Beschluss Verschmelzung von Porsche und VW perfekt

Die Vereinigung von VW und Porsche zu einem gemeinsamen Autokonzern ist endgültig beschlossene Sache: Die Aufsichtsräte beider Konzerne stimmten einer entsprechenden Vereinbarung zu. VW wird zunächst mit 42 Prozent bei dem Sportwagenbauer einsteigen. Dem Kauf wird ein Porsche-Wert von 12,4 Milliarden Euro zugrunde gelegt.

Wolfsburg/Stuttgart - Volkswagen  und Porsche  starten gemeinsam in eine neue Ära. Nach VW stimmte auch Porsche am Donnerstagabend der entsprechenden Grundlagenvereinbarung zu. Im Laufe des Jahres 2011 sollen die beiden Autobauer miteinander verschmelzen.

VW-Chef Martin Winterkorn übernimmt zum 15. September den Vorstandsvorsitz der Porsche Holding. Winterkorn bezeichnete Porsche als "ideale Bereicherung" für den VW-Konzern. VW und Porsche starteten gemeinsam in eine "neue vielversprechende Ära". VW habe alle Chancen, die Nummer eins in der Welt zu werden. Die Porsche AG bleibe eine eigenständige Gesellschaft mit Sitz in Stuttgart-Zuffenhausen, die Standorte und Arbeitsplätze bei Porsche seien sicher.

VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch soll sich künftig auch bei der Porsche SE auf Vorstandsebene um die Finanzen kümmern. Der neue Porsche-AG-Chef Michael Macht wird im Gegenzug in die Konzernleitung der Volkswagen AG berufen und soll dort die Marke Porsche vertreten.

Sitz des integrierten Automobilkonzerns soll Wolfsburg sein. Mit dem kleinen, aber ertragsstarken Sportwagenbauer als zehnte Marke im Konzern will VW bei der Jagd auf den weltgrößten Autobauer Toyota Gas geben.

VW wird zunächst mit 42 Prozent beim Porsche-Automobilgeschäft (Porsche AG) einsteigen. Dies wird im Rahmen einer Kapitalerhöhung geschehen mit einem Gesamterlös von voraussichtlich bis zu 3,3 Milliarden Euro, teilte Porsche mit. Grundlage sei ein Unternehmenswert der Porsche AG von 12,4 Milliarden Euro. Außerdem soll das österreichische Autohandelsgeschäft, die Porsche Gesellschaft m.b.H. Salzburg, an VW verkauft werden. Wie viel Geld dabei fließen soll, wurde zunächst nicht bekannt.

Im ersten Halbjahr 2010 soll es bei VW eine Kapitalerhöhung geben, ein Jahr später dann auch bei der Porsche SE. Im Laufe des Jahres 2011 wird eine Verschmelzung der Volkswagen AG mit der Dachgesellschaft Porsche Automobil Holding SE angestrebt, die mit knapp unter 51 Prozent der Anteile noch immer die Mehrheit an VW hält. Die Verhandlungen mit dem Emirat Katar über einen Einstieg bei VW und Porsche sollen fortgesetzt werden.

"Alle ziehen jetzt an einem Strang"

Der bisherige Porsche-Chef Macht betonte, der Sportwagenbauer brauche auch in Zukunft einen eigenständigen Markenauftritt. VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch sagte, die Ertragskraft des Konzerns werde durch Porsche deutlich gestärkt. VW zahle für seine Beteiligung an der Porsche AG einen fairen Preis. "Alle ziehen jetzt an einem Strang." Es gebe nur Gewinner.

Dazu zählt auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). Die 20-prozentige Sperrminorität bei wichtigen Entscheidungen in der Hauptversammlung soll dauerhaft erhalten bleiben. Dies sichert dem Land Niedersachsen, das knapp über 20 Prozent an VW hält, weiter eine starke Stellung bei dem Autobauer. Die zwei Entsenderechte im VW-Aufsichtsrat für das Land sollen dauerhaft in der VW-Satzung verankert werden. Entsprechende Beschlüsse sollten bereits auf der nächsten VW- Hauptversammlung gefasst werden, hieß es.

Wulff nannte die Vereinbarung für einen integrierten Automobilkonzern "historisch". Dadurch würden die Arbeitsplätze bei beiden Unternehmen gestärkt. Es werde "der größte Automobilkonzern der Welt" entstehen. Wichtig für Niedersachsen sei, dass die lange Jahre umstrittenen Fragen der beiden Aufsichtsratsmandate für das Land und die Sperrminorität von 20 Prozent nun "streitfrei gestellt" würden.

Wulff betonte, dass man von Anfang an die Familien Porsche und Piëch als Mehrheitsaktionäre haben wollte. Man freue sich nun nach allen Konflikten der Vergangenheit auf die Partnerschaft. Die entscheidenden Aktionäre seien die Familien Porsche und Piëch, das Land Niedersachsen und vermutlich Katar.

IG Metall-Chef Berthold Huber sagte, er sei optimistisch, dass ein Einstieg in eine Kapitalbeteiligung der Arbeitnehmer bei VW erreicht werden könne. Die Gespräche darüber sollten in den nächsten Tagen aufgenommen werden. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte, die Arbeitnehmerrechte seien deutlich gestärkt. Die Mitbestimmung sei ein zentraler Erfolgsfaktor. Osterloh wies darauf hin, man habe mit den Unternehmen vereinbart, dass die Schaffung eines integrierten Automobilkonzerns eine Beschäftigungssicherung für die Arbeitnehmer beider Unternehmen beinhalte.

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück betonte: "Nach der festen Überzeugung von Vorständen und Betriebsräten ergeben sich aus einer verstärkten Zusammenarbeit große Chancen. Das macht auch die Arbeitsplätze noch sicherer."

Der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein Finanzchef Holger Härter hatten sich bei der geplanten Übernahme von VW massiv verzockt und mindestens zehn Milliarden Euro Schulden angehäuft. Beide hatten vor drei Wochen als Konsequenz daraus ihren Hut genommen. Der grundlegenden Einigung war eine nervenaufreibende und schmutzige Übernahmeschlacht vorausgegangen. Als Sieger ging daraus vor allem VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hervor.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ddp und reuters

Chronologie: Das Zusammenrücken von Porsche und VW

Mehr lesen über Verwandte Artikel