Montag, 27. Januar 2020

Bankenkrise Furcht vor der fatalen zweiten Welle

Weil mehr und mehr Unternehmen die Kraft ausgeht, bis zum erwarteten Aufschwung durchzuhalten, warnen Experten vor einer Pleitewelle in Deutschlands Wirtschaft - und darauf folgend der nächsten Stufe der Bankenkrise. Geplatzte Kredite für insolvente Unternehmen könnten die hiesigen Geldhäuser erneut in die Bredouille bringen.

Hamburg - Deutschlands Unternehmen stehen unter Druck. In der tiefen Rezession wurden Finanzpolster vielfach aufgebraucht. Wer jetzt keine Anschlussaufträge ergattert, gerät schnell in Existenznot - und die Konjunkturwende kommt zu spät; zuletzt hatte das Statistische Bundesamt immerhin ein Plus der hiesigen Wirtschaftsleistung im Monatsvergleich ermittelt. Jetzt warnen Wirtschaftsexperten auch noch vor schwerwiegenden Folgen der Pleitewelle für die Scharnierstelle der deutschen Wirtschaft: die krisengeschüttelten Banken.

Weitere Belastungen: Experten fürchten neue Runde der Bankenkrise
"Die Krise der Mittelständler, die sich bei den Banken Kredite geliehen haben, schlägt jetzt vor allem auf die Sparkassen und Volksbanken durch", sagte Rudolf Hickel vom Bremer Institut Arbeit und Wirtschaft der "Bild"-Zeitung. Auch Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise warnt davor, die weiteren Folgen der Firmeninsolvenzen für die Kreditinstitute zu unterschätzen. "Die Belastung durch Insolvenzen und Kreditausfälle wird in einer zweiten Welle kommen."

Tatsächlich geraten die hiesigen Mittelständler zunehmend in Schwierigkeiten. So hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young mit einer Befragung unter 700 mittelgroßen deutschen Unternehmen ermittelt, dass die Krise noch vergleichsweise lange zu spüren sein wird. Und dass ein Siebtel der 700 Befragten befürchtet, dass ihre Firma die Krise nur noch ein halbes Jahr überleben wird. "Es kann sein, dass wir eine Insolvenzwelle auf uns zukommen sehen, wenn sich die Situation nicht deutlich entspannt", kommentierte dann auch Ernst&Young-Partner Peter Englisch das Ergebnis der Befragung.

Die schärfste Rezession der Nachkriegsgeschichte hat die Zahl der Firmenpleiten dann auch schon in den Vormonaten peu à peu steigen lassen. Im Mai wurden von den Amtsgerichten deutschlandweit 2663 Unternehmensinsolvenzen gemeldet. Das waren 14,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. "Die große Insolvenzwelle beginnt gerade", kommentierte dann auch Siegfried Beck den Zwischenstand, Vorsitzender des Verbands der Insolvenzverwalter Deutschlands. "Wir befinden uns derzeit noch in der Abwärtsspirale, die dadurch befeuert wird, dass Insolvenzen Folgeinsolvenzen nach sich ziehen", sagte Beck.

Bundesbank-Präsident Axel Weber warnt dann auch ebenfalls vor den Folgen nicht nur für die direkt betroffenen Unternehmen und deren Beschäftigte. " Die tiefe Rezession stellt die Banken vor harte Herausforderungen", sagte Weber der "Süddeutschen Zeitung". "Die erste Runde von Verwerfungen in den Bankbilanzen durch strukturierte Finanzprodukte liegt hinter uns. Jetzt drohen Belastungen vom inländischen Kreditgeschäft, etwa durch eine Zunahme der Insolvenzen von Firmen und Privatleuten", sagte der Bundesbankpräsident.

Um die Beschäftigten sorgen sich Experten vor allem aufgrund der Arbeitsmarktentwicklung. Zwar gehen immer mehr Experten davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen nicht so stark steigen wird, wie noch vor Wochen befürchtet. Das Münchener Ifo-Wirtschaftsforschungsinstitut beispielsweise erwartet weniger als 4,5 Millionen Erwerbslose in diesem Jahr. Doch die noch immer befürchtete deutliche Zunahme zu den aktuell etwa 3,5 Millionen Jobsuchern scheint sich gerade jetzt zu beschleunigen.

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