Neuer Investor Katar steigt bei Porsche und VW ein

Das Emirat Katar steigt beim Sportwagenhersteller Porsche ein und übernimmt neben 10 Prozent der Porsche-Stammaktien auch einen Großteil der VW-Optionen. Porsche erhöht damit seine freie Liquidität um rund eine Milliarde Euro. Die VW-Aktie, die zeitweise um 25 Prozent eingebrochen war, kann ihre Verluste zuletzt etwas verringern.

Stuttgart - Das Emirat Katar hat Porsche eine milliardenschwere Last von den Schultern genommen und wird neuer Großaktionär. Die Araber übernehmen Optionen auf VW-Stammaktien und kaufen den Familienaktionären 10 Prozent ihrer Porsche-Stammaktien ab, wie der Stuttgarter Autokonzern am Freitag mitteilte.

Am gesamten Porsche-Kapital wird Katar damit fünf Prozent halten. Zudem will das Emirat dem hochverschuldeten Sportwagenbauer auch einen Kredit gewähren: Teil des Katar-Engagements sei die bindende Zusage, sich mit bis zu 265 Millionen Euro an dem bestehenden - von 16 Banken zur Verfügung gestellten - Konsortialkredit zu beteiligen.

Mit dem noch von ausgeschiedenen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking eingefädelten Geschäft bekommt Porsche Barmittel von mehr als einer Milliarde Euro frei, die bisher bei den Banken als Sicherheit für die komplexen Optionsgeschäfte hinterlegt sind. "Das verbessert nicht nur die Liquiditätssituation von Porsche, sondern ist auch ein wichtiger Schritt auf dem vorgezeichneten Weg zum integrierten Automobilkonzern mit Volkswagen", sagte Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche.

Katar wird drittgrößter VW-Eigner

Erst am Donnerstag hatte Porsche mit VW vereinbart, dass der Sportwagenbauer spätestens 2011 unter das Wolfsburger Konzerndach schlüpft.

Erstmals dulden die Erben des Firmengründers damit einen familienfremden Miteigner am Stammkapital. Katar wird über die Ausübung der VW-Option zugleich neben den Familien Porsche und Piech sowie dem Land Niedersachsen drittgrößter VW-Eigner.

Katar übernehme Optionen in Höhe von rund 17 Prozent der Stimmrechte an VW, verlautete aus dem Porsche-Umfeld. Porsche hatte in den vergangenen Jahren milliardenschwere Buchgewinne mit den Aktienoptionen erzielt, die dem Sportwagenbauer einen preisgünstigen Weg zur Übernahme der Macht in Wolfsburg sichern sollten. Im Zuge der Finanzkrise wendete sich jedoch das Blatt und letztlich zwang die teils kreditfinanzierte Übernahme von VW-Aktien Porsche in die Knie.

VW-Aktien stürzen ab

VW-Aktien stürzen ab

Am Aktienmarkt schossen die Porsche-Aktien am Freitag um fast neun Prozent auf 48,50 Euro in die Höhe, da Analysten die geplante Verschmelzung mit VW lobten.

Für die VW-Stammaktien, die seit Monaten von Übernahmespekulationen in die Höhe getrieben worden waren, ging es hingegen steil abwärts: Die Stammaktie von Volkswagen , die auf Grund der angekündigten Kapitalerhöhung und der vergleichsweise hohen Bewertung von Porsche im integrierten Konzern am Freitag zeitweise um 27 Prozent abgestürztwar, konnte ihre Verluste zuletzt auf rund 18 Prozent reduzieren.

VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch hatte zuvor angekündigt, dass VW die Auto-Vertriebsgesellschaft der Familien Porsche und Piech mit Sitz in Salzburg voraussichtlich 2011 übernehmen werde. Zuvor werde alles verkauft, was nicht zum Autohandelsgeschäft gehöre, sagte Pötsch. Die Salzburger Vertriebsfirma hält 2,37 Prozent der VW-Stämme.

VW-Werker in Wolfsburg feiern - Jagd auf Toyota

In Wolfsburg hatte VW-Vorstandschef Martin Winterkorn mit gut 20.000 Beschäftigten nach fast vierjähriger Abwehrschlacht den Sieg über Porsche gefeiert. VW werde nun mit Porsche als zehnter Marke den weltgrößten Autobauer Toyota vom Sockel stoßen, kündigte er an. "Der Konzern hat das Zeug dazu, die Nummer Eins zu werden", sagte der künftig auch an der Porsche-Spitze stehende Manager.

Auf einer Betriebsversammlung rief Betriebsratschef Bernd Osterloh den Mitarbeitern zu: "Wir haben gemeinsam verhindert, dass wir nach Heuschrecken-Art geschluckt und zerschlagen werden." Porsche war mit seinem ehrgeizigen seinen Plan zur Beherrschung von Volkswagen auch am VW-Gesetz gescheitert. Die darin festgeschriebenen Sonderrechte Niedersachsens und der Beschäftigten sollen nun in der Satzung verankert werden.

VW wird Porsche häppchenweise schlucken. Finanzchef Hans Dieter Pötsch sagte, im kommenden Jahr werde VW das Vorzugskapital um vier Milliarden Euro erhöhen. Damit wird der Kauf von zunächst 42 Prozent von Porsche refinanziert, der noch dieses Jahr über die Bühne gehen soll. Durch das Zusammengehen ergäben sich Synergiepotenziale von rund drei Milliarden Euro. Um ihre Jobs müssten sich die insgesamt 375.000 Mitarbeiter bei VW und Porsche aber nicht sorgen.

manager-magazin.de mit Material von ddp und reuters

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