Hoffnungszeichen US-Arbeitslosigkeit sinkt überraschend

Experten hatten mit einem weiteren Anstieg in Richtung 10 Prozent gerechnet, nun sinkt die Arbeitslosenquote in den USA sogar. Trotz mancher in der Statistik enthaltenen Verzerrung sehen Volkswirte die Zahlen als Zeichen einer langsamen Erholung.

Washington - Entgegen den Erwartungen ist die Arbeitslosenrate in den USA im Juli gesunken. Im abgelaufenen Monat lag die Quote bei 9,4 Prozent, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington bekanntgab. Im Juni hatte sie noch 9,5 Prozent betragen. Die Zahl der Arbeitslosen sank von 14,7 Millionen auf 14,5 Millionen. Es war das erste Mal seit April 2008, dass die Zahl der Erwerblosen im Monatsvergleich sank.

Als Anzeichen für eine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt wollte das Ministerium die aktuellen Zahlen aber nicht verstanden wissen. Es wies darauf hin, dass im Juli netto 247.000 Arbeitsplätze verloren gingen. Die Erwerbslosenrate sank offenbar deswegen, weil sich weniger Menschen als arbeitssuchend meldeten. "In den meisten Sektoren der Wirtschaft hat sich der Abbau von Arbeitsplätzen fortgesetzt", erklärte das Ministerium.

Der Verlust von Arbeitsplätzen verlangsamte sich aber. Von Mai bis Juli gingen im Durchschnitt jeden Monat 331.000 Stellen verloren, zwischen November 2008 und April waren es noch 645.000 pro Monat. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen stieg im Juli auf fünf Millionen; damit war fast jeder dritte Erwerbslose in den USA seit mehr als sechs Monaten ohne Arbeit.

Der US-Arbeitsmarktbericht passt nach Einschätzung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in das Bild einer langsamen Erholung der US-Wirtschaft. Darauf deute auch die Entwicklung des Arbeitsvolumens hin, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Studie. Dieses sei im Vergleich zum Vormonat erstmals seit August 2008 nicht mehr gefallen.

Bei den Daten für Juli habe insbesondere die Arbeitslosenquote positiv überrascht. Allerdings sei der Arbeitsmarktbericht analog zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe durch einen Saisoneffekt im Automobilbereich etwas verzerrt. Insofern sei bei den Interpretation noch etwas Vorsicht geboten.

Die Zahlen sind auch laut DekaBank sehr positiv zu werten. "Mit einem derart geringen Stellenabbau war nicht zu rechnen", sagte DekaBank-Experte Rudolf Besch. Allerdings seien die Zahlen auch durch saisonale Effekte leicht "geschönt".

So seien im Automobilsektor bereits in den Vormonaten sehr viele Stellen gestrichen worden, die nun nicht mehr zu Buche schlagen. "In der Summe sind die Zahlen aber gut. Der Juli dürfte der erste Monat seit langem sein, in dem der Arbeitsmarkt die Gesamtwirtschaft zumindest nicht mehr gebremst hat", sagte Besch.

manager-magazin.de mit Material von afp und dpa-afx

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