Krisenkosten 1500 Dollar pro Erdbewohner

Die Finanzkrise wird die Weltwirtschaft bis Ende dieses Jahres einer Studie zufolge mehr als zehn Billionen Dollar kosten. Jeder Mensch auf der Erde wird damit mit etwas mehr als 1500 Dollar belastet - Tendenz steigend.

Berlin - Eine Berechnung von Commerzbank Research hat ergeben, dass die Finanzkrise die Weltwirtschaft bis Ende dieses Jahres rund 10,5 Billionen Dollar (7,3 Billionen Euro) kosten wird. Das berichtete die Tageszeitung "Die Welt" (Samstagausgabe). "Wir haben uns in der Finanzkrise zwar an hohe Summen gewöhnt, aber dieser Betrag ist einfach unglaublich", sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Bank, dem Blatt. Je Erdenbürger belaufen sich die Kosten damit auf etwas mehr als 1500 Dollar.

Rund 1,6 Billionen Dollar Verlust entstanden demnach bei Banken durch Abschreibungen und Pleiten. Die Commerzbank-Forscher stützen sich hier auf Zahlen des Nachrichtenanbieters Bloomberg. Die Wertverluste an Wohnimmobilien in den USA und England, die besonders von der Immobilienkrise heimgesucht wurden, lagen laut Notenbanken und einer Schätzung der Commerzbank insgesamt bei 4,65 Billionen. Der aus der Finanzkrise folgende Einbruch der Weltwirtschaft kostete in den beiden vergangenen Jahren zudem rund 4,2 Billionen Dollar.

Die Commerzbank-Volkswirte unterstellten dabei, dass die Weltwirtschaft ohne die Krise so stark gewachsen wäre wie im Durchschnitt der vorherigen Jahre. Tatsächlich war das Wachstum 2008 aber deutlich niedriger: 2009 dürfte die Weltwirtschaft erstmals seit 60 Jahren wieder schrumpfen. So errechnet sich der Gesamtverlust.

Kosten für Deutschland bei 474 Milliarden Dollar

Die Commerzbank hat auch die Zahlen für Deutschland errechnet: Demnach gehen der hiesigen Volkswirtschaft 237 Milliarden Dollar verloren. Auf 104 Milliarden belaufen sich die Abschreibungen deutscher Banken. Das niedrigere Wirtschaftswachstum 2008 und 2009 wird 133 Milliarden Dollar an Bruttoinlandsprodukt (BIP 2008: rund 3600 Milliarden Dollar) kosten, wie die Commerzbank prognostiziert. "Die Einkommensverluste, die wir am BIP messen, sind viel stärker als in normalen Krisen", sagt Krämer.

Die Kosten der Finanzkrise dürften in Zukunft noch steigen: Denn in der Rechnung nicht enthalten ist etwa das gedämpfte Weltwirtschaftswachstum für die kommenden Jahre, das Experten infolge der Krise erwarten. Außerdem werden viele Geldhäuser noch weitere Wertberichtigungen vornehmen müssen. Der Internationale Währungsfonds rechnet damit, dass die Banken bis Ende 2010 schlimmstenfalls insgesamt bis zu 4 Billionen Dollar abschreiben müssen.

Für die Zukunft sieht Krämer dennoch nicht schwarz: Die Häuserpreise in den USA fielen nicht mehr, die Banken hätten bereits frisches Kapital in Höhe von 1,3 Billionen Dollar aufgenommen und die Weltwirtschaft habe ihren Sturzflug beendet. "Die Krise ist nicht durch, aber jetzt reden wir Gott sei Dank über normale oder sogar abklingende Schmerzen", sagt Krämer. Das sei eine große Leistung und keineswegs selbstverständlich gewesen.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

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