Krisenticker Bankentitel belasten Wall Street

Der Rettungsplan für Escada ist gescheitert, der Modekonzern will noch in dieser Woche Insolvenz anmelden. Trotz kräftigen Wachstums sind die Netto-Reallöhne in Deutschland 2004 bis 2008 gesunken. Schlechte US-Konjunkturdaten sowie schwache Bankentitel drücken Dax und Dow ins Minus. Verfolgen Sie den Krisenticker auf manager-magazin.de.

22.05 Uhr: Rückschlag nach der Rally: Kursverluste im Bankensektor lassen den Dow Jones  1 Prozent tiefer schließen. Der Index geht bei 9241 Zählern aus dem Handel. Der Nasdaq Composite  verliert 1,1 Prozent an Wert.

Aktien der Bank of America  waren mit minus 5 Prozent auf 15,85 US-Dollar schwächste Titel im Leitindex. Anteile von JPMorgan verbilligten sich um 3,40 Prozent auf 41,24 Dollar und abseits des Dow Jones rutschten Citigroup-Papiere um 6,3 Prozent ab. Richard Bove, Analyst bei Rochdale Securities, konstatierte, dass sich die Fundamentaldaten im Sektor bislang noch nicht verbessert hätten. Er erwartet einen Kursrücksetzer, da sich die Gewinne weder im dritten noch im vierten Quartal verbessern dürften.

21.46 Uhr: Die Rettung des Luxusmode-Herstellers Escada ist gescheitert. Nur 46 Prozent der Anleihe-Gläubiger hätten das Umtauschangebot des Münchner Konzerns angenommen, teilte Escada am Dienstagabend mit. Damit steht die Pleite des Unternehmens unmittelbar bevor.

Die Gläubiger der 200 Millionen Euro schweren Unternehmensanleihe sollten auf 60 Prozent ihres eingesetzten Geldes verzichten, um einen Beitrag zur Entschuldung des börsennotierten Unternehmens zu leisten. Das Angebot war eine Annahmequote von mindestens 80 Prozent gekoppelt. Der Vorstand werde nun noch in dieser Woche wegen der drohenden Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht München stellen. Am Mittwoch tagt der Aufsichtsrat.

Der Vorstand des Modekonzerns Escada  beabsichtigt, noch in dieser Woche einen Insolvenzantrag wegen unmittelbar drohender Zahlungsfähigkeit zu stellen. Dies teilte Escada am Abend in einer ad hoc Mitteilung mit. Der Hintergrund: Das Ziel, die Gläubiger zu einer Umwandlung ihrer Forderungen zu bewegen, sei verfehlt worden.

Die Annahmequote habe statt der geforderten Mindesgrenze von 80 Prozent nur 46 Prozent erreicht. Als Folge werde auch die geplante Bezugsrechtskapitalerhöhung in Höhe von 29 Millionen Euro nicht vollzogen. Aus dem gleichen Grund sei auch die Zusage für die Verlängerung einer Avalkreditlinie im Volumen von 13 Millionen Euro hinfällig.

21.20 Uhr: Trotz hoffnungsvoller Konjunkturdaten erwarten die USA keine zügige Erholung der weltweiten Ölnachfrage. Nach zwei Monaten mit Prognosesteigerungen senkte die US-Energiebehörde ihren Ausblick aufs Gesamtjahr am Dienstag überraschend. Sie erwartet nun eine Nachfrage von durchschnittlich 83,76 Millionen Barrel pro Tag (bpd). Analysten hatten dagegen mit einer dritten Anhebung in Folge gerechnet.

20.30 Uhr: Die Fondsgesellschaft Atticus wird zwei seiner drei Hedgefonds schließen und den Aktionären drei Milliarden Dollar zurückgeben. Für diesen Schritt gebe es ausschließlich persönliche Gründe, teilte Atticus-Chef Timothy Barakett Investoren in einem Schreiben mit. Er denke, dass das Portfolio bis zum 30. September aufgelöst werde. Der europäische Fonds von Atticus im Wert von 1,2 Milliarden Dollar werde weiterbetrieben.

19.30 Uhr: Trotz kräftigen Wachstums sind die Netto-Reallöhne in Deutschland von 2004 bis 2008 gesunken. Die Entwicklung sei einmalig in der Geschichte der Bundesrepublik, teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Dienstag in Berlin mit. Der zurückliegende Aufschwung sei bei den Lohnbeziehern nicht angekommen, obwohl diese heute im Durchschnitt sogar besser qualifiziert seien, schreibt DIW-Experte Karl Brenke im am Mittwoch erscheinenden Wochenbericht des Instituts. Der Netto-Reallohn ergibt sich durch Abzug der Sozialbeiträge und Steuern vom Brutto unter Berücksichtigung der Preissteigerung.

18.05 Uhr: Die Notierungen für Rohöl haben am Dienstag etwas nachgegeben. Bewegung in die Preise brachten Daten, dass China seine Rohölimporte im Juli auf 19,63 Millionen Tonnen gesteigert habe. Der festere Kurs des US-Dollars stand jedoch Preissteigerungen entgegen.

17.40 Uhr: Der Dax (Kurswerte anzeigen) beendet den Xetra-Handel bei 5285 Punkten - ein Minus von 2,4 Prozent.

16.40 Uhr: Der Dax (Kurswerte anzeigen) verliert weiter kräftig und notiert mit rund 2,5 Prozent im Minus.

16.15 Uhr: Der Dax (Kurswerte anzeigen) rutsch nach den Daten zu den US-Lagerbeständen noch stärker ins Minus.

16.10 Uhr: In den USA sind die Lagerbestände im Großhandel im Juni stärker als erwartet gefallen. Die Bestände seien zum Vormonat um 1,7 Prozent zurückgegangen, teilte das Handelsministerium am Dienstag in Washington mit. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Rückgang um 0,9 Prozent gerechnet. Im Vormonat waren die Bestände um 1,2 Prozent gefallen.

15.35 Uhr: An der Wall Street starten die wichtigsten Indizes im Minus. Dow Jones  und Nasdaq Composite  gaben zum Auftakt jeweils um 0,4 Prozent nach. Die jüngsten US-Konjunkturdaten waren verhalten aufgenommen worden.

15.15 Uhr: Der Dax  baut seine Verluste deutlich aus und nähert sich der Marke von 5300 Zählern. An der Wall Street dürften die Indizes mit Verlusten eröffnen.

14.30 Uhr: Die Entlassungswelle in der US-Wirtschaft hat die Produktivität im zweiten Quartal sprunghaft in die Höhe getrieben. Die Firmen senkten die Zahl der Arbeitsstunden deutlich stärker als die Produktion. Dadurch nahm die Produktivität der Firmen nach vorläufigen Berechnungen vom Dienstag auf das Jahr hochgerechnet um 6,4 Prozent zu, das ist der stärkste Anstieg seit dem dritten Quartal 2004.

Im ersten Quartal war die Produktivität - der Ausstoß je Arbeitsstunde - noch um lediglich 0,3 Prozent gestiegen. Zugleich sanken die Lohnstückkosten um 5,8 Prozent und damit so stark wie seit neun Jahren nicht mehr.

13.30 Uhr: Bei der Lufthansa  sind die Passagierzahlen im Juli gestiegen. Die Zahl der Fluggäste bei Lufthansa, Lufthansa Regional und Swiss sei im Vergleich zum Vorjahr um 12,1 Prozent auf 7,206 Millionen gestiegen, teilte der Daxkonzern am Dienstag in Frankfurt mit. Die Sitzauslastung verbesserte sich um 0,4 Prozentpunkte auf 83,1 Prozent.

Die Verkehrszahlen seien beeinflusst worden durch die Auswirkungen der Streikaktivitäten im Vorjahr, eine saisonbedingt leicht höhere Nachfrage und die erstmalige Konsolidierung der Verkehrszahlen von British Midland (bmi). Ohne Swiss und bmi verbuchte die Lufthansa einen Passagieranstieg um 0,3 Prozent auf 5,187 Millionen Fluggäste. Das Frachtaufkommen sank auf Konzernebene um 9,8 Prozent auf rund 752.000 Tonnen. Lufthansa Cargo kam bei der Fracht auf ein Minus von 4,8 Prozent auf 135.000 Tonnen, die Auslastung verschlechterte sich um 0,1 Prozentpunkte auf 65,1 Prozent.

12.44 Uhr: Der Bank of America  droht in der Affäre um Milliarden-Boni für Manager der übernommenen Investmentbank Merrill Lynch neuer Ärger. Eigentlich sollte ein millionenschwerer Vergleich mit der US-Börsenaufsicht SEC für Ruhe sorgen. Der zuständige Richter verweigert aber vorerst seinen Segen und fordert mehr Auskünfte. Der Finanzkonzern hatte nach Ansicht der SEC seine Aktionäre im Zuge der 5,8 Milliarden Dollar schweren Bonuszahlungen in die Irre geführt. Die Bank will zur Beilegung des Streits 33 Millionen Dollar (23 Mio Euro) zahlen, ohne damit aber eine Schuld einzugestehen. Dem vergangene Woche vereinbarten Vergleich scheine es an "Transparenz" zu fehlen, bemängelte der Richter am Montag in New York. Er habe "anhaltende Zweifel", zitierten ihn US-Medien. Beide Parteien haben nun bis 24. August Zeit, Informationen nachzureichen. Bis 9. September müssen sie dazu dann gegenseitig Stellung nehmen.

Die Sorgen des Mittelstands

10.50 Uhr: Jeder siebte Mittelständler sieht sich bei anhaltender Wirtschaftsflaute in seiner Existenz bedroht. Bei 15 Prozent der Betriebe würde eine sechsmonatige Fortdauer der Krise existenzielle Probleme nach sich ziehen, hieß es in einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young unter 700 Firmen. "Die Unternehmen stemmen sich mit drastischen Kostensenkungen, Kurzarbeit und häufig sogar mit Einsatz ihres Privatvermögens gegen die Krise", sagte Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young. "Aber die Zeit wird knapp: Bei immer mehr Mittelständlern droht bald das Geld auszugehen."

Derzeit rechnet nur jedes vierte Unternehmen damit, dass die Krise im kommenden Jahr vollständig überwunden sein wird. Im Januar waren die Befragten noch davon ausgegangen, dass die Krise bis Herbst 2010 ausgestanden sein würde. Nun erwarten sie die vollständige Erholung der Wirtschaft erst für den Juni 2011. Fast jeder dritte Mittelständler hofft aber auch, eher gestärkt als geschwächt aus der Rezession hervorzugehen. Viele Unternehmen hätten ihre Hausaufgaben gemacht und seien auch international gut aufgestellt. "Sie gehen in diesem Jahr durch ein Tal der Tränen", sagte Englisch. "Wer aber diese Krise überlebt, hat alle Chancen, anschließend daraus gestärkt hervorzugehen."

9.24 Uhr: Ein Kongressausschuss hat das US-Finanzministerium aufgefordert, eine Ausweitung der Hilfsprogramme gegen faule Kredite in den Bankenbilanzen in Erwägung zu ziehen. Dies könne nötig werden, wenn die gegenwärtigen Konjunkturhilfen nicht ausreichten oder die Wirtschaftslage sich wieder verschlechtere, erklärte der Aufsichtsausschuss am Dienstag in Washington. Faule Kredite und giftige Wertpapiere stellten trotz der verbesserten Marktbedingungen weiter ein Risiko für das Finanzsystem dar. Vor allem kleinere Banken, die unter steigenden Hypothekenausfällen bei Gewerbeimmobilien litten, seien bedroht, hieß es in dem Monatsbericht des Ausschusses.

9.09 Uhr: Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im Juli nicht ganz so stark gesunken wie zunächst geschätzt. Die jährliche Inflationsrate habe bei minus 0,5 Prozent gelegen, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit und revidierte damit vorläufige Daten leicht nach oben. In der ersten Schätzung waren die Statistiker auf einen Rückgang von 0,6 Prozent gekommen. Es war das erste Mal seit 1987, dass die Verbraucherpreise in Deutschland gesunken waren. Auf Monatssicht ergab sich im Juli ein stabiles Preisniveau. Auch hier wurde die Erstschätzung von minus 0,1 Prozent leicht nach oben revidiert.

Baugewerbe wartet vergeblich auf Geld aus Konjunkturpaket

7.20 Uhr: Die japanische Notenbank hat den Leitzins wie erwartet unverändert bei 0,1 Prozent belassen. Dies entschieden die Notenbanker am Dienstag einstimmig. Die Bank von Japan bekräftigte zudem ihre Einschätzung, dass die Talfahrt der japanischen Wirtschaft gestoppt und infolge eines deutlichen Anstiegs der Industrieproduktion eine Erholung zu erwarten sei. Im monatlichen Bericht der japanischen Regierung hieß es, Wirtschaft und Konsumausgaben wiesen Anzeichen einer Erholung auf. Die Lage bleibe jedoch schwierig und der Arbeitsmarkt verschlechtere sich weiterhin. Einer Reuters-Umfrage zufolge ist Japans Wirtschaft nach vier rückläufigen Quartalen in Folge von April bis Juni um 1,0 Prozent gewachsen.

7.10 Uhr: Das deutsche Baugewerbe befürchtet, dass das Konjunkturpakets II in diesem Jahr kaum zu einer Belebung des Branchengeschäfts beitragen wird. Maximal 20 Prozent der 10 Milliarden Euro, die den Kommunen für öffentliche Investitionen in Infrastruktur und Bildung durch den Bund zur Verfügung gestellt werden, würden in diesem Jahr bei den Baufirmen real ankommen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Baugewerbes, Karl Robl, der "Berliner Zeitung". Vorgesehen war, dass bis Ende 2010 die Hälfte der 10 Milliarden Euro ausgegeben werden. "Eine konjunkturstützende Wirkung des Pakets ist derzeit bei uns noch nicht zu erkennen", sagte Robl.

6.50 Uhr: Nach seiner Verstaatlichung will sich der krisengeschüttelte Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) durch die Auslagerung von Problemengagements gesundschrumpfen. Das Institut müsse letztlich wieder alleine überlebensfähig sein, sagte Vorstandschef Axel Wieandt dem "Handelsblatt" (Dienstagausgabe). Zunächst wolle die HRE in den kommenden Monaten mit dem Rettungsfonds SoFFin zu einer Grundsatzvereinbarung über die Auslagerung von Problemkrediten und nicht-strategischem Geschäft in eine sogenannte Bad Bank kommen. Es könnten Vermögenswerte in einem dreistelligen Milliardenbetrag übertragen werden.

6:45 Uhr: Das US-Finanzinstitut State Street  fürchtet im Rahmen von staatlichen Ermittlungen höhere Strafen als bisher angenommen. US-Behörden untersuchen derzeit, ob das Unternehmen Anlegern verschwiegen hat, dass manche seiner Fonds stark in riskante "Subprime"-Kredite investiert hatte. Für mögliche Strafzahlungen im Rahmen der Ermittlung hatte der Konzern vor zwei Jahren 625 Millionen Dollar zurückgestellt. Am Montag erklärte State Street, diese Rückstellungen würden möglicherweise nicht ausreichen. Die Aktie von State-Street schloss 2,4 Prozent schwächer.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtagenturen

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