Krisenticker Deutschland rappelt sich auf

Der Wahlkampf beginnt - und die Parteien werfen sich wechselseitig vor, es mangele ihnen an Wirtschaftskompetenz. Mehrere Chefvolkswirte haben derweil ihre Wachstumsprognosen für Deutschland 2010 angehoben. Und die deutschen Autozulieferer die Abwrackprämie. Verfolgen Sie den Krisenticker von manager-magazin.de.

16:30 Uhr: CSU und FDP haben ihren Streit mit neuen Äußerungen weiter angeheizt. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt bezweifelte die Wirtschaftskompetenz der FDP. "Die FDP ist lange genug im Windschatten der Union gesegelt" - nun müsse sie auch mal etwas liefern, sagte er der "Welt am Sonntag". CSU-Chef Horst Seehofer verlangte von den Freidemokraten im Magazin "Der Spiegel" erneut eine klare Absage an eine Ampelkoalition nach der Bundestagswahl: "Es kann nicht sein, dass die FDP je nach Umfragelage nach links oder rechts neigt."

14.40 Uhr: FDP-Chef Guido Westerwelle hat die Bundesregierung aufgefordert, einen Bankengipfel zum Kampf gegen eine drohende Kreditklemme einzuberufen. "Wir haben den Rettungsschirm für die Banken nicht gespannt, um Managern in den Banken das Leben zu erleichtern, sondern um Schaden von der Volkswirtschaft abzuwehren", sagte Westerwelle der "Welt am Sonntag". Die Banken in Deutschland sanierten sich derzeit mit viel Engagement des Staates und teilweise auf Kosten der Unternehmen und damit der Arbeitsplätze. Dies müsse mit politischem Druck verhindert werden.

14.20 Uhr: Die Chefvolkswirte mehrerer Banken haben ihre Wachstumsprognosen für das kommende Jahr in Deutschland angehoben. "Die weltweite Industrieproduktion kommt in Fahrt, und Deutschland wird dabei sein", sagte der Europa-Chefökonom von Merrill Lynch, Holger Schmieding, der "Welt am Sonntag". Er rechne nun für 2010 mit einem Wirtschaftswachstum von zwei Prozent statt der bisher prognostizierten 1,2 Prozent. Dies sei eine Reaktion auf die sehr guten Zahlen zu Auftragseingängen und Exporten.

12.30 Uhr: Die Beschäftigten des insolventen Autobauers Karmann in Osnabrück sind grundsätzlich zu Gesprächen über Lohnkürzungen bereit. Einen entsprechenden Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung" bestätigte der stellvertretende Betriebsratschef, Gerhard Schrader, am Samstag auf ddp-Anfrage. Insolvenzverwalter Ottmar Herrmann hatte am Donnerstag eine Kürzung der Löhne gefordert, um Kosten zu sparen und das Unternehmen wettbewerbsfähig zu machen. Durch die Zustimmung der Mitarbeiter ist der Weg für die IG Metall frei, um mit dem Insolvenzverwalter zu verhandeln. Erste Gespräche solle es in der kommenden Woche geben, sagte Schrader.

11.30 Uhr: Angesichts der sprunghaft gestiegenen Zahl von Firmeninsolvenzen fordert der Vorsitzende der Mittelstands-Union, Hans Michelbach (CSU), einen "Rettungsschirm für den Mittelstand". Deutschland brauche eine Politik, "die den Mittelstand als Motor von Wirtschaft und Arbeitsmarkt stabilisiert und stärkt", sagte er am Samstag in München. "Es kann nicht angehen, dass in der Krise zu den Großen der Bundesadler mit Milliarden im Gepäck kommt, zu den Kleinen aber der Pleitegeier."

11.10 Uhr: Die deutschen Autozulieferer haben die Abwrackprämie mit deutlichen Worten kritisiert. Sie sei zu hoch und werde zu lange gewährt, sagte Stefan Wolf, Mitglied des Beirates der Zulieferer im Verband der Automobilindustrie (VDA), der "Rheinpfalz am Sonntag" laut Vorabmeldung. Die erste Stufe wäre nach seinen Worten völlig ausreichend gewesen, um den Markt anzustoßen. Derartige Kaufanreize sollten nur in dosierter Form gewährt werden. Wolf, der Vorstandsvorsitzender von ElringKlinger  im baden-württembergischen Dettingen ist, nannte es wenig hilfreich, über längere Zeit den Bedarf hochzuhalten. Schon 2010 werde es durch die Vorzieheffekte einen "deutlichen Einbruch" bei den Neuzulassungen geben. Statt der 3,4 Millionen 2009 würden im kommenden Jahr voraussichtlich nur noch 2,6 Millionen Autos neu zugelassen. Wegen der sinkenden Produktion müssten sich die Autozulieferer auf spürbare wirtschaftliche Schwierigkeiten einstellen. Zugleich wies Wolf daraufhin, dass von der Abwrackprämie vor allem ausländische Autokonzerne in Korea, Japan und Italien profitiert hätten.

11.00 Uhr: Nach der CDU-Aktienpleite in Sachsen-Anhalt kritisieren Fraktionsmitglieder ihren Chef Jürgen Scharf und den Geschäftsführer Georg Prick. Beide hätten jahrelang weder den Vorstand noch die Fraktion über die Entwicklung ihres Wertpapiervermögens informiert, berichtet die "Mitteldeutsche Zeitung" in Halle. Vor rund drei Wochen hatte die CDU-Fraktion offen gelegt, dass im Jahr 2008 die Höhe ihres Aktienvermögens von 557.000 Euro um fast ein Fünftel eingebrochen war. Dem Zeitungsbericht zufolge soll noch im August eine Vorstandsklausur einberufen werden. "Wir haben den Fraktionsvorstand aufgefordert, die Ursachen für den Verlust zu suchen und zu prüfen, wie er minimiert oder gar ausgeglichen werden kann", sagte die Rechnungsprüferin der Fraktion, Nicole Rotzsch.

10.00 Uhr: Hessen hat im ersten Halbjahr 21 Prozent weniger Steuern eingenommen als im gleichen Vorjahreszeitraum. Das Finanzministerium in Wiesbaden sprach vom höchsten Rückgang aller Bundesländer. "Hessen sieht sich aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise mit stark sinkenden Steuereinnahmen konfrontiert", sagte Finanzstaatssekretär Thomas Schäfer (CDU). Das gleiche Bild in Sachsen-Anhalt. In den ersten sieben Monaten summierte sich das Minus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 108,5 Millionen Euro. Mit 3,34 Milliarden Euro nahm das Land 3,1 Prozent weniger ein als vor Jahresfrist, wie ein Sprecher des Finanzministeriums in Magdeburg der dpa sagte. Nach seinen Worten entsprechen die Steuerausfälle in etwa den Erwartungen. Ein Teil sei bereits in dem im April beschlossenen Nachtragshaushalt berücksichtigt.

8.00 Uhr: Die Investmentgesellschaft von Warren Buffett hat im zweiten Quartal wieder aufatmen können. Nach einem Verlust von 1,5 Milliarden Dollar im ersten Quartal meldete Berkshire Hathawayam Freitag nun einen Gewinn von 3,3 Milliarden Dollar oder 2.123 Dollar pro Aktie. Das entsprach einer 14-prozentiger Steigerung zum Vergleichszeitraum des Vorjahres, als der Gewinn bei 2,88 Milliarden Dollar lag.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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