Sonntag, 15. Dezember 2019

Abwrackprämie Nur die Händler jubeln

Die Abwrackprämie hat im deutschen Autohandel in den ersten fünf Monaten des Jahres für steigende Umsätze gesorgt. Dies bewahrte die deutschen Autohersteller nicht vor einem Umsatzeinbruch: Hier gingen die Erlöse um rund ein Drittel zurück. Und die Aussicht für 2010 ist nicht rosig.

Wiesbaden - Die Erlöse der deutschen Autohändler aus dem Verkauf von im Inland und im Ausland produzierten Pkw stiegen in den ersten fünf Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Doch die stärkeren Verkäufe im Inland konnten die deutsche Autoindustrie nicht vor einem Umsatzeinbruch bewahren.

Autoindustrie: Trotz staatlicher Verkaufsanreize leidet die Branche noch immer unter Überkapazitäten
Die deutschen Autohersteller und die Zulieferindustrie haben hingegen trotz der Abwrackprämie in den ersten fünf Monaten einen deutlichen Umsatzeinbruch verzeichnet. Die Erlöse seien auf Jahressicht um 32,5 Prozent auf knapp 100 Millionen Euro gesunken.

Laut Statistik gingen die Exporte von Pkw um rund 38 Prozent auf 1,2 Millionen Fahrzeuge zurück, während der Import sich um 11,5 Prozent auf rund 950.000 Pkw erhöhte. Auch die Werkstätten hätten weniger Umsatz verzeichnet. Bei ihnen seien die Erlöse um 3,8 Prozent zurückgegangen.

Abwrackprämie bis Mitte September ausgeschöpft

Der Bund zahlt seit Jahresbeginn beim Kauf eines Neuwagens bei gleichzeitiger Verschrottung eines mindestens neun Jahre alten Wagens eine Umweltprämie von 2500 Euro. Bislang wurden rund 1,8 Millionen Anträge gestellt.

Da der Fördertopf von fünf Milliarden Euro für zwei Millionen Anträge reicht, rechnen Experten damit, dass die Gelder bis Mitte September ausgeschöpft sind. Experten raten Autofahrern daher, den Antrag auf den Verschrottungsbonus bis Monatsende zu stellen, wie die "Bild"-Zeitung (Montagausgabe) berichtete.

Dudenhöffer: "Eine Million weniger Autos im Jahr 2010"

Dem deutschen Automarkt steht im kommenden Jahr nach Experten-Einschätzung ein noch schlimmerer Absturz als bisher erwartet bevor. 2010 dürfte eine Million weniger Autos als in diesem Jahr verkauft werden, ergab eine Studie des CAR-Centers von Ferdinand Dudenhöffer an der Uni Duisburg-Essen und der Unternehmensberatung Struktur Management Partner. In Deutschland würden damit nur noch 2,7 Millionen Autos verkauft. Im Vergleich zum Jahr 2008 wäre das ein Rückgang von mehr als 12 Prozent.

Auch auf die Auslandsmärkte sollten sich die deutschen Autobauer im kommenden Jahr keine großen Hoffnungen setzen, warnte Dudenhöffer. "Stabile Wachstumsmuster liegen derzeit nur in China vor und China steht für 13 Prozent der weltweit verkauften Autos." Zudem hätten die Abwrackprämien in Deutschland und anderen Ländern die Verbraucher an niedrigere Autopreise gewöhnt.

Schwer unter Druck bleiben der Studie zufolge vor allem die mittelständischen Autozulieferer. Eine Befragung von 22 Banken mit Auto-Schwerpunkt habe ergeben, dass die Kreditinstitute fast jeden vierten mittelständischen Zulieferer (23 Prozent) für akut insolvenzgefährdet halten. 44 Prozent würden als "gefährdet, aber rettbar" eingestuft und nur ein Drittel als nicht gefährdet.

manager-magazin.de mit material von dpa und ap

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