Dienstag, 2. Juni 2020

Australien China hat Rohstoffe weiterhin im Visier

Trotz der Spionageaffäre um Rio Tinto scheint Chinas Appetit auf australische Bergbaufirmen unverdorben. Der viertgrößte chinesische Kohlekonzern Yanzhou steht vor einer Übernahme des australischen Rivalen Felix Resources. Die Beziehungen beider Länder sind wegen des Vorwurfs der Wirtschaftsspionage schwer belastet.

Peking - Beide Seiten hätten eine Einigung erzielt, hieß es in Verhandlungskreisen am Montag. Einzelheiten seien noch nicht bekannt. Der geplanten Übernahme im Volumen von bis zu 2,4 Milliarden Euro droht in Australien politischer Widerstand. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind schwer belastet, weil China dem britisch-australischen Bergbauriesen Rio Tinto Börsen-Chart zeigen Wirtschaftsspionage vorwirft und mehrere Mitarbeiter festnahm.

Erzabbau in Australien: Rio Tinto sagte Chinalco ab - und muss nun mit Vorwürfen der Wirtschaftsspionage leben
Den Spekulationen über ein chinesisches Interesse an weiteren australischen Rohstofffirmen taten solche Bedenken keinen Abbruch. Die Aktien von Kohleunternehmen zogen an der Börse in Sydney kräftig an. So verteuerten sich die Papiere von Whitehaven um fast zehn Prozent. Die Titel von Macarthur Coal und von Centennial Coal legten jeweils um mehr als vier Prozent zu. Die Anteilsscheine von Rio Tinto gaben dagegen nach neuen Vorwürfen aus China mehr als drei Prozent nach.

China wirft Rio Tinto vor, über sechs Jahre Wirtschaftsspionage betrieben zu haben. Mitarbeiter hätten sich Zugang zu Staatsgeheimnissen über die Preisverhandlungen für Eisenerz verschafft. Die Nationale Behörde zum Schutz von Staatsgeheimnissen erklärte am Wochenende auf ihrer Internet-Seite, die Daten über den chinesischen Stahlsektor auf beschlagnahmten Rio-Tinto-Computern zeigten den massiven Schaden, der dadurch entstanden sei.

Vorwürfe skeptisch beurteilt

So hätten chinesische Stahlhersteller 700 Milliarden Yuan (etwa 72 Milliarden Euro) mehr für Eisenerz bezahlen müssen. Wie sich die Summe berechnete, wurde nicht mitgeteilt.

Branchenexperten beurteilten die Vorwürfe skeptisch und verwiesen darauf, dass die genannte Summe mehr als doppelt so hoch sei, wie der Eisenerzumsatz von Rio Tinto in den vergangenen sechs Jahren. Der mit Abstand weltgrößte Stahlhersteller China versuche anscheinend die Spionageaffäre zu nutzen, um bei den Lieferanten aus dem Ausland weitere Nachlässe beim Eisenerzpreis durchzusetzen, sagte Analyst Tim Barker von BT Investment Management.

Rio Tinto wollte sich nicht zu den neuen Vorwürfen äußern. Das Australische Außenministerium bezeichnete die Vorwürfe als alt. China müsse den komplexen Fall schnell klären, sagte ein Sprecher.

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