Konjunktur "Das dicke Ende kommt am Arbeitsmarkt"

Die Zahl der Arbeitslosen wird steigen, prognostizieren Wirtschaftsexperten. Denn eben dort käme stets das dicke Ende einer Rezession, so Michael Hüther, der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Doch in der Summe sei die Perspektive weniger düster als befürchtet.

Köln - Wirtschaftsexperten erwarten im kommenden Januar wieder mehr als vier Millionen Arbeitslose in Deutschland. "Das dicke Ende einer Rezession kommt immer am Arbeitsmarkt. Wir werden ansteigende Arbeitslosenzahlen sehen. Aber bisher hat der Arbeitsmarkt besser als erwartet durchgehalten", sagte der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, den "Ruhr Nachrichten".

"Die Kurzarbeit als Brücke scheint zu funktionieren. Auch nach den Sommerferien erwarte ich keine massenhafte Umwandlung von Kurzarbeit in Entlassungen. Wir gehen davon aus, dass die Vier-Millionen-Marke bei der Arbeitslosenzahl in diesem Jahr nicht überschritten wird - allerdings im Januar und Februar 2010. Für das Jahr 2010 gehen wir von einer durchschnittliche Arbeitslosenzahl von 4,3 Millionen aus. Die Fünf-Millionen-Marke wird auch im Winter 2010 nicht erreicht", sagte Hüther. Die Perspektive sei weniger düster als befürchtet.

Den siebenprozentigen Exportzuwachs der deutschen Wirtschaft im Juni nannte Hüther "gigantisch". Und weiter: "Möglicherweise hat es schon im zweiten Quartal eine Überraschung gegeben und das Bruttoinlandsprodukt ist nicht mehr geschrumpft."

Meryll-Lynchs Europa-Chefökonom Holger Schmieding erwartet, dass sich die positive Entwicklung auch im kommenden Jahr fortsetzen wird: Seine Wachstumsprognose für 2010 hob er von 1,2 auf 2,0 Prozent an. UniCredit-Ökonom Andreas Rees revidierte seine Wachstumserwartung für 2010 noch deutlicher nach oben, und zwar um 1,1 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent. "Ein Teil des Wachstums, das wir kriegen, beruht auf Einmaleffekten, aber die Wirkung der Fiskalprogramme könnten länger tragen als gedacht", wurde er zitiert.

Für das laufende dritte Quartal erwartet M.M.-Warburg-Chefökonom Christian Klude einen Wachstumssprung auf 1,25 Prozent, wie er der Zeitung sagte. Aufs Jahr hochgerechnet entspräche dies einer Wachstumsrate von fünf Prozent. Für das kommende Jahr erhöhte der Warburg-Experte seine Prognose von 0,7 auf 1,7 Prozent.

Mahner und Warner

Für voreilig hält der Wirtschaftsweise Peter Bofinger die Erwartung eines ganz schnellen Endes der Wirtschaftskrise. "Für mich ist noch längst nicht ausgemacht, dass wir in naher Zukunft einen weltweiten Aufschwung erleben werden. Ich gehe für das zweite Halbjahr in Deutschland eher von einer Stagnation aus", sagte Bofinger dem "Münchner Merkur". In Deutschland sei der Abwärtstrend zumindest vorerst gestoppt. "Das ist zwar erfreulich, wir müssen aber zur Kenntnis nehmen, dass der Auftragseingang noch immer etwa 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegt. Dass wir uns jetzt über einen Anstieg der Zahlen freuen, zeigt, wie bescheiden wir geworden sind", wurde Bofinger weiter zitiert.

Der Ökonom empfiehlt der Bundesregierung, ihre Konjunkturprognose für 2009 von minus 6 Prozent nicht nach oben zu korrigieren. Nach Ansicht des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers muss die deutsche Wirtschaft mittelfristig noch stärker wachsen als vor der Wirtschaftskrise. "Wir brauchen Wachstum, und zwar größeres, als wir es vor der Krise hatten", sagte der CDU-Politiker der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Experten gingen davon aus, dass ein jährliches Wachstum von drei Prozent notwendig sei, um den Wohlstand zu sichern.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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