GM/Opel "Board kümmert nicht, was andere denken"

Opel steht wieder einmal vor einer Woche der Entscheidung: Am Dienstag tritt der Verwaltungsrat des Mutterkonzerns General Motors zusammen. Es gibt aber nur ein vage Hoffnung, dass der wieder erstarkte US-Autobauer den Poker um Opel beendet. Im Gegensatz zur Bundesregierung hat GM keine Eile.

Frankfurt am Main - Beim angeschlagenen Autobauer Opel verbindet man mit der Sitzung des Verwaltungsrats von General Motors  in dieser Woche nicht mehr als eine vage Hoffnung. Zwar könnte das Gremium des ehemaligen Mutterkonzerns grünes Licht für einen Opel-Verkauf an einen Investor geben und damit das Ende des zermürbenden Geduldspiels um die Zukunft des Autobauers einläuten. Die Chance darauf scheint jedoch nicht groß - zumal GM eine Entscheidung bereits einmal vertagt hat und parallel zu einem Verkauf an die Bieter Magna oder RHJ auch prüft, Opel zu behalten.

Kreisen zufolge berät der Verwaltungsrat ab Dienstag bei einer zweitägigen Sitzung erneut über Opel. "Niemand weiß, was das Gremium macht. Jeder der dazu etwas vorwegnimmt, spekuliert oder hofft nur", sagte ein Insider. "Mich würde keine Variante überraschen - auch nicht die, dass GM Opel behält."

Leicht dürfte sich das Gremium des US-Autokonzerns seine Entscheidung nicht machen. Bei einem Verkauf an Magna verliert GM die volle Kontrolle über Opel und soll dem österreichisch-kanadischen Autozulieferer und seinen russischen Partnern zudem Zugriff auf wichtige Patente gewähren. Für einen Verkauf an Magna hat sich nicht nur die Bundesregierung, sondern zuletzt auch GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster stark gemacht. Ebenso wie die Opelbelegschaft selbst sieht er in Russland neue Absatzmöglichkeiten.

Bei Opel-Rückkauf müsste GM Milliarden aufbringen

Sollte sich GM für einen Rückkauf entscheiden, müsste der US-Konzern mehrere Milliarden Dollar aufbringen, um die Sanierung von Opel zu finanzieren. Als Kompromiss könnte sich aus Sicht von GM daher ein Verkauf an den Finanzinvestor RHJ anbieten. Zwar haben mehrere deutsche Politiker Staatshilfen für diesen Fall abgelehnt. GM hätte damit aber die Aussicht auf einen späteren Rückkauf und könnte RHJ die Sanierung überlassen.

Sollte der GM-Verwaltungsrat eine Empfehlung aussprechen, teilt er sie anschließend der Opel-Treuhand mit, die die Mehrheit der Anteile hält und mit Vertretern von GM, Bund, Ländern sowie einem unabhängigen Vorsitzenden besetzt ist. Sie wurde ins Leben gerufen, um eine endgültige Entscheidung über einen Verkauf zu fällen. Der müsste auch mit der Bundesregierung abgestimmt werden, die über Bürgschaften für milliardenschwere Kredite für eine Opel-Übernahme verfügt.

Bundesregierung unter Zeitdruck - GM hat keine Eile

Offen ist aber, ob das GM-Gremium bei seinen Beratungen in den kommenden Tagen überhaupt zu einem Ergebnis kommt. Zwar dringen deutsche Politiker - auch angesichts der Ende September bevorstehenden Bundestagswahl - auf eine rasche Lösung. GM hat nach der überstandenen Insolvenz jedoch keine Eile. Das neu besetzte Aufsichtsgremium will sich erst mit dem Fall Opel vertraut machen und keine überhasteten Entscheidungen treffen.

Sollte der Verwaltungsrat eine Entscheidung erneut hinauszögern, wäre das ein Affront gegen die Bundesregierung, der Spekulationen nähren würde, GM wolle Opel behalten. Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als auch SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hatten sich persönlich für die Rettung von Opel durch einen Investor eingesetzt.

Am Wochenende erklärte die Bundesregierung zwar, es gebe keine Anzeichen, dass GM Opel zurückkaufe. Und Kanzleramtsminister Thomas de Maiziere drückte in einem Interview des Deutschlandfunks noch einmal aufs Tempo: "Es ist jetzt eine Entscheidung fällig, nötig und möglich." Ebenso Bundeswirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) forderte von GM jetzt eine Entscheidung. "Die betroffenen Arbeitnehmer und ihre Familien haben es verdient, dass dieses unselige Hin und Her endlich ein Ende findet", sagte er der "FAS".

Ob diese Botschaften aber beim GM-Verwaltungsrat ankommen, ist offen. "Das Board kümmert sich nicht darum, was andere Leute denken. Sie treffen ihre Entscheidung", heißt es in Kreisen des US-Autobauers. Und die US-Regierung hat längst betont, dass sie sich in die Entscheidung von GM nicht einmischen werde.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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