Krisenticker "Zeit der Überraschungen vorbei"

Die Zeit der großen Überraschungen sei vorüber - zumindest für die deutsche Bankenbranche. So lautet die Einschätzung des Banken- und Börsenverbandes Frankfurt Main Finance. Die Grünen kritisieren derweil die Abwrackprämie und die Hälfte der fünfzig Häuser der insolventen Warenhauskette Hertie schlossen an diesem Samstag für immer die Türen. Verfolgen Sie den Krisenticker von manager-magazin.de.

14:00 Uhr: Der deutschen Bankenbranche stehen nach Einschätzung des Banken- und Börsenverbandes Frankfurt Main Finance in der Finanzkrise keine schweren Rückschläge mehr bevor. Für Deutschland sei "die Zeit der großen Überraschungen vorüber", sagte Verbandspräsident Lutz Raettig der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Die amerikanischen Banken kommen schneller aus der Krise - aber die Gefahr von Rückschlägen ist größer", fügte der Aufsichtsratschef der deutschen Niederlassung der US-Investmentbank Morgan Stanley hinzu. Die Banken seien nun aber anfälliger für Kreditausfälle in der Rezession, erläuterte Raettig. "Richtig ist, dass die Banken jetzt keinen Speck mehr auf den Rippen haben." Insofern fehlten Puffer für neue Risiken. "Das kann für einige wenige durchaus noch einmal schwierig werden", sagte Raettig. Der Lobbyverband Frankfurt Main Finance vertritt Deutschlands wichtigsten Finanzplatz. Mitglieder sind unter anderem die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Deutsche Börse, das Land Hessen und die Stadt Frankfurt.

12.00 Uhr: Banken sollten nach Ansicht der Ministerpräsidenten Horst Seehofer und Peter Müller keine Staatshilfen in Anspruch nehmen und dann Sonderzahlungen an Mitarbeiter ausschütten. "In der Krise sollte eine altbewährte Grundregel wieder gelten: Wo nichts verdient wird, darf auch nichts verteilt werden", sagte der bayerische Landeschef Seehofer (CSU) dem "Handelsblatt". Der saarländische Ministerpräsident Müller (CDU) sagte, es sei schlichtweg nicht hinnehmbar, wenn Boni gezahlt würden. CSU-Chef Seehofer forderte die Banken am Wochenende auf, sich von Boni-Plänen zu verabschieden. "Wir haben nicht deshalb 500 Milliarden für die Rettung der Banken bereitgestellt, damit jetzt trotz Verlusten und Staatshilfen wieder Boni ausgezahlt werden."

10.20 Uhr: Viele Zulieferer der krisengebeutelten deutschen Werften haben nach Einschätzung des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) Chancen, die Auftragsflaute zu überstehen. "Natürlich wirkt sich die Krise auf die ganze Industrie aus und damit auch auf Lieferanten", sagte VSM-Chef Werner Lundt in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Einen dauerhaften Abwärtssog halte er aber für wenig wahrscheinlich. "Vor allem bei Anbietern, die bei Knowhow und Technologie vorn dabei sind, bin ich durchaus optimistisch." Ein Problem in Mecklenburg-Vorpommern sei allerdings die hohe Abhängigkeit vieler Firmen von einzelnen Abnehmern.

10.00 Uhr: Mit dem thüringischen Technologiekonzern Jenoptik  steht nach "Focus"-Informationen erneut ein prominentes Unternehmen kurz vor einer Bitte um Staatshilfe. Verhandelt werde über einen Antrag auf Hilfe aus dem Deutschlandfonds für notleidende Betriebe, hieß es. Jenoptik wolle eine staatliche Bürgschaft beantragen, um kurzfristige Bankkredite in langfristige umwandeln zu können, berichtete das Magazin und berief sich auf eine Unternehmenssprecherin. Jenoptik war am Sonntag zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Der Optoelektronik-Konzerns hat seinen Hauptsitz in Jena. Neben mehreren großen Standorten in Deutschland ist Jenoptik in knapp 70 Ländern präsent. Die Jenoptik AG wird im TecDax  geführt.

9.00 Uhr: Der ehemalige US-Finanzminister Henry Paulson hat einem Bericht zufolge auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im vergangenen Herbst enge Kontakte zu seinem ehemaligen Arbeitgeber Goldman Sachs  gepflegt. Einem Bericht der "New York Times" vom Sonntag zufolge tauschte sich Paulson, der früher selbst an der Spitze des Konzerns gestanden hatte, deutlich häufiger mit Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein aus als mit Managern anderer Banken. Dies gehe aus den Terminkalendern Paulsons hervor. Eine Sprecherin Paulsons bestätigte die Kontakte. Die US-Regierung hatte am 16. September nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers eingewilligt, den Versicherungsriesen AIG mit 85 Milliarden Dollar zu stützen. Goldman war der Hauptprofiteur dieser Staatshilfen: Die Investmentbank erhielt fast 13 Milliarden Dollar an Vertragszahlungen von AIG, die im Falle eines Zusammenbruchs des Versicherers verloren gewesen wären. Die "New York Times" zitierte zwei hochrangige Regierungsmitarbeiter mit der Aussage, Paulson sei stark in die Entscheidung über die Rettung von AIG eingebunden gewesen. (...) Paulsons Sprecherin Michele Davis bestätigte die Telefonate, betonte jedoch, Paulson habe nicht versucht, speziell Goldman zu helfen. "Zu sagen, dass AIG wegen einer Firma gerettet wurde, ist so lächerlich, wie zu sagen, dass Feuerwehrleute einen Brand in einem Hochhaus gelöscht haben, um einen einzigen von Tausenden Anwesenden in dem Gebäude zu retten", erklärte die Sprecherin in einer Stellungnahme.

8.40 Uhr: Die Hälfte der 50 Häuser der insolventen Warenhauskette Hertie schließt an diesem Samstag für immer die Türen. Die restlichen Kaufhäuser werden in der kommenden Woche geschlossen, bestätigte Hertie-Gesamtbetriebsratschef Bernd Horn am Samstag. Die Finanzkrise, ein ausgeprägtes Missmanagement und viele Altlasten aus der Karstadt-Ära hätten dafür gesorgt, dass es für die Häuser keine Rettung gegeben habe. 2600 Mitarbeiter würden arbeitslos und bekämen keine Abfindungen oder sonstige Ausgleichsleistungen.

8.30 Uhr: Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin hat der SPD vorgeworfen, eine Politik im Widerspruch zu ihrem Wahlkampf-Versprechen einer ökologischen Modernisierung zu machen. So sei die Ankündigung von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier zur Förderung von Elektroautos unglaubwürdig, machte Trittin am Sonntag im Deutschlandfunk deutlich. "Die SPD hat den Markt für Elektroautos gerade kaputt gemacht. Das Instrument, mit dem sie diesen Markt kaputt gemacht hat, lautet Abwrackprämie," sagte Trittin. Das Geld, mit dem Elektromobile gekauft werden könnten, sei nun ausgegeben worden. Trittin fügte hinzu: "Genau so geht ökologische Modernisierung, geht die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Automobilindustrie nicht."

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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