Sonntag, 15. Dezember 2019

Broich-Bezzenberger-Kolumne Die Escada-Insolvenz - an die Wand mit Ansage?

2. Teil: Strukturierung erfolgversprechender Umtauschangebote

Ziel von ernsthaften Anleiherestrukturierungen ist es, durch eine zielgerichtete Strukturierung des Umtauschangebotes die Annahmequote zu erhöhen und einen Holdout entweder auszuschließen oder zumindest wirtschaftlich unattraktiv zu machen. Auch wenn jede Anleiherestrukturierung individuell zu betrachten und zu strukturieren ist, ergeben sich für Emittenten einige Grundkonzepte, die sich in der Vergangenheit oftmals als die im Vergleich zum freiwilligen Escada-Umtauschangebot erfolgreichere Variante erwiesen haben.

Gegen die Wand mit Ansage? Für Experten kam der Insolvenzantrag von Escada wenig überraschend
Einseitig vom Emittenten unterbreitete Angebote sind deutlich seltener erfolgreich als Angebote, die von vorneherein mit einer Gruppe von Großgläubigern verhandelt worden sind und von ihnen in der Umsetzung unterstützt werden. Die Zielgröße für die in die Verhandlung schrittweise einzubeziehenden Anleihegläubiger ist die betragsmäßig qualifizierte Mehrheit der Stimmen in der Versammlung der Anleihegläubiger, also ein Anteil von 50 bis 75 Prozent des Anleihevolumens. Kann der Emittent bei der Veröffentlichung des Umtauschangebotes eine derart breite Unterstützung signalisieren, führt dies nicht zuletzt aufgrund der Glaubwürdigkeit gegebenenfalls kommunizierter Alternativpläne von vorneherein zu geringerer Spekulation auf einen Holdout-Gewinn.

Der Emittent sollte dafür zunächst die Etablierung eines inoffiziellen Ausschusses der Anleihegläubiger unterstützen, indem er internationalen Gepflogenheiten folgend dem Ausschuss die finanziellen Mittel zur Ernennung eines eigenen rechtlichen Beraters und einer Investmentbank zur Verfügung stellt. So werden die Kosten wirtschaftlich gleichmäßig auf die Schultern der Gläubiger verteilt und fallen nicht ausschließlich den die Gespräche führenden Gläubigern zur Last.

Hinzu kommt, daß auf Notwendigkeiten institutioneller Anleger gerade im Hinblick auf börsennotierte Anleihen Rücksicht genommen werden muss. Hier sind Regelungen zu treffen, die restrukturierungswillige Anleihegläubiger nicht über Monate vom Handel in den Papieren ausschließen, weil andernfalls eine engagierte Mitarbeit der Gläubiger nicht zu erreichen ist. Nachdem die Grundprinzipien des Konzeptes verhandelt sind, kann eine Einbeziehung weiterer Gläubiger erfolgen, wobei eine Veröffentlichung des Angebotes erst erfolgen sollte, wenn es eine Einigung mit einer hinreichend großen Gruppe von Anleihegläubigern gibt.

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