgten Übernahme allerdings als führend in den wichtigen Schwellenländern China, Indien, Brasilien, Mexiko und Russland ein.

Kraft ist nach der schweizerischen Nestlé Börsen-Chart zeigen der zweitgrößte Lebensmittelkonzern der Welt. Das Unternehmen führt Marken wie Jacobs-Kaffee und Milka-Schokolade. Cadbury macht sein Geld mit Schokolade, Kaugummi und Bonbons. Trotz Wirtschaftskrise waren die Briten zuletzt noch gewachsen und hatten auch mehr verdient. Außer in der Heimat lief es vor allem in Indien und Südafrika rund. Cadbury hat im vergangenen Jahr die Getränkesparte mit Schweppes-Limonaden in die Dr. Pepper Snapple Group Börsen-Chart zeigen ausgegliedert. Cadbury hatte unlängst den Status als weltgrößter Süßwarenhersteller an den US-Rivalen Mars verloren, der den Kaugummiproduzenten Wrigley geschluckt hat.

Die Amerikaner wollen durch die Übernahme ihren Umsatz und Gewinn letztlich deutlich schneller steigern als solo. "Es geht um Wachstum", sagte Konzernchefin Irene Rosenfeld. Durch die Zusammenlegung insbesondere von Vertrieb, Marketing und Entwicklung will Kraft mindestens 625 Millionen Dollar vor Steuern im Jahr einsparen. Dem stehen erwartete 1,2 Milliarden Dollar an Kosten für die Verschmelzung der zwei Firmen gegenüber.

"Der Deal könnte Jobs im Vereinigten Königreich schaffen", erklärte der Kraft-Manager Michael Osanloo im Gespräch mit Journalisten. Kraft könne einige der von Cadbury geplanten oder bereits durchgeführten Sparmaßnahmen wie die Schließung einer Fabrik im südwestenglischen Somerdale zurücknehmen. Außerhalb Großbritanniens hingegen würden wahrscheinlich Stellen gestrichen.

Kraft hatte laut Mitteilung 300 Pence in bar und 0,2589 neue Kraft-Aktien je Anteilsschein von Cadbury geboten. Am Freitag schlossen Cadbury-Aktien bei 568 Pence, die Marktkapitalisiserung des Unternehmens lag somit bei 7,76 Milliarden Pfund. Von Cadbury hieß es, das Kraft-Gebot bewerte das Unternehmen zu niedrig. Man sei überzeugt von der eigenen Strategie, eigenständig zu wachsen.

"Schwergewichte wie Danone Börsen-Chart zeigen und Nestlé oder Unilever Börsen-Chart zeigen und Associated British Foods Börsen-Chart zeigen dürften im Fahrwasser von Cadbury fester tendieren", prognostizierte ein Händler die Auswirkungen auf den Aktienhandel. Die gebotene Prämie auf den Cadbury-Kurs betrage immerhin gut 30 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag. Am Morgen schoss der Kurs an der Londoner Börse um 35 Prozent auf 780 Pence und übertraf damit sogar die von Kraft gebotene Bewertung.

An der Börse kursierte das Gerücht, Nestlé könne mit einem eigenen Gebot für Cadbury die Übernahmepläne durchkreuzen. In einer Einschätzung der Londoner Investmentbank Evolution Securities heißt es, es gebe eine "vernünftige Chance" von 30 bis 40 Prozent für ein Gegengebot von Nestlé und Hershey. In diesem Szenario könne Nestlé das Kaugummigeschäft von Cadbury übernehmen und Hershey das Scholkoladegeschäft. Nestlé-Chef Paul Bulcke ließ am Rande einer Veranstaltung durchblicken, dass ein Gegenangebot unwahrscheinlich ist: Es gebe derzeit keine Pläne für große Akquisitionen. Einen direkten Kommentar wollte er indes nicht abgeben.

manager-magazin.de mit Material von dpa und dow jones

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung